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Mecklenburg-Vorpommern

26. September 2017 | 04:12 Uhr

Bildung MV : Einfach Ein-Fach-Lehrerin

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Rechtsänderung soll seit Herbst 2015 für Gerechtigkeit im Lehrerzimmer sorgen – ein Beispiel zeigt, dass das nicht immer gelingt

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Michaela Geisler ist nicht einfach nur Lehrerin, sie brennt für ihren Beruf. Am Schweriner Goethe-Gymnasium erteilt sie normalen Musik- und dazu Bläserklassenunterricht, sie leitet dort ein Blasorchester und eine Bigband. Seit Jahren holen ihre Schüler Ehrungen und Preise, repräsentieren ihre Heimatstadt auf nationalen und internationalen Bühnen.

Michaela Geisler ist einfach eine Lehrerin, wie Eltern sie sich für ihre Kinder wünschen. Und doch fühlte sie sich lange als Pädagogin zweiter Klasse. Denn sie hat zwar sogar zwei Studien abgeschlossen – 1983 als Grundschullehrerin und 1985 als Diplomlehrerin für Musik –, doch mit diesen Abschlüssen aus DDR-Zeiten galt Michaela Geisler nach der Wende als Seiteneinsteigerin. Erst eine Rechtsänderung im Herbst 2015 machte es möglich, dass ihr im Februar 2016 eine Lehrbefähigung nach bundesdeutschem Recht zuerkannt wurde – und damit auch endlich eine Bezahlung analog zu der der meisten Kollegen.

Doch die Freude währte nicht lange: Vor gut zwei Wochen erfuhr Michaela Geisler, dass sie ab sofort und rückwirkend wieder zwei Entgeltgruppen niedriger eingestuft würde. Denn sie sei nur Ein-Fach-Lehrerin, für die Höhergruppierung sei die Lehrbefähigung für zwei Fächer nötig. „Das kam in einem Augenblick, als ich wusste, dass ich bis zum Schuljahresende noch zehn Konzerte vorzubereiten habe“, erinnert sich Michaela Geisler.

Ihr gegenüber sitzt Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) – unsere Redaktion hatte beide zusammengebracht, nachdem die Musiklehrerin in einer emotionalen E-Mail Hilfe bei ihrer Zeitung suchte. Sie sei, so sagt Frau Geisler der Ministerin, weniger empört, sondern vor allem enttäuscht darüber, wie wenig Anerkennung ihre Arbeit findet – und muss dabei einige Tränen wegblinzeln. Seit 1992, so erzählt sie weiter, beschäftige sie sich mit Bigband-Arbeit, seit zehn Jahren spiele ihre Bigband in der ersten Bundesliga. Die Bläserklasse 6.2 des Goethe-Gymnasiums hätte im Mai in Karlsruhe bei der Bundesbegegnung „Schule musiziert“ den ersten Preis gewonnen. Selbst Hochschullehrer hätten sie für ihre Arbeit gelobt und versucht, sie abzuwerben. „Aber hier ist das alles nichts wert“, sinniert die Lehrerin, die auch einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Freizeit für ihre Schüler opfert: „Mir geht es nicht um die Kohle, Lehrer verdienen gut, aber es macht mich wütend und traurig, dass Leistung durch unsere Bürokratie nicht anerkannt wird.“

Birgit Hesse versteht, wie verletzt Michaela Geisler ist. „Sie sind hoch spezialisiert“, lobt sie und betont, dass sie wisse, dass Bläser- und normaler Musikunterricht am Spezialgymnasium zwei unterschiedliche Fächer sind. Dennoch sei eine Höhergruppierung nicht möglich, weil dazu eben noch die Lehrbefähigung für ein weiteres Fach nötig wäre. Auch acht weitere Lehrerinnen und Lehrer – von 900 Seiteneinsteigern im Land – sind nach der Rechtsänderung fälschlich eingruppiert und jetzt wieder zurückgestuft worden, heißt es aus dem Ministerium, das sich für diese „bedauerlichen Fehler “ entschuldigt. Für Michaela Geisler gibt es dennoch eine Aufwertung. Weil sie „zur Profilbildung des Musikgymnasiums beiträgt“, soll sie zusätzlich zum regulären Gehalt eine – im Tarifvertrag vorgesehene – Zulage bekommen, verspricht die Ministerin. „Und dazu kriegen sie die schönste Anerkennung der Welt, die Dankbarkeit von Schülern und Eltern.“

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