Neubrandenburg : Eine WG für junge Flüchtlinge

Eines der Zimmer im Campus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Eines der Zimmer im Campus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Drei Wohngruppen mit 30 Plätzen für unbegleitete jugendliche Asylbewerber. Hier sollen sie Deutsch lernen und auf die Berufsausbildung vorbereitet werden

svz.de von
19. Januar 2016, 12:00 Uhr

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat als erster kommunaler Träger im Nordosten einen Campus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet. Dazu wurden in zwei Gebäuden an einer Berufsschule drei Wohngruppen mit 30 Plätzen geschaffen, sagte Landrat Heiko Kärger (CDU) gestern in Neubrandenburg. Ziel sei es, die Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren möglichst schnell an eine berufliche Ausbildung heranzuführen.

Durch die Nähe zu der Berufsschule, an der rund 1000 Jugendliche lernen, sollen die Flüchtlinge schneller in Kontakt mit gleichaltrigen Einheimischen kommen, dort Freizeitangebote nutzen und auch Berufsfelder ausprobieren können. „Als Erstes wird aber Deutsch gelernt“, sagte Berufsschulleiter Torsten Sommer. Zwei Jahre soll so eine Berufsvorbereitung dauern. „Ein ähnliches Vorhaben gibt es in München und die Vorteile wollten wir nutzen“, sagte Kärger. Bisher sind 16 der 30 Plätze nur mit jungen Männern aus Syrien und Afghanistan belegt. Aus diesen beiden Ländern kommen fast alle der 178 minderjährigen Flüchtlinge im Kreis, die das Jugendamt betreut.

Als Unterkünfte wurden ehemalige Büros und Zimmer in zwei größeren Gebäuden ausgestattet und angemietet. Pro Wohngruppe stehen sieben Betreuer, da-runter Arabisch sprechende Dolmetscher, zur Verfügung. „Wir haben bisher keine Probleme mit ausländischen Schülern“, sagte Sommer. An der Schule gibt es bereits zwei solcher Klassen zur Berufsvorbereitung. „Außerhalb der Schule treffen sich einheimische und ausländische Jugendliche zum Beispiel, um im Tierheim Friedland Tiere zu betreuen“, erklärte Sommer. Manche kochen auch zusammen. In der Nähe gebe es zudem kleinere Firmen, die den jugendlichen Flüchtlingen Praktika anbieten wollen.

In Mecklenburg-Vorpommern leben nach Angaben des Schweriner Sozialministeriums derzeit knapp 980 solcher minderjährigen Flüchtlinge. Die meisten leben mit 342 Kindern und Jugendlichen im Kreis Ludwigslust-Parchim, knapp 200 in Schwerin und Rostock und mit 43 die wenigsten im Kreis Nordwestmecklenburg.

Hintergrund: Patenprogramm

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will mit einem neuen Zehn-Millionen-Euro-Programm Paten, Vormünder und Gastfamilien für Flüchtlinge gewinnen. „Integration ist mehr als der Gang zum Sprachkurs oder Arbeitsamt“, erklärte Schwesig gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Mit diesem Patenschaftsprogramm schaffen wir die Basis für viele dauerhafte persönliche Begegnungen. Davon profitieren nicht nur die geflüchteten Menschen, sondern auch die Patinnen und Paten und damit unsere gesamte Gesellschaft.“

Schwesig will das Programm unter dem Motto „Menschen stärken Menschen“ heute vorstellen. Geplant sind 25 000 neue Patenschaften in diesem Jahr. „Unser Alltag besteht aus Freunden, Bekannten, nicht nur aus Institutionen wie der Kita, der Schule oder dem Arbeitsplatz. Dieses Miteinander kann der Staat nicht leisten“, so die SPD-Politikerin weiter.

Träger der Patenschaften sollen Wohlfahrtsverbände, Stiftungen, Migrantenorganisationen und Freiwilligenagenturen sein. An sie fließt auch das Fördergeld.

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