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Bahnhofsimmobilie : Eine Stadt kauft einen Bahnhof

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Empfangsgebäude in Waren/Müritz gehört nun der Verwaltung – Ursprünglich hatte es ein Unternehmen aus Plauen gekauft

von
erstellt am 28.Okt.2014 | 11:45 Uhr

Wer mit dem Zug nach Waren/Müritz fährt, sieht schon von weitem das rotgeziegelte Bahnhofsgebäude. Trotz einiger Blessuren an der Fassade ist der denkmalgeschützte Bau eine der schönsten Sehenswürdigkeiten in dem Ferienort. Doch die Idylle trügt. Denn im Inneren des Gebäudes sieht es ganz anders aus. Der frühere Kommunikationspunkt der Stadt hat seine eigentliche Funktion schon lange verloren. Außer einem kleinen Laden liegt der Bereich weitestgehend brach. Doch jetzt gibt es Hoffnung. Die Warener Stadtverwaltung hat das Empfangsgebäude gekauft und plant umfangreiche Sanierungsarbeiten. „Waren hat den Status eines Heilbades. Für uns ist es wichtig, dass alle Gäste, die mit dem Zug kommen, einen guten ersten Eindruck von der Stadt haben“, sagt Bauamtsleiter Gunter Lüdde. Denn auch wenn das Empfangsgebäude quasi leer steht, halten täglich etliche Züge am Warener Bahnhof.

Jetzt sind die Weichen für einen Umbau gestellt. Doch der Weg war lang – und ungewöhnlich. Denn um das Gebäude kaufen zu können, musste die Stadtverwaltung sich eines kleinen juristischen „Tricks“ bedienen.

Die Warener Stadtväter wollten das Projekt Bahnhof schon lange angehen, aber ihre Pläne wurden von der Bahn bislang ausgebremst. „Die Bahn beabsichtigt schon lange, das Gebäude zu verkaufen“, berichtet Lüdde. Doch trotz langwieriger Verhandlungen hat die Bahn der Stadt Waren den Zuschlag für das Gebäude nie erteilt. „Wir sind uns nicht über den Kaufpreis einig geworden“, so Lüdde. Die Bahn habe zunächst 130 000 Euro gefordert, die Warener hatten jedoch nicht mehr als 60 000 Euro geboten. Schließlich wurde das Bahnhofsgebäude zur Auktion freigegeben, Mindestgebot: 65 000 Euro.

Die Stadt nutzte die Chance, um ein neues Angebot einzureichen. Bei der Auktion war letztlich jedoch kein Warener dabei. „Wir wollten den Preis nicht künstlich in die Höhe treiben“, erklärt Lüdde. Am Ende bekam eine Immobilienfirma aus Plauen den Zuschlag, bezahlte 77 000 Euro. Für die Warener Stadtverwaltung war das zunächst ein Rückschlag, sie konnte sich das Gebäude am Ende aber trotzdem sichern. Denn bereits 1993 hatte sich die Stadt das Vorkaufsrecht für die Immobilie gesichert. Dieses Recht wurde jetzt geltend gemacht. Damit tritt die Stadtverwaltung anstelle des ursprünglichen Käufers in den Kaufvertrag ein – zu den selben finanziellen Konditionen. Jetzt kann der Umbau beginnen.

„Wir haben den Käufer näher geprüft und mussten davon ausgehen, dass er das Gebäude nicht sanieren wird“, berichtet Gunter Lüdde. So sei zum Beispiel auch der Bahnhof in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) im Besitz der Immobilienfirma. „Dort ist bis jetzt auch noch nichts passiert“, so der Bauamtsleiter. Dabei hat es an Angeboten nicht gemangelt. Mehrmals hat die Verwaltung die Aussprache mit dem russischen Geschäftsführer der Plauener Firma gesucht, ihn zu einem Sanierungskonzept bewegen wollen. Wäre er bereit gewesen, das Gebäude innerhalb von drei Jahren umzubauen, hätte die Stadt auf das Vorkaufsrecht verzichtet, betont Gunter Lüdde.

Mit diesen Ansprüchen biss die Verwaltung bislang jedoch auf Granit. „Unterm Strich hatte sich unsere Befürchtung bestätigt“, berichtet Bürgermeister Norbert Möller. Bis zum 6. Oktober hätte der Käufer Einspruch gegen das Vorhaben der Stadt einlegen können. Passiert ist nichts. Nun ist die Stadt der rechtmäßige Eigentümer des Warener Bahnhofsgebäudes. Die Kosten werden durch Haushaltsmittel abgedeckt, so der Bürgermeister.

So steht auch dem Umbau des Bahnhofs nichts mehr im Wege. „Wir haben ein zwei Jahre altes Konzept, das wir gerade überarbeiten und dann allen Gremien vorlegen“, sagt Norbert Möller. Das Vorhaben solle „so zeitnah wie möglich“ in die Tat umgesetzt werden.

Schon in zwei Jahren könnte sich das Gesicht des Warener Bahnhofs gewandelt haben. Geplant ist eine komplette Runderneuerung des Innenbereichs. „Wir streben eine öffentliche Nutzung an. Eine Touristen-Information und Gastronomie wären toll“, so Norbert Möller. Ein Teil der Arbeiten soll ebenfalls durch die Stadtkasse finanziert werden. „Wir versuchen aber auch, Fördermittel zu organisieren“, so der Bürgermeister. So wurden auch schon die Bauarbeiten auf dem Bahnhofsvorplatz realisiert. Bereits seit 2010 wurden die Parkplätze an der Bahnhofstraße ausgebaut. Außerdem wurden Sitzmöglichkeiten und Unterstände für Wartende geschaffen sowie zwei überdachte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder aufgestellt und die Stellplätze für Busse und Taxen saniert.


 

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