zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 20:39 Uhr

Missbrauch Parchim : Eine schwierige Familie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Siebenjähriger Stiefsohn mehrfach missbraucht. Angeklagter gesteht Schuld nicht ein

von
erstellt am 19.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Ein Mann aus Parchim hat gestanden, vor gut einem Jahr seinen Stiefsohn mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Vor dem Landgericht Schwerin sträubte er sich gestern allerdings, seine Schuld im vollem Umfang einzugestehen. Er behauptete, er habe dem Jungen nicht gedroht und das Kind habe sich auch nicht gewehrt. Außerdem sei die Initiative zur verfänglichen körperlichen Nähe sogar von dem Siebenjährigen ausgegangen.

Der Vorsitzende Richter Armin Lessel machte deutlich, dass er das nicht glaubt. Für die Höhe der Strafe spielt es auch keine Rolle, von wem die „Initiative“ ausgegangen ist. Der 30-jährige Angeklagte ist einschlägig vorbestraft und wusste, dass sein Tun verboten war. Er ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für vermindert schuldfähig.

Der Angeklagte ist von „einfachem Gemüt“. Er hat eine Förderschule besucht und mehrmals in Behindertenwerkstätten gearbeitet. Die Familienverhältnisse, in dem sich die Übergriffe abspielten, müssen als „schwierig“ bezeichnet werden. Der Mann lebt mit seiner 27 Jahre alten Ehefrau in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Da sie nicht in der Lage ist, ihren Sohn aus einer früheren Beziehung zu erziehen, ist der Junge bei ihren Eltern untergebracht. Gleichwohl besuchte das Kind gelegentlich seine Mutter und ihren Mann. An einem Wochenende vor gut einem Jahr soll es dann an mehreren Tagen zu den Übergriffen gekommen sein. Das gab der Angeklagte zu. Er will währenddessen jedoch bekifft gewesen sein.

Wie viel seine Frau von den Übergriffen mitbekommen hat, wollte der Angeklagte nicht sagen. Allerdings geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie etwas wusste und hat wegen unterlassener Hilfeleistung gegen sie ermittelt. Einer Sozialarbeiterin vom Jugendamt gegenüber sagte sie später, sie sei nicht auf ihren Mann, sondern auf Fabian wütend und eifersüchtig gewesen, weil der Junge in ihren Augen offenbar eine größere Nähe zum Stiefvater entwickelte als zu ihr. Insgesamt hatte die Sozialarbeiterin aber den Eindruck, „dass sich die Mutter sehr einig war mit dem Stiefvater“. Ans Tageslicht kamen die Übergriffe, weil der Angeklagte und seine Frau kurz danach das Jugendamt per SMS alarmierten. Sie behaupteten darin, dass ihr Vater (beziehungsweise der Schwiegervater des Angeklagten), bei dem der Junge lebte, für das dem Jungen unterstellte „sexualisierte“ Verhalten verantwortlich sei. Dagegen sollte das Jugendamt „endlich“ etwas unternehmen. Der Angeklagte bedachte offenbar nicht, dass dadurch seine Übergriffe auf den Jungen bekannt würden. Für strafrechtliche Vorwürfe gegen den Opa des Kindes fanden sich keine Anhaltspunkte.

Der Junge lebt inzwischen bei einer anderen Pflegefamilie und entwickelt sich gut, so eine Familienhelferin. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen