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Avi Avital in Parchim : Eine Saite tief in uns berühren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Freitag präsentiert der Mandolinist Avi Avital bei den Festspielen MV in der Parchimer St.-Georgenkirche sein „Virtuoses Saitenspiel“

Avi Avital ist vielleicht der Künstler, der die Mandoline wie kaum ein anderer in die Konzertsäle dieser Welt trägt. Am 25. August ist er bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern zu Gast. Ab 19.30 Uhr stellt der israelische Musiker gemeinsam mit dem iranischen Cembalisten Mahan Esfahani in der Parchimer St.-Georgen-Kirche sein „Virtuoses Saitenspiel“ vor. Christoph Forsthoff hat den 39-Jährigen getroffen.

Einerseits haben wir die Violine, andererseits die Gitarre – wozu braucht es da noch die Mandoline?
Avi Avital: Die Mandoline ist ein einzigartiges und ganz eigenes Instrument. Wenn Sie die Gattung der Zupfinstrumente betrachten, gehört die Mandoline zu den ältesten Instrumenten der Welt, und jede alte Musikkultur kennt ihre eigenen Zupfinstrumente wie die Sitar in Indien, die Pipa in China, die Bouzouki in Russland. Insofern ist die Mandoline nicht zwischen Violine und Gitarre anzusiedeln, sondern ein Instrument mit eigener Bedeutung und eigenem Stolz – und die Tatsache, dass es in der Welt bislang nicht so wirklich bekannt ist, macht es für mich als Musiker nur noch interessanter.

Was zeichnet die Mandoline musikalisch aus?
Zum einen ist es ein Instrument, das in seiner Gänze immer noch entdeckt werden will. Denn spiele ich russische Musik auf der Mandoline, klingt das Instrument wie eine Balalaika, spiele ich griechische Musik, wie eine Bouzouki, bei arabischer Musik klingt es wie eine Oud – und zupfe ich italienische Musik, klingt es, als wäre ich in Neapel: Das ist wirklich einzigartig an der Mandoline, das es eine Beziehung zu vielen unterschiedlichen Kulturen und Klangfarben gibt.

Hinzu kommt, dass Zupfinstrumente eine Saite tief in unserem Inneren berühren.

Klingt alles sehr interessant – dennoch haftete der Mandoline vor nicht allzu langer Zeit noch ein eher provinzielles Image an…
…ja, das ist interessant: Viele Leute verbinden die Mandoline mit Folksongs, mit Neapel, Pizza und Pasta. Dabei datiert der erste Nachweis der Mandoline aus dem Florenz des siebten Jahrhunderts, und zwar am Hofe der Medici: Ursprünglich aus Frankreich gekommen, erfreute sich die Mandoline damals großer Popularität in Adelskreisen. Denn auf den Straßen und Plätzen konnte dieses Instrument nicht gespielt werden.

Warum nicht?
Auf den dortigen großen Festen waren damals Hörner, Trommeln und Holzblasinstrumente gefragt – die Mandoline wäre da nie durchgedrungen. Stattdessen wurde dieses zarte und sensible Instrument in Salons und Galerien für Kammermusik eingesetzt – was übrigens auch auf den Gemälden jener Zeit zu beobachten ist.

Und nun kommt Avi Avital und bricht eine Lanze für die Mandoline…
Avital (lacht): Ich möchte mit Kreativität vorgefasste Meinungen und Vorurteile aus der Welt räumen und Musikliebhabern etwas schmackhaft machen. Ich spiele jedes Jahr ein halbes Dutzend Uraufführungen, damit die Mandolinenspieler in 100 Jahren vielleicht sagen können: Wir haben eine Menge Repertoire – und nicht nur die zwei Vivaldi-Konzerte.

Ist es für Sie als Musiker einfacher, dabei eher unbekanntes Terrain zu betreten?
Ich denke, es ist ein Vorteil, dass es keine Interpretationsgeschichte gibt. Wäre ich ein Pianist oder Geiger, dann würde ein Jascha Heifetz auf meinen Schultern lasten, ein Isaac Stern und all die großen Musiker – mit der Mandoline habe ich es da als Musiker viel leichter, nicht zuletzt mit Blick auf die Erwartungen des Publikums. Denn das Instrument und sein Repertoire sind für die meisten noch Neuland und eine Entdeckung.

 

 

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