Hagenow-Land : Eine Ruine steht zum Verkauf

Der Putz blättert von den Wänden, es gibt Feuchtigkeitsschäden und die Fallrohre sind zugesetzt. Das Bahnhofsgebäude macht einen maroden Eindruck. Foto: Hirschmann
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Der Putz blättert von den Wänden, es gibt Feuchtigkeitsschäden und die Fallrohre sind zugesetzt. Das Bahnhofsgebäude macht einen maroden Eindruck. Foto: Hirschmann

Das Empfangsgebäude des Bahnhofes macht einen jämmerlichen Eindruck. Das Gebäude stehe unter Denkmalschutz, nur auf dem Papier. Es sei ein Erkennungsmerkmal und Aushängeschild des Bahnhofes und der Stadt.

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25. Mai 2012, 05:34 Uhr

Hagenow | Das Empfangsgebäude des Bahnhofes in Hagenow-Land macht einen jämmerlichen Eindruck. "Das Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz, leider nur auf dem Papier. Dieses Gebäude ist ein Erkennungsmerkmal und Aushängeschild des Bahnhofes und der Stadt Hagenow", heißt es in einem Leserbrief von Arnold Krause aus Hagenow. "Noch fällt es aus der Ferne nicht auf, aber das Gebäude wird langsam eine Ruine. Als ehrenamtlicher Kämpfer für den Erhalt dieses Denkmals steht man ziemlich allein da. Es gibt auch kaum Initiativen in Hagenow. Man kann doch sicher mehr tun, als nur zu- oder wegzuschauen. Es ist schon peinlich, wenn man Besucher zum Bahnhof bringt, und dann gesagt werden muss, dass es so schlimm ja nicht mal 1945 aussah", macht sich unser Leser aus Hagenow Luft.

Das Bild des Bahnhofes an der Berlin-Hamburger Eisenbahnlinie spricht für sich: Der Putz blättert von den Wänden, Fenster und Türen sind verschlossen, das Regenwasser läuft die Fassade herunter. Die Fahrstühle, die ein behindertengerechtes Wechseln von einem Bahnsteig auf den anderen ermöglichen sollen, sind seit Jahren defekt. Hinzu kommt eine angespannte Parkplatzsituation für die Pendler, die die Service-Angebote der Bahn intensiv nutzen.

Es ist offensichtlich: Der Eigentümer des Hauses, die Deutsche Bahn AG, nimmt seine Unterhaltspflicht nicht wahr, und die jetzige Situation ist der unschöne Ausdruck dafür.

Auf SVZ-Nachfrage sagte ein Bahnsprecher, dass das Empfangsgebäude zum Verkauf steht. Dieses Gebäude sei für die DB AG nicht mehr betriebsnotwendig und soll daher durch einen Verkauf, einer neuen Nutzung zugeführt werden, heißt es. Gespräche mit Interessenten wurden nach seinen Worten geführt, ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor, heißt es dazu von der Pressestelle der Bahn AG. Zum Zustand des Empfangsgebäudes heißt es weiter von der Bahn-Pressestelle, dass es in einem verkehrssicheren Zustand gehalten werden soll, was immer das auch heißen mag. Viele Reisende sehen das anders, und auch in der Hagenower Stadtvertretung war der schlechte Zustand des Bahnhofes bereits ein Thema. Für Bürgermeisterin Gisela Schwarz steht eindeutig fest, dass die Bahn hier in der Pflicht ist, für einen vernünftigen Zustand des Gebäudes zu sorgen. Und auch der behindertengerechte Zugang zu den jeweiligen Bahnsteigen ist mit den defekten Fahrstühlen nicht gegeben. Das sieht die Bahn anders, weil durch die barrierefreie Erschließung zu den Bahnsteigen 1 und 2 durch den Überweg von Bahnsteig 3 gegeben sei.

"Auf Grund von wiederholtem Vandalismus und damit verbundenen sehr hohen Schäden an den Aufzügen wird von einer Wiederinbetriebnahme abgesehen", heißt es dazu von der Bahn-Pressestelle. "Für einen Menschen mit Handycap ist es sehr schwer, von einem Bahnsteig auf den anderen über die vorhandene Schrankenanlage zu gelangen. Wenn die Entscheidungsträger selbst betroffen wären, würden sie sicher anders denken", kommentiert die Bürgermeisterin diese Zumutung, die auch der Senioren- und Behindertenbeirat der Stadt bisher erfolglos kritisiert hat.

Vandalismus an technischen Einrichtungen ist ein Thema

"Sicherlich ist der Vandalismus an den Aufzügen ein Thema. Aber: Wenn ich Anlagen besitze, und in Größenordnungen Steuergelder einnehme, dann habe ich die Verpflichtung, für die Objekt zu sorgen. Zumal der Zugverkehr stark frequentiert ist. Ich kann nicht erkennen, warum hier so sehr eingespart wird. Die Bahn wird ihrer Verantwortung gegenüber den Gebäuden nicht gerecht", sagt die Bürgermeisterin, die es schon unverschämt findet, dass die Bahn der Kommune das Gebäude zum Kauf angeboten hat, die Stadt aber auf einem Areal, das von Bahnanlagen umgeben ist, keine Verwendung dafür hätte. Die Denkmalbehörde des Landkreises ist an dem Thema dran, denn immerhin ist der Bahnhof ein Denkmal. Allerdings lehnen sich die Verantwortlichen dort nicht so sehr aus dem Fenster wie die Hagenower Bürgermeisterin. Ja, der Eigentümer sei in der Pflicht und man werde ihm ans Herz legen, etwas zu tun, lässt der Pressesprecher des Landkreises, Andreas Bonin, ausrichten.

Fazit: Wenn die Bahn nicht zu ihrer Verantwortung steht, dann wird sich die Situation des Gebäudes in Hagenow-Land nicht ändern, im Gegenteil. Aber: Die Bahn will verkaufen und wird deshalb kein gesteigertes Interesse daran haben, in Hagenow-Land noch Geld auszugeben.

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