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Bundesfreiwilligendienst : Eine Portion Fröhlichkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Natalia Perevozkina fährt in Schwerin für die Volkssolidarität Essen aus – und hat immer gute Laune im Gepäck

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 11:55 Uhr

Mit der Flut roter Locken kommt immer auch ein Schwall gute r Laune hinein: Wenn Natalia Perevozkina im Schweriner Stadtgebiet das Essen ausfährt, wird sie an vielen Türen schon sehnsüchtig erwartet. „Ich habe nicht viel Zeit, aber um ein paar freundliche Sätze zu wechseln und zu fragen, wie es geht, reicht es allemal“, erzählt die attraktive Rothaarige, die Ende 2001 aus Russland nach Deutschland kam.

23 Stunden pro Woche fährt Natalia Perevozkina als Bundesfreiwilligendienstleistende für den Mahlzeitendienst des Volkssolidarität-Kreisverbandes Schwerin-Nordwestmecklenburg Essen aus – mittlerweile seit mehr als einem Jahr. Erst vor kurzem wurde ihr Vertrag noch einmal um drei Monate verlängert. „Ich hätte gerne von vornherein die höchst mögliche Dienstzeit von 18 Monaten vereinbart“, erzählt sie – doch leider war das nicht möglich. Um eine Einsatzstelle hatte sie sich selbst gekümmert. Genau genommen, so verrät sie, hatte sie auf eine Dienststelle gehofft, wo „irgendwas mit Natur oder mit Kunst gemacht wird“ – aber solche Stellen sind rar. Und Natalia Perevozkina kann und will nicht wählerisch sein: Seit sie in Deutschland lebt, hat sie noch nie eine feste Anstellung gehabt. Vielleicht, weil sie als Diplom-Ökonomin nicht die richtige Qualifikation mitgebracht hatte. Anfangs, so deutet sie an, hätte ihr die deutsche Sprache auch Probleme bereitet – heute allerdings merkt man davon nichts mehr.

Über sich selbst mag Natalia Perevozkina nicht gerne reden – schlimm genug, dass beim Paritätischen Wohlfahrtsverband registriert ist, dass sie bereits die 50 überschritten hat. „Aber was sagt denn diese Zahl über das tatsächliche Alter“, meint sie – und erzählt von einer Kundin, die mal zu ihr gesagt hätte, sie sei „schon 67“, da könne sie nicht mehr so schnell an die Tür kommen. Andere, so Natalia Perevozkina, seien mit 80 tatsächlich noch viel flinker.

Sie selbst wird es vermutlich mit 80 auch noch sein. Fahrstuhlfahrten, so erzählt Natalia Perevozkina, nutzt sie für kleine gymnastische Übungen. Und auch das Treppauf-Treppab, das mit ihrer Arbeit verbunden ist, nimmt sie sportlich: „Ich bekomme Geld dafür. Andere bezahlen im Fitnessstudio…“

130 Haushalte beliefert der Mahlzeitendienst der Volkssolidarität in Schwerin mit warmem Essen, erzählt dessen Leiterin Elvira Kausch. Dazu kämen 55 Paare oder Alleinlebende, die sich einmal wöchentlich ihre Mahlzeiten „in tiefkühlfrischer Form“ anliefern ließen. Fünf Fahrer, alle als geringfügig Beschäftigte angestellt, würden an 365 Tagen im Jahr auf Tour gehen, um das Essen auszuliefern – und Natalia, die Bundesfreiwilligendienstleistende.

Ihr Dienst beginnt wochentags bereits um 7.30 Uhr und auch an Wochenenden maximal eine halbe Stunde später. Dann werden entsprechend den Bestellungen die Gerichte – jeweils sechs stehen zur Wahl – aus der Gefrierzelle geholt und in einem Spezialofen erhitzt. Anschließend kommen sie, nach dem Tourenplan sortiert, in Warmhaltebehälter. Und schon gegen neun Uhr geht es los – anders ist es nicht zu schaffen, dass alle Kunden bis spätestens 12.30 Uhr beliefert werden. „Ich habe mal nachgemessen, in den Spezialbehältern ist das Essen auch um halb eins noch heiß“, betont Natalia Perevozkina.

„Unsere Kunden sind mit Natalia sehr zufrieden“, lobt die Chefin, „denn sie hat immer gute Laune“. Und sie bringt, im wahrsten Sinne des Wortes, Farbe in den Alltag. „Das Dienst-T-Shirt sieht so langweilig aus, da trage ich lieber meine eigenen Sachen“, verrät Natalia Perevozkina. Mancher Kunde hätte sie schon gefragt, wie groß denn ihr Kleiderschrank sei – dabei hätte sie gar nicht viele Teile, sie würde sie nur immer anders kombinieren.

Wenn ihr Bundesfreiwilligendienst zum Jahresende ausläuft, möchte Elvira Kausch Natalia Perevozkina gerne weiter als Fahrerin beschäftigen – auf 450-Euro-Basis. Denn schließlich bringt sie den Kunden mit dem Essen immer auch eine Portion Fröhlichkeit ins Haus.

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