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Frau Sellering im Landesrechnungshof : Eine pikante Personalie?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ehefrau des Ministerpräsidenten arbeitet künftig in oberster Kontrollbehörde. Der Landeschef freut sich – die Opposition grummelt

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2017 | 06:25 Uhr

An der Qualifikation ihrer neuen Mitarbeiterin im Landesrechnungshof (LRH) lässt Präsidentin Martina Johannsen erst gar keinen Zweifel aufkommen, sie schwärmt fast ein bisschen für die Verstärkung aus Berlin. „Das ist ein großer Glücksgriff für uns. Fachlich passt das super“, sagt Johannsen über die künftige Kollegin. Dennoch gilt die gestern von der Präsidentin in kleiner Runde vorgestellte Personalie als heikel: Bei der neuen Referentin in der obersten Finanz-Kontrollbehörde des Landes handelt es sich immerhin um die Ehefrau von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).

Die bislang beim Bundesfinanzministerium in Berlin beschäftigte Volkswirtin, Britta Sellering, übernimmt im Rahmen einer Abordnung in Schwerin am 1. April für zwei Jahre Aufgaben im Grundsatz-Referat des Landesrechnungshofes des Landes. Dass die Personalie Britta Sellering nicht ganz unproblematisch ist, weiß auch die Präsidentin des Rechnungshofes. „Der Name macht es etwas prekär “, räumt Johannsen ein. Sie habe aber ein reines Gewissen.

Da es laut Johannsen in der Behörde derzeit keine freien Stellen für zusätzliche Mitarbeiter gibt, habe sie sich mit einem Amtshilfeersuchen an den Bundesrechnungshof und an das Bundesministerium gewandt. „Wir brauchten sofort jemanden. Und es ist auch nicht einfach Kandidaten mit einer solchen Qualifizierung nach Schwerin zu holen“, erklärt Johannsen. In der Landeshauptstadt sei die Suche jedenfalls vergeblich verlaufen. Allein das Finanzministerium in Berlin habe sich zu einer Abordnung von Mitarbeitern bereit erklärt. „Wir haben dann ein Anforderungsprofil übermittelt“, erklärt Johannsen.

Das Auswahlverfahren lag nach Angaben der LRH-Präsidentin den Händen des Ministeriums. Es habe zunächst zwei Interessenten für die Stelle gegeben. Ein Kandidat habe aber abgesagt, als er erfahren habe, dass keine Telearbeit möglich und seine Anwesenheit in Schwerin erforderlich ist. „Frau Sellering war am Ende die einzige geeignete Bewerberin gewesen“, erklärt Johannsen. Absprachen habe es nicht gegeben. „Das war kein Deal. Mit mir werden keine Deals gemacht“, betonte Johannsen. Auch ein Sprecher das Bundesfinanzministerium stellte gegenüber unserer Zeitung klar: „Die Stelle wurde regulär im Ministerium ausgeschrieben. Es hätte sich jeder bewerben können. “

Bei der Opposition des Landtages ruft die Beschäftigung der Ehefrau des Ministerpräsidenten dennoch ein Grummeln hervor. Der Rechnungshof müsse komplett unabhängig die Landesregierung kontrollieren – insbesondere Herrn Sellering, gab Simone Oldenburg von der Linksfraktion zu bedenken. Sie könne nur hoffen, dass sich daraus kein Interessenkonflikt entwickelte. „Deshalb sind wir für eine strikte Trennung von Kabinetts- und Küchentisch“, sagte Oldenburg weiter. Kritik übte auch AfD-Fraktionschef Leif-Erik Holm. An der fachlichen Qualifikation von Britta Sellering bestünden mit Sicherheit keine Zweifel. Bei den Bürgern entstehe, ob nun zu recht oder nicht, der Eindruck, dass an dieser Stelle die wichtige Kontrolle der Landesregierung ausgehebelt werden könnte. „Und das ist schädlich für das Vertrauen in die Politik“, sagte Erik Holm.

Britta Sellering soll in der Prüfbehörde des Landes jene Abteilung verstärken, die sich mit dem Länder- und Kommunal-Finanzausgleich befasst. Beides habe für das Land große Bedeutung, erklärte die LRH-Präsidentin und wies die Befürchtungen der Opposition zurück: „Unsere Unabhängigkeit ist nicht gefährdet. Frau Sellering wird mit Sicherheit nicht die Staatskanzlei prüfen.“

Und wie reagiert Erwin Sellering auf die Bedenken über den neuen Posten seiner Ehefrau? Er wischt erst einmal jegliche Kritik beiseite: „Ich halte es für abwegig, aus diesem Grund die Unabhängigkeit des Landesrechnungshofs in Zweifel zu ziehen.“ Aber vor allem ist der Landesvater über die Familienzusammenführung glücklich. „Wir freuen uns, dass die Bewerbung erfolgreich war. Denn das erleichtert für uns selbstverständlich die Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben.“ Erwin und Britta Sellering sind seit 2010 verheiratet. Beide hatten sich eineinhalb Jahre zuvor in Berlin kennengelernt – bei Verhandlungen zu den Bund-Länder-Finanzen.


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