Diana Augustin kämpft um Anerkennung : Eine Lehrerin in der Sackgasse

<fettakgl>Kämpft um ihren Abschluss:</fettakgl> Diana Augustin <foto>Archiv</foto>
1 von 1
Kämpft um ihren Abschluss: Diana Augustin Archiv

Befristete Verträge und arbeitslos in den Ferien - Diana Augustin aus Ueckermünde kämpft in MV und Brandenburg um Anerkennung. Die Lehrerin hat Bildungsminister Mathias Brodkorb einen Brief geschrieben.

svz.de von
13. Januar 2013, 06:45 Uhr

Ueckermünde | Was fällt einem auf Anhieb ein zum Beruf des Lehrers in Mecklenburg-Vorpommern? "Wird dringend gebraucht" natürlich. Und: "Soll attraktiver werden." Laut Lehrerbedarfsplanung bis 2023 müsste das Land jährlich bis zu 600 neue Lehrerinnen und Lehrer einstellen. Regelmäßig mahnt Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gute Ideen gegen den wachsenden Personalnotstand in Schulen an. Darum hat ihm Diana Augustin aus Ueckermünde einen Brief geschrieben. Seit gut zwölf Jahren kämpft die Lehrerin in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern um eine dauerhafte Anstellung im Schuldienst. Vergeblich. Hauptgrund: ein Studium in der Wendezeit und lückenhafte Unterlagen. De facto fehlt ihr der Berufsabschluss, wie Jurist Dietrich Schwarz, Referatsleiter Schulrecht im Bildungsministerium Schwerin, erklärt. Diana Augustin hält dagegen: "Es muss doch eine Möglichkeit geben, ein den Tatsachen entsprechendes Zeugnis auszustellen oder eine Zusatzqualifikation zu ermöglichen, um als Lehrerin nach sechs Jahren Ausbildung und zwölf Jahren Berufserfahrung die entsprechende Anerkennung zu erhalten."

Das Studium zum Lehrer unterer Klassen hatte Diana Augustin 1987 am Institut für Lehrerbildung in Templin begonnen. Ein Jahr später wurde die Ausbildung an die damalige Pädagogische Hochschule (PH) Neubrandenburg verlegt. Zur Wendezeit hatte die Studentin erste Fachabschlüsse, weitere kamen im ersten Halbjahr 1991 hinzu, gefolgt vom großen Schulpraktikum über sechs Monate. "Somit habe ich diese Ausbildung nach vier Jahren abgeschlossen, wie es zu DDR-Zeiten geregelt war", schreibt Diana Augustin in ihrem Brief an den Minister. Einen vollständigen Nachweis darüber habe sie jedoch nicht erhalten: "Dozenten wurden entlassen, die PH Neubrandenburg stand kurz vor der Schließung, meine Seminargruppe war von 26 auf 3 geschrumpft, es wusste niemand, was man mit uns anfangen sollte…"

Während eine Kommilitonin als Grundschullehrerin in Templin anfangen konnte, folgte Diana Augustin dem Rat, ein Hochschulstudium aufzunehmen. In Greifswald und Berlin sammelte sie weitere Scheine, etwa in Bildender Kunst und Geschichte. Mitte 1996 kam ihr Sohn als Frühchen auf die Welt, Diana Augustin gab das Studium auf und widmete sich dem Kind. Ab 2000 arbeitete sie dann als Lehrerin in Grund- und Förderschulen der Länder Berlin und Brandenburg, gab bei privaten und öffentlichen Arbeitgebern Unterricht von Klasse 1 bis 9 und absolvierte eine Qualifikation in Waldorfpädagogik. Ihre Spezialgebiete sind Musik und Kunst.

Nebenbei bemühte sich Diana Augustin in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern um Anerkennung ihrer Abschlüsse - bei den Ministerien und den Petitionsausschüssen der Landtage. Ohne Erfolg, dort wie da zeigte immer wieder einer auf den anderen. Die Folge: "Ich bekomme nur befristete Verträge und ein Gehalt von 1400 Euro bei voller Stundenzahl. In den Ferien bin ich arbeitslos, was mich regelmäßig in eine finanzielle Notlage bringt", schildert sie. "Dabei bin ich eine sehr gute Lehrerin. Eine Lehrerin mit Leib und Seele." Das könne sie jederzeit in einer Prüfung beweisen.

Vor einigen Monaten ist Diana Augustin in ihre Heimat zurückgekehrt: In einer Grundschule in Ueckermünde übernahm sie zunächst eine Krankheitsvertretung. Danach steht die Anstellung an einer Förderschule in Aussicht. Die Hoffnung auf einen unbefristeten Vertrag mit angemessener Vergütung hat sie noch nicht aufgegeben.

Ob Minister und Ministerium dabei helfen, scheint indes fraglich. Lehrkräften, die zu DDR-Zeiten studiert haben, wurde und wird über ein "Bewährungsfeststellungsverfahren" das Lehramt zuerkannt, wie Jurist Schwarz erklärt. Das gelte für Lehrer unterer Klassen ebenso wie für Diplomlehrer mit Lehrbefähigung bis Klasse 12, sofern sie ein Abschlusszeugnis vorlegen können. Falls nicht, könnte möglicherweise geprüft werden, ob nach langjähriger Lehramtstätigkeit die Chance einer Gleichbehandlung bei der Vergütung besteht.

Diana Augustin nützt das vorerst nichts: Mit einem gesuchten Beruf, der zudem attraktiver gemacht werden sollte, sieht sie sich unverschuldet in einer Sackgasse. "Ich will meinen Abschluss endlich anerkannt haben, das kämpfe ich jetzt durch", sagt sie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen