Filmkunstfest MV : Eine Legende bleibt eine Legende

Annekathrin Bürger war gestern im Verlagshaus unserer Zeitung Stargast beim Warm-up.
Annekathrin Bürger war gestern im Verlagshaus unserer Zeitung Stargast beim Warm-up.

Annekathrin Bürger gefeierter Stargast gestern beim traditionellen Warm-up zum 29. Filmkunstfest MV im Verlagshaus unserer Zeitung

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26. April 2019, 05:00 Uhr

Schwerin | Nein, ihre Fans haben sie nicht vergessen. Als die Schauspielerin Annekathrin Bürger gestern Abend in das Casino unseres Schweriner Verlagshauses kam und durch die Reihen zur Bühne ging, brandete tosender Applaus auf. Eine Legende bleibt eine Legende – auch wenn es in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um den früheren Defa-, TV- und Theaterstar geworden ist.

Im Gespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur der SVZ, Stefan Koslik, erinnerte sich Annekathrin Bürger, die am 3. April ihren 82. Geburtstag feierte, an wichtige Stationen ihrer künstlerischen Karriere. Weil wie bei jedem der Warm-ups zum Filmkunstfest in den vergangenen Jahren ein wichtiger Film mit dem Stargast in der Hauptrolle gezeigt wurde – diesmal „Hostess“ aus dem Jahr 1976 – drehte sich natürlich vieles um diesen Defa-Skandalfilm.

„Ein liebenswerter Film“, so die Bürger. „Im Mittelpunkt eine junge Frau auf der Suche nach persönlichem Glück.“ Nicht die erotischen Szenen seien der eigentliche Skandal gewesen, sondern Bilder und Szenen, die den Verantwortlichen bei der Defa nicht gefielen. Rolf Römer etwa in seiner Rolle als Arbeiter mit langen Haaren und in Jeans. So wollte die Kulturbürokratie den neuen sozialistischen Menschen nicht sehen. Annekathrin Bürger kann darüber heute nur noch lachen. Ebenso wie über die Probeaufnahmen zu ihrem ersten und gleich erfolgreichen Film „Berliner Romanze“, für den sie nach einer ersten Ablehnung dann doch noch am Strand von Rügen entdeckt wurde.

Nach der Wende musste sich auch die erfolgreiche DDR-Schauspielerin mit eher kleineren Rollen durchschlagen. Aber langsam wurde sie auch im Westen immer populärer und drehte nach ihrer „Tatort“-Serienrolle als Frederike an der Seite von Kommissar Ehrlicher 2017 den Film „Die Anfängerin“, an ihrer Seite die frühere Schweriner Schauspielerin Ulrike Krumbiegel.

Wie auch in den Jahren zuvor präsentierte gestern der Künstlerische Leiter des Filmkunstfestes MV, Volker Kufahl, Höhepunkte des Schweriner Festivals (30. April bis 5. Mai 2019).

Er begrüßte Annekathrin Bürger als eine Legende, die mit großen Defa-Regisseuren wie Gerhard Klein, Günter Reisch, Slatan Dudow oder Frank Beyer gedreht hat.

Eine Spezialität des Festivals, so Volker Kufahl, der selbst ein Fan der DDR-Filmkunst ist, seien eben auch Defa-Produktionen. In diesem Jahr zeigt das Filmkunstfest neben „Hostess“ auch ein frühes Meisterwerk von Konrad Wolf: „Lissy“. Ein Lehrstück über Opportunismus und Verführbarkeit in einer frisch digitalisierten Fassung.

Auch zwei Filme der heute fast vergessenen Regisseurin Evelyn Schmidt sind im Programm zu erleben: „Das Fahrrad“ aus dem Jahr 1982, ein Film, der kürzlich in der Berlinale-Retrospektive „Selbstbestimmt. Perspektiven von Filmemacherinnen“ wiederaufgeführt wurde.

Schmidts Film „Seitensprung“ wurde zu großen Teilen in Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern gedreht. Die Hauptdarstellerin Renate Geißler werde diesen Film auf dem Festival präsentieren, so Kufahl.

Neben dem neuen Dokumentarfilm von Dieter Schumann, „Status Mensch“, ehrt das Filmkunstfest den kürzlichen verstorbenen Usedomer Filmemacher Heinz Brinkmann und zeigt seinen Film „Fallwurf Böhme“.

Alle diese Produktionen, so der Filmkunstfestchef schließlich, seien nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Programm mit 120 Filmen.

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