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Prozess um Kindesmissbrauch : „Eine lang anhaltende Tragödie“

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Vier Jahre und neun Monate Haft für schweren sexuellen Missbrauch. Ermittlungen gegen Mutter des Opfers

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 15:17 Uhr

Nach der Verurteilung eines Sexualstraftäters aus Wismar hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Mutter des inzwischen elf Jahre alten Opfers eingeleitet. Es werde geprüft, ob die Frau mehr von den Übergriffen wusste, als bislang bekannt ist, sagte Staatsanwältin Heidrun Sprenger gestern am Ende des Prozesses vor dem Landgericht Schwerin. Möglicherweise habe sich die Mutter der Beihilfe zum Missbrauch schuldig gemacht.

Der 57 Jahre alte Angeklagte, ein guter Bekannter der Familie, hatte während der Verhandlung ausgesagt, nicht nur dem kleinen Mädchen Geschenke gemacht zu haben. Auch der Mutter schenkte er ein Fernsehgerät, einen Computer, eine Couchgarnitur und mehrere Handys. Dabei lebt der Frührentner von rund 600 Euro im Monat. Die teuren Geschenke finanzierte er per Ratenzahlung. Der Widerspruch zwischen den Geschenken und den finanziellen Möglichkeiten des Mannes hätte der Mutter auffallen müssen, so die Ermittler.

Kind versuchte zu fliehen

Das Gericht verurteilte den Mann wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis. Er hatte gestanden, sich zwischen 2009 und März 2012 mindestens 33 Mal an dem Mädchen vergangen zu haben, als es ihm übers Wochenende von den Eltern anvertraut worden war. „Es war eine lang anhaltende Tragödie für das geschundene Kind“, sagte der Vorsitzende Richter Armin Lessel. Die Kleine war beim ersten Missbrauch erst fünf Jahre alt. Sie weigerte sich immer wieder, doch ihr Peiniger ließ nicht von ihr ab, fügte ihr beim Missbrauch Schmerzen zu. Einerseits drohte er ihr Schläge an, falls sie ihn verrate. Andererseits machte er ihr Geschenke – allerdings unter der Bedingung, dass er bei ihrem nächsten Besuch weitermachen dürfe. „Das ist besonders böse gewesen“, so Richter Lessel, denn der Angeklagte gewöhnte das Kind quasi daran, seinen Körper für Geld herzugeben.

Sehr frühzeitig berichtete das Mädchen seiner Mutter von den Übergriffen. Die stellte ihren Bekannten zur Rede. Da er die Taten angeblich bestritt, schenkte sie ihrer Tochter keinen Glauben. Weiterhin wurde die Kleine von ihrer Familie „abgeschoben“, wie sie später gegenüber der Polizei aussagte. Im März 2012, als wieder ein Wochenendbesuch bevorstand, wusste das Mädchen keinen Ausweg mehr. Es hatte Angst um sein Leben, so Richter Lessel in der Urteilsbegründung. Das Kind versuchte, per Anhalter zu fliehen. Die Polizei griff es an der Westtangente in Wismar auf und brachte es in ein Jugendheim. Inzwischen lebt das Mädchen allerdings wieder bei der Mutter, die sich das Aufenthaltsrecht für ihre Tochter zurückgeholt hat.

Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass er ein Geständnis ablegte. Er werde im Gefängnis sowieso einiges auszustehen haben, da Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergangen haben, von den anderen Häftlingen in der Regel besonders drangsaliert würden.

 

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