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Opposition kritisiert: "Landesprogramm für Schule" : Eine halbe Stelle für die Gesundheit?

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Das Anliegen ist aller Ehren wert: Zusammen mit verschiedenen Partnern aus dem Gesundheitsbereich wollen Bildungs- und Sozialministerium die Gesundheitsförderung an den Schulen des Landes verbessern.

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 06:35 Uhr

Schwerin | Das Anliegen ist aller Ehren wert: Zusammen mit verschiedenen Partnern aus dem Gesundheitsbereich wollen Bildungs- und Sozialministerium die Gesundheitsförderung an den Schulen des Landes verbessern. Bereits vor zwei Jahren schlossen sie dazu eine Rahmenvereinbarung mit der AOK Nordost, der Barmer GEK, der Techniker Krankenkasse (TK), der Unfallkasse Mecklenburg-Vorpommern und der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung. Gestern vereinbarten die Partner nun in Schwerin eine Fortschreibung des "Landesprogramms für die gute gesunde Schule" bis Ende 2014.

Dass das bitter nötig ist, belegt unter anderem der im April vorgestellte Kinder- und Jugendgesundheitsbericht des Landes. Seit Jahren sind demnach in Mecklenburg-Vorpommern zwölf Prozent der Kinder übergewichtig, bei fünf Prozent der Mädchen und Jungen ist das Übergewicht sogar krankhaft. Auch der Anteil motorisch auffälliger Kinder stagniert auf hohem Niveau. Der Anteil von Sprachstörungen im Einschulungsalter hat dem Bericht zufolge in den letzten Jahren sogar zugenommen.

"Das Programm ist als Baustein für den Erhalt der Kindergesundheit wichtig", erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin. Es sei erfreulich, dass Krankenkassen und die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung erneut zur Unterstützung gewonnen werden konnten. Allerdings sei die Vertragsunterzeichnung seit Langem überfällig gewesen, denn die Vorgängervereinbarung galt nur bis Ende letzten Jahres, kritisierte Koplin. Und setzt nach: Die Kooperationspartner seien nicht in der Lage, grobe Fehler der Landesregierung auszubügeln.

Die sieht das natürlich anders: "Gesundheitsvorsorge kann nicht früh genug beginnen. Schon in den Kitas in Mecklenburg-Vorpommern starten wir damit. Ich freue mich, dass dieser Weg konsequent in den Schulen fortgesetzt wird", betont Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD). Und Bildungsminister Mathias Brodkorb lobt das Programm als "gelungenes Beispiel für die Kooperation verschiedener Partner aus dem Gesundheitsbereich". Zu den 78 bereits in das Programm involvierten Schulen könnten in diesem Schuljahr zwölf weitere in das Programm aufgenommen werden, freut sich der Minister.

Linkspolitiker Koplin hält dagegen, dass das Gros, nämlich 466 Schulen, leer ausgeht. Und diejenigen, die in das Programm aufgenommen würden, könnten pro Jahr gerade einmal mit 80 Euro und gut acht Stunden personeller Unterstützung rechnen. Denn das Programm sei unzureichend ausgestattet, kritisiert Koplin, der Beitrag beider Ministerien beschränke sich auf eine halbe Personalstelle und 8000 Euro.

Umso größer ist das Engagement der anderen Vertragspartner: Allein die Techniker Krankenkasse steuert 12 000 Euro bei, so der Leiter der TK-Landesvertretung Dr. Volker Möws. Die Kasse bietet Schulen unter anderem ein Programm zur Stressbewältigung an. Die AOK beteiligt sich mit ihrem Projekt "Beweg dich Schule". Die Unfallkasse bietet Schulbegehungen zum Arbeitsschutz an, die BARMER GEK ein Programm zur psychischen Gesundheit.

Linkspolitiker Koplin will das Land nicht aus der Pflicht lassen und fordert weitere Maßnahmen, um die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Verpflichtende Lehrangebote für Gesundheitserziehung und -ertüchtigung an Ganztagsschulen gehören seiner Meinung nach ebenso dazu wie die finanzielle Beteiligung des Landes an einer nahr- und schmackhaften Essenversorgung an den Schulen. Ferner dürfe sich die Landesregierung nicht länger dem EU-Schulobstprogramm verweigern. "Insgesamt werden Chancen vertan, die Schulen des Landes zu wirklich guten gesunden Schulen zu entwickeln", lautet Koplins Fazit.

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