zur Navigation springen

Weihnachten im Theater Parchim : Eine Erbse für daheim

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Junge Staatstheater eröffnet in Parchim die Weihnachtsmärchensaison – und überrascht mit witzigen Ideen.

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 15:30 Uhr

Es war einmal ein König, den genau eine Woche vor dem großen Fest ein paar fiese Bazillen aus der Bahn warfen. Der Zeremonienmeister sagte für den nächsten Tag alle Termine ab und dachte mit Schaudern daran, dass auch andere aus dem Hofstaat und sogar die Prinzessin aus fremden Landen sich in den Tagen zuvor nicht wohlgefühlt hatten. Doch je näher das Fest rückte, umso gesünder und vergnügter wurden Edelleute und Bedienstete. Und als am Donnerstag noch einmal der Ablauf des Festes geprobt wurde, waren alle bester Stimmung…

Wenn in den Supermärkten schon die zweite Charge Lebkuchen ausgeliefert wird, wenn in den Discountern Lichterketten und Schwibbögen ausliegen, dann ist Weihnachten nicht mehr weit – und es beginnt die Märchenzeit, auch an den Theatern unseres Landes. In Parchim beginnt sie schon seit Jahren besonders früh: Seit 2014 die Hauptbühne des einstigen Landestheaters und heutigen Jungen Staatstheater aus bautechnischen Gründen gesperrt werden musste, wird für große Aufführungen wie das Weihnachtsmärchen die Stadthalle genutzt – wenn deren Saal frei ist. „Die Prinzessin auf der Erbse“, das diesjährige Weihnachtsmärchen des kleinen Ensembles, feiert deshalb schon an diesem Sonntag Premiere – lange vor den anderen Theatern der Region.

Dass sich Ismael Volk, der Darsteller des Königs, am Sonntag beim Intendanten Thomas Ott-Albrecht krank meldete, ist inzwischen Schnee von gestern – so wie auch die großen und kleinen Zipperlein anderer Ensemblemitglieder. Am Donnerstag gingen gleich zwei Proben mit allen Darstellern so gut über die Bühne, dass der Intendant, der für die Märcheninszenierung verantwortlich zeichnet, fast nichts mehr auszusetzen hatte. Lediglich das Licht bereitete ihm Bauchschmerzen – ein Scheinwerfer war ausgefallen, so dass alles, was sich auf der rechten Bühnenseite abspielte, nur schemenhaft zu sehen war.

Ansonsten aber gibt es in diesem Märchen für Jung und Alt jede Menge zu entdecken. Dramaturgin Katja Mickan hat der Grimmschen Vorlage eine Reihe witziger Einfälle hinzugefügt – und Lokalkolorit. So barmt der König, als sein Sohn (Nils Höddinghaus) ohne eine Prinzessin von seiner Weltreise zurückkehrt, er hätte selbst eine Chinesin willkommen geheißen, „eine Prinzessin Pang“.

Die kleinen Zuschauer werden ganz sicher über den Vorlauten Kutscher (Julian Dietz) lachen. Und sie werden die vorwitzige Zofe Zofia (Susanne Rösch) lieben – und natürlich die Prinzessin (Betül Okur), die nach einem Kutschenunfall plötzlich an das Schlosstor pocht. Die besteht darauf, ihr Brot von einem Teller und mit Messer und Gabel zu essen, wünscht in gestelzter Sprache eine Serviette – und wird schließlich von der listigen Zofia auf zehn Matratzen und einer Erbse zur Nacht gebettet.

Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt – und kann im Anschluss an die Vorstellung einem Praxistest unterzogen werden: Jeder Zuschauer bekommt eine – von der Mestliner Gärtnerei Wonglorz gesponserte – Erbse mit nach Hause. Insgesamt 7000 der Hülsenfrüchte verpacken die Mitglieder des Theaterjugendklubs dafür in den nächsten Tagen in Tütchen. Na dann: Gute Nacht!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen