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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 17:52 Uhr

Eine Chance für das Ansehen Rostocks

vom

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erstellt am 09.Aug.2012 | 09:17 Uhr

Das wurde ja auch Zeit. Es hat lange gedauert, bis die Rostocker Bürgerschaft sich entschloss, den wohl berühmtesten Sohn ihrer Stadt in der Nachwende zum Ehrenbürger zu machen. Zuletzt war es Präsidentin Karina Jens selbst, die den von 23 Bürgern vorgetragenen Wunsch zur Ehrung von Joachim Gauck schlicht liegen ließ. Im Bürgermeisterwahlkampf im Winter versuchte sie dann, ihrem Konkurrenten und amtierenden OB, Roland Methling, die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben. Bis sie feststellen musste, dass das Heft des Handelns bei der Bürgerschaft selbst lag. Und dann brauchte es noch die Nominierung Gaucks zum Bundespräsidenten, bis sich die Bürgerschaft im März im Hauptausschuss entschloss, ihn nun wirklich zum Ehrenbürger zu machen.


Dass selbst beim Beschluss der Stadtvertreter Abgeordnete – nicht nur der Linken – gegen das Vorhaben stimmten, zeugt von dem Phänomen, dass die Person Gauck nirgendwo in der Bundesrepublik so umstritten ist wie in ihrer Heimatstadt selbst. Das beweisen Umfragen vor Gaucks Wahl zum Bundespräsidenten. Einerseits gibt es immer noch Vergangenheitsbeschwörer, die Gauck seine Rolle als Aktenöffner der Stasiverbrechen übelnehmen. Andere verübeln ihm seine Rolle als Mahner und selbsternannter Demokratie-Lehrer. Dass aber der Linkspartei-Landeschef, Steffen Bockhahn, öffentlich betont, Gauck nicht zu gratulieren, das zeugt zumindest von schlechtem politischem Stil.


Was können die Rostocker nach dem gestrigen Tag von Joachim Gauck erwarten? Er sorgt dafür, dass die Hansestadt über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus weit mehr als bislang wahrgenommen wird. Beispiel: Bereits die Eröffnung der Hanse-Sail gestern Abend wurde in den großen Fernseh-Nachrichten über den Ehrengast Gauck bundesweit transportiert. Das war in der Vergangenheit nur dann der Fall, wenn Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel beim Einläuten mal wieder Mecklenburg-Vorpommern mit Schleswig-Holstein verwechselte.


Was aber noch viel wichtiger ist: Rostock kann durch den großen Demokraten Gauck das Image als Stadt des braunen Mobs, das es seit Lichtenhagen 1992 mit sich herumschleppt, ablegen. Schon vor dem gestrigen Tag hatte der Bundespräsident in unserer Zeitung angekündigt, zum Jahrestag der rechtsextremistischen Ausschreitungen am 26. August in Lichtenhagen ein Zeichen zu setzen. Das ist eine Chance für die Stadt.

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