Gesundheitswirtschaft MV : Eine Branche rüstet um

Dr. Alper Öner (M.), stellvertretender Leiter der Kardiologie Universitätsmedizin Rostock, bespricht Herz-Ultraschallbilder mit einem Kollegen.
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Dr. Alper Öner (M.), stellvertretender Leiter der Kardiologie Universitätsmedizin Rostock, bespricht Herz-Ultraschallbilder mit einem Kollegen.

Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft steckt auch in MV noch in den Kinderschuhen. Andere Länder sind da schon weiter. In Rostock treffen sich 700 Experten zum Austausch.

svz.de von
23. Mai 2017, 05:00 Uhr

Von den Kleinen lernen, heißt in die Zukunft schauen: Während in Deutschland die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft noch in den Kinderschuhen steckt, macht Estland vor, wie es funktioniert. Der baltische Staat ist ungefähr doppelt so groß, hat aber etwa genauso viele Einwohner wie Mecklenburg-Vorpommern. Doch nicht nur deswegen ist Estland in diesem Jahr Partnerland der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft. „Dort hat man sich sehr bewusst für die Digitalisierung entschieden und bereits beachtenswerte Fortschritte erzielt. Davon wollen wir lernen“, sagt Kongresspräsident Prof. Marek Zygmunt. Möglicherweise ließen sich bestimmte Modelle auf Deutschland im Allgemeinen und auf Mecklenburg-Vorpommern im Besonderen übertragen.

In Rostock-Hohe Düne tauschen sich Experten der Branche bereits zum 13. Mal aus. Unter dem Titel „Gesundheit 2017 – Mensch und Markt in der digitalen Gesundheitswelt“ treffen sich heute und morgen mehr als 700 Teilnehmer aus elf Nationen, darunter aus den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Österreich, Polen, Portugal und Russland. Begleitet wird die Tagung von einer Fachausstellung.

Prof. Marek Zygmunt (M.) in einer Podiumsdiskussion mit Minister Christian Pegel und Ministerin Birgit Hesse
Danny Gohlke
Prof. Marek Zygmunt (M.) in einer Podiumsdiskussion mit Minister Christian Pegel und Ministerin Birgit Hesse
 

Estland als Vorreiter

Im Rahmenprogramm wird Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen für Bewegung sorgen und von seinen Fortschritten im Sport durch Digitalisierung berichten. Gleichzeitig wirbt er dafür, sich beim Training nicht nur auf Fitness-Apps zu verlassen, sondern immer auch auf Kopf und Körper zu hören.

Das Gastland steht schon jetzt für zukunftsfähige Strukturen in der Gesundheitsbranche. In den vergangenen zehn Jahren wurden ein elektronisches Patientenportal und digitale Sprechstunden etabliert.

„Start-ups nutzen Estland als Testfeld, um auf ausländischen Märkten Fuß zu fassen, sobald ihre Technologien sich bei den Nutzern bewährt haben“, sagt Jaanus Pikani vom Tartu Biotechnology Park, der die estnische Delegation leitet. „Wir möchten zuverlässige Lösungen vorstellen, die möglichst schnell in Deutschland umgesetzt werden können.“ Meist werden solche Anwendungen eher lokal genutzt, allerdings bekommen grenzüberschreitende Dienstleistungen immer größere Bedeutung. „Denn die Herausforderungen moderner Gesellschaften sind überall ähnlich: eine älter werdende Bevölkerung, erhöhtes Gesundheitsbewusstsein, eingeschränkte öffentliche Gelder.“

Digitalisierung unausweichlich

„Wir wollen verstehen, warum es bei der Digitalisierung in Deutschland noch Nachholbedarf gibt – trotz des klaren Wunsches der Patienten und der Wissenschaft, sie voranzubringen, und auch der Notwendigkeit dazu“, sagt Kongresspräsident Zygmunt. Der Gesundheitsreport 2016 zeige, dass Patienten bereit sind, digitale Prozesse in Medizin und Gesundheitswirtschaft zu akzeptieren – die jüngeren genauso wie die älteren. Bei der Konferenz stehen Qualifikation und digitale Bildung, ethisch-rechtliche sowie wirtschaftliche Aspekte und die praktische Umsetzung digitaler Lösungen im Mittelpunkt. „Wir haben auch kontroverse Diskutanten eingeladen, die kritische Standpunkte zur Digitalisierung vertreten. Wir brauchen mehr Mut zur Veränderung, eine nationale Strategie zum Thema Digitalisierung. Aber wir wollen auch Ängste verstehen und Bedenken ernst nehmen.“

 

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