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Serie: Jung in MV : Eine Box gegen Schimmel im Bad

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Maschinenbauingenieur David Bredt hat einen Dusch-Entfeuchter erfunden. Eigene Firma und Patent sollen Weg in den Markt ebnen

von
erstellt am 31.Jan.2017 | 11:45 Uhr

Ende der 1980er-Jahre war der Norden der DDR das Gebiet mit der jüngsten Bevölkerung. Seit der Wende aber hat sich diese Statistik komplett umgekehrt. In Mecklenburg-Vorpommern leben nun die nahezu ältesten Menschen Deutschlands. In unserer Serie wollen wir zeigen, dass es junge Menschen gibt, die sich bewusst für den Nordosten entscheiden. Die hier Chancen sehen, die andere nicht gesehen haben.

Beim Duschen kommen einem manchmal die besten Gedanken. So ging es David Bredt in seiner WG in Rostock, als das Bad nach dem Duschen regelmäßig einer Nebelkammer ähnelte und sich Schimmel bildete. „Mit Lüften bekamen wir die Feuchtigkeit nicht raus“, erzählt der 28-Jährige. „Wir haben auch anderes probiert: Salzgranulat, elektrische Luftentfeuchter – nichts hat den Schimmel besiegt.“ Dann aber fiel sein Blick beim Duschen auf die Armatur: Die eine Seite war immer trocken, die andere immer beschlagen. „Ich dachte mir, vielleicht lässt sich das nutzen, wenn man die Fläche der kalten Seite extrem vergrößert. Man müsste die feuchtwarme Luft aus dem Bad durch ein Gerät leiten, das innen durch Kaltwasser gekühlt ist, dann auf der warmen Seite aufwärmen und wieder in den Raum geben – nach diesem Prinzip funktionieren die meisten Luftentfeuchter.“

Der damalige Student rechnete die physikalischen Gegebenheiten durch und fand heraus, dass die Idee funktionieren könnte. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Arvid Reinwaldt nahm er vor zwei Jahren an einem Ideenwettbewerb teil, erreichte einen 2. Platz und bekam 500 Euro Preisgeld. Mit dem Geld bauten sie das erste Funktionsmuster. Das Gerät tat, was es sollte, und obendrein gab es die Möglichkeit von Wärmerückgewinnung. „Das kalte Wasser hat zu Anfang etwa 10 Grad. Nachdem die warme Luft durchgeflossen ist, hat es 15 Grad. Das klingt erst mal nicht viel, aber so kann man bei einem Duschgang so viel Energie sparen wie man braucht, um sein Smartphone einen Monat lang jeden Tag voll aufzuladen.“

Beinahe hätte David Bredt Häuser entworfen. Doch die Faszination von Technik war stärker, und so wurde aus dem Neubrandenburger ein Maschinenbauingenieur. Er spezialisierte sich auf Konstruktion und Fertigung: „Diese Richtung ist besonders praktisch und anwendungsorientiert – das hat was Schöpferisches“, sagt Bredt. Inzwischen sind sie zu dritt im Team: Stefan Goletzke ist als Betriebswirtschaftler für das Kaufmännische zuständig. Sie teilen sich ein Büro am Lehrstuhl für Fertigungstechnik, so dass sie auf die geballte Kompetenz von Kollegen und auf technische Anlagen der Universität Rostock zurückgreifen können. „Für unsere Versuche unersetzlich ist die Klimakammer, in der Temperatur und Luftfeuchtigkeit genau eingestellt werden können. Computersimulationen sind dagegen sehr zeitaufwändig.“ Derzeit finanzieren sie sich für ein Jahr über ein Gründerstipendium, aber demnächst werden sie eine Firma gründen, die den Dusch-Entfeuchter auf den Markt bringen soll. Die Patentanmeldung läuft, erste Kunden sind bereits gefunden, auch auf der Rostocker Baumesse 2016 fand das Produkt viele Interessenten.

Noch sieht das Gerät sehr technisch aus. Es steckt in einem kleinen Kasten, der zwischen Armatur und Wand montiert wird. In Zukunft soll es so verbaut werden, dass nur noch zwei Luftausgänge zu sehen sind. In der Box rotieren zwei Ventilatoren und saugen den Dampf ein, der dann durch den Wärmetauscher geleitet wird.

Doch es ist noch Entwicklungsarbeit nötig: Die Funktion muss optimiert, das Gerät kleiner und überall installierbar werden. Und am Ende sollte es für viele Kunden bezahlbar sein.

„Wer ein neues Haus baut, der investiert vielleicht auch noch 500 Euro für die Box, um gesundheitsgefährdenden Schimmel von vornherein zu vermeiden“, sagt Bredt.

„Bis zu einer Badgröße von zwölf Quadratmetern ist so etwas sinnvoll.“ Natürlich sei schlichtes Lüften auch gut, denn bei einem Duschgang werden etwa 400 Milliliter Wasserdampf frei, die gerade aus kleinen Bädern nicht richtig abziehen. Aber nicht jedes Bad verfügt über genügend große Fenster.

 

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