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Seiteneinsteiger im Schuldienst : Eine außerordentliche Leistung?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Jahre nach Änderung des Lehrerbildungsgesetzes bekommen endlich die ersten Seiteneinsteiger im Schuldienst ihre Höhergruppierung

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 07:30 Uhr

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Seit Juni vergangenen Jahres hat das Bildungsministerium dreimal vermeldet, es gebe „mehr Geld für Seiteneinsteiger im Schuldienst“. In der vergangenen Woche hieß es nun plötzlich „Höhergruppierung für Seiteneinsteiger im Schuldienst rückt näher“. Betroffene sind verwirrt – und zunehmend verärgert, denn für sie zögert sich die versprochene Gleichberechtigung im Klassenzimmer immer weiter heraus.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) indes versteht Kritik an seinem Haus nicht. Für ihn stellt es eine „außerordentliche Leistung“ dar, dass Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland das Anfang 2014 geänderte Lehrerbildungsgesetz umgesetzt hat. Da sich das Land an keinem anderen orientieren konnte, es aber hunderte Fallkonstellationen gebe, hätte die Umsetzung in der Tat gedauert. Die entsprechende Rechtsverordnung sei am 28. November 2015 in Kraft getreten – erst danach hätte mit der Bearbeitung von Anträgen begonnen werden können, so der Minister.

Zu jenem Zeitpunkt lagen im Ministerium bereits 694 Anträge auf Anerkennung vor – eben weil, so Brodkorb, schon vorher immer wieder dafür geworben worden war. Denn schließlich hätten sich die Seiteneinsteiger so bereits ab Antragstellung Ansprüche sichern können.

Mittlerweile haben sogar 887 Frauen und Männer mit langjährigen Erfahrungen im Schuldienst eine Lehrbefähigung beantragt. Diese ist Voraussetzung dafür, ein höheres Gehalt zu bekommen.

Tatsächlich ist die Höhergruppierung von Seiteneinsteigern eine brisante Frage, denn sie betrifft auch eine Reihe von Lehrkräften mit DDR-Abschlüssen wie Freundschaftspionierleiter und Erzieher. Auch Grundschullehrer, die ihre Ausbildung erst nach dem Stichtag 3. Oktober 1990 beendet haben, fallen unter die Neuregelung, ebenso wie Meister, die an beruflichen Schulen unterrichten, und Absolventen von Nicht-Lehramts-Studiengängen. Sie alle gelten rechtlich als Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf – und werden als solche bislang trotz langjähriger Berufspaxis in der Regel um zwei Entgeltgruppen niedriger eingestuft und damit um mehrere hundert Euro im Monat schlechter bezahlt als Lehrer mit einem anerkannten Abschluss der Bundesrepublik.

Lehrkräfte, die einen Antrag auf Höhergruppierung gestellt haben, dürfen mit einer rückwirkenden Zahlung rechnen, das hatte der Bildungsminister bereits im letzten Sommer betont. In Einzelfällen – bei Antragstellung Anfang 2014 – könnten so mehr als 10 000 Euro zusammenkommen, hieß es seinerzeit. Insgesamt stellt das Land für die Höhergruppierung von Seiteneinsteigern pro Jahr 6 bis 8 Millionen Euro bereit.

Jetzt sind die ersten 59 Anträge positiv beschieden worden – sowohl von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern mit langjähriger Erfahrung im Schuldienst als auch von Lehrerinnen und Lehrern, denen ein Lehramt in einem weiteren Fach zuerkannt wurde, heißt es aus dem Ministerium. Dass es noch nicht mehr sind, hat Mathias Brodkorb zufolge mehrere Gründe. So hätten viele Antragsteller sich zunächst nur durch ein formloses Schreiben ihren Anspruch gesichert, sie müssten jetzt erst die zur Bearbeitung erforderlichen Unterlagen nachreichen. Es spiele aber auch eine Rolle, dass das Bildungsministerium, wie auch andere Landesbehörden, Mitarbeiter zur Flüchtlingsbetreuung abgestellt hätte. Sie würden jetzt bei der Antragsbearbeitung fehlen.

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