Leiter des G8-Gipfel 2007 : Ein Zaunkönig geht in Rente

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Knut Abramowski leitete zum G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm den größten Polizeieinsatz – heute hängt er die Dienstmütze an den Nagel

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26. März 2015, 07:50 Uhr

Der Zaun um Heiligendamm hat Knut Abramowski einst berühmt gemacht. Das zwölf Kilometer lange und 2,50 hohe Bauwerk mit Stacheldraht und Bewegungsmeldern, das der Polizeiführer selbst lieber „technische Sperre“ nannte, war das sichtbarste Zeichen der aufwendigen Sicherheitsarchitektur zum G8-Treffen der wichtigsten Staats- und Regierungschefs vom 6. bis 8. Juni 2007 in Heiligendamm. Nie wieder wurde in Mecklenburg-Vorpommern so ein langer Zaun gebaut.

Abramowski, seit 2011 Polizeipräsident in Neubrandenburg, hatte damals als Leiter der Rostocker Polizeidirektion für den Schutz von Wladimir Putin, Angela Merkel, George W. Bush, Tony Blair und den anderen politischen Hochkarätern zu sorgen. Als Chef des Einsatzstabes „Kavala“ unterstanden ihm während des Gipfels etwa 17   000 Polizeibeamte. Es war der größte Polizeieinsatz, den es im Nordosten jemals gegeben hat. Als umstritten galt damals nicht nur der zwölf Millionen Euro teure Zaun, sondern auch der Einsatz von Tornado-Aufklärungsflugzeugen zum Ausspähen der Gegner des Heiligendammer G8-Gipfels. Auch die Sicherheitskosten in Höhe von insgesamt 92 Millionen Euro sorgten für Kritik.

Für Abramowski war der Zaun unerlässlich: „Hätten wir die technische Sperre nicht, müssten wir Meter für Meter einen Polizeibeamten aufstellen. Das wären insgesamt 36  000 Mann im Schichtdienst“, verteidigte er das Bauwerk.

Unterm Strich war Knut Abramowski erfolgreich. Die Sicherheit des Weltgipfels war zu keiner Zeit gefährdet. Außer den Ausschreitungen am Samstag kurz vor dem Gipfel am Rostocker Stadthafen gab es keine Bilder von gewalttätigen Krawallen. Mecklenburg-Vorpommern präsentierte sich als freundlicher Gastgeber des G8-Gipfels. Es sprach sich europaweit herum, dass Abramowski zum G8-Gipfel an der Ostseeküste einen guten Job gemacht hat. Zur Fußballeuropameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich war man ebenso um seinen Rat bemüht wie in China, wo im selben Jahr die Olympischen Spiele stattfanden. Heute hängt der Polizeipräsident Abramowski nach 41 Jahren Dienstzeit seine Polizeimütze an den Nagel. In Neubrandenburg wird er feierlich verabschiedet. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lobt ihn, Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sowieso. „Mit Knut Abramowski geht einer der kompetentesten Polizei-Praktiker in den wohlverdienten Ruhestand“, wird heute Christian Schumacher, Landesvorsitzender der GdP, sagen.

Mit seiner Glatze und seiner ruhigen Art ähnelt der 61-Jährige dem berühmten Theodoros Kojak aus der US-Serie „Einsatz in Manhattan“. Der gebürtige Flensburger begann 1974 bei der Polizei in Schleswig-Holstein und kam 1991 nach Mecklenburg-Vorpommern, wo er die Bereitschaftspolizei mit aufbaute und 1998 die Polizeidirektion Rostock übernahm. Von 2007 bis 2011 leitete er die Polizeidirektion Schwerin und übernahm mit der neuen Polizeistruktur den Präsidentenposten des Neubrandenburger Polizeipräsidiums. Abramowski gehört damit bis heute neben dem Inspekteur der Landespolizei, Rudolf Springstein und dem Rostocker Polizeipräsidenten, Thomas Laum zu den drei ranghöchsten Polizeiführern Mecklenburg-Vorpommerns. Er ist unverheiratet und Vater von vier Kindern. Sein Nachfolger im Neubrandenburger Polizeipräsidium steht noch nicht fest. Bis zu einer Entscheidung übernimmt Stellvertreter Wilfried Kapischke die Amtsgeschäfte.Der Zaun wurde gleich nach dem Gipfel wieder abgebaut. Noch 2007 meldeten sich Interessenten, die Teile kaufen wollten: Betreiber von Flugplätzen, mehrere Zoos und die Botschaft der Seychellen in Berlin.

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