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Unwetterwarnung : Ein Vorgeschmack auf den Sommer?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erst am Montag hielt ein Unwetter Einsatzkräfte im Land auf Trab. Nun soll es wieder Gewitter und Sturm geben

Blitze, Donner, Regengüsse, vielleicht starke Böen – der Mai verabschiedet sich in diesem Jahr so gar nicht wonnemonatsmäßig. Wetterexperten kündigen für das Wochenende teils heftige Unwetter an. Auch Hagel ist dann möglich. Ist das ein Vorgeschmack auf den Sommer?

Ja, befürchtet zumindest Dr. Rainer Tiesel. Der Rostocker Meteorologe analysiert regelmäßig für unsere Zeitung das Wetter. „Die typische Gewitterzeit ist eigentlich der Sommer von Ende Juli bis Mitte August.“ Schwere Gewitter mit möglichen lokalen Wirbelstürmen entstünden immer dann, wenn feuchtwarme Hochdruckluft von einem feuchtwarmen Atlantiktief abgelöst wird. Wie häufig das in den kommenden Monaten wirklich der Fall sein wird, lasse sich aber noch nicht sagen. Seit 40 Jahren beobachtet Tiesel den Himmel. Dabei stellte er fest: „Die ganzen schweren Wettergeschehnisse haben zugenommen.“ Seit Jahren ist er sich sicher: Das Wetter ist aus den Fugen geraten.

Unwetterereignisse häufen sich

2011: Sandsturm auf der Autobahn 19, 2013: das Elbehochwasser, 2015: Tornado in Bützow. Und 2016? Erst am Montag hatte ein Gewitter in MV und Brandenburg die Feuerwehren auf Trab gehalten. Vereinzelt fielen Bäume um und liefen Keller voll. In Zabel bei Crivitz schlug ein Blitz in ein Bauernhaus ein. Mehr als 50 Brandschützer löschten das Feuer. Das Gebäude wurde zerstört. Der Eigentümer blieb zum Glück unverletzt. Auch in Berlin und Brandenburg wurden insgesamt fünf Häuser von Blitzeinschlägen beschädigt.

Dass in Zukunft immer mehr Unwetter möglich sind, bestätigt auch der Deutsche Wetterdienst (DWD). Schuld sei der Klimawandel. Seit 1981 ist es in Deutschland demnach um 1,3 Grad wärmer geworden. Die Experten gehen davon aus, dass sich die Temperatur der Erde bis 2100 ohne Klimaschutz um weitere 3,8 Grad erwärmen könnte. Bereits bis Mitte dieses Jahrhunderts müsste mit mehr heißen Tagen in ganz Deutschland gerechnet werden. Mit fatalen Folgen – auch für MV:

  • Anstieg des Meeresspiegels,
  • Sturmflut,
  • Küstenrückgang,
  • Beeinträchtigung der Wasserqualität aufgrund erhöhter Durchschnittstemperaturen und zeitweise verstärkter Nährstoffeinlagerung,
  • Trinkwasserknappheit,
  • Hitzewellen,
  • Verbreitung von Krankheitserregern sind nur einige erwartete Klimafolgen, die das Bundesumweltamt auf seiner Internetseite auflistet.

„Global betrachtet war es noch nie so warm, wie in den letzten zwölf Monaten“, sagt auch Linda Jäckel, Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst. „Das zeichnet eine eindeutige Tendenz ab. Es wird mehr und heftigere Unwetter geben.“ Der Mai sei in diesem Jahr in Deutschland zu trocken gewesen. Bundesweit wurden bisher nur 50 Prozent des üblichen Niederschlags registriert. Angesichts der bevorstehenden Regenfälle könne sich das aber noch bis zum Ende des Monats ändern. In Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin-Brandenburg soll es laut DWD dabei bislang am trockensten und wärmsten gewesen sein.

 

Klimaphänomene in MV unter Beobachtung

„Das Unwetter in MV unterliegt, wie auch alle anderen Gefahren, einer ständigen Beobachtung und einer Bewertung durch die Gefahrenabwehr“, sagt Karsten Neumeister vom Brand- und Katastrophenschutz in MV. In den letzten zwei Jahren seien zirka 2,5 Millionen Euro in 44 Spezialfahrzeuge für den Katastrophenschutz sowie für die Versorgung von Einsatzkräften und Schutzmaßnahmen geflossen. Besonderer Schwerpunkt sei hierbei die Bekämpfung von Hochwasser gewesen. Die Maßnahmen spiegeln das wider, was in den letzten Jahren passiert ist, so Neumeister. Eine Beobachtung der Situation sei auf jeden Fall notwendig.

Der Klimawandel beschäftigt auch das Technische Hilfswerk (THW). Bisher sei eine Erhöhung der durch Unwetter bedingten Einsätze nicht spürbar. Es gebe deutliche Schwankungen, sagt der Sprecher des THW Landesverbandes, Claus Döpper. Doch die Ausprägung der Wetter-Unglücke sei stärker. „Wir versuchen flexibel darauf zu reagieren“, so Döpper. Vor allem die Pumpkapazität – benötigt bei Fluten und Hochwasser – soll mittel- und langfristig erhöht werden. Doch auch die Kapazitäten an Motorkettensägen müssten verbessert werden, um nach Stürmen umgefallene Bäume schneller beseitigen zu können. Bei einer Umfrage des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe darunter THW, Feuerwehren und Hilfsorganisationen meldete die Hälfte der Einrichtungen einen Mehrbedarf an Katastrophen-Ressourcen an.

Ob die Rettungskräfte des THW und der Feuerwehren auch am Wochenende wieder in den Einsatz müssen, lässt sich noch nicht sagen. Heute soll es vorerst laut DWD noch freundlich bleiben. Das kann sich aber schon morgen ändern, meint Linda Jäckel: „Samstagabend sind erste Gewitter möglich“. Zum Wochenanfang ist dann auch mit Starkregen – mit mindestens 15 Liter Regen pro Quadratmeter in der Stunde, Böen und Hagel zu rechnen. Ortsgenaue Vorhersagen von Gewittern sind nur schwer möglich. Solche Gewitter entstehen oft innerhalb weniger Minuten und auf eng begrenztem Raum, heißt es vom DWD. Gewitter übersteht man am besten in festen Gebäuden. Auch das Auto ist sicher. Wird man jedoch im Freien überrascht, sollte man alleinstehende Bäume, hohe Türme und Masten, Metallzäune und Gewässer meiden und keinesfalls der höchste Punkt in der Umgebung sein.

Übrigens werden deutschlandweit laut DWD jährlich mehr als zwei Millionen Blitze registriert. Örtlich könnte man demnach etwa 20 bis 40 Gewitter pro Jahr erleben.

 

Durch Dürren kann es vermehrt zu Sandstürmen wie 2011 kommen. Foto: Bernd Wüstneck
Durch Dürren kann es vermehrt zu Sandstürmen wie 2011 kommen. Foto: Bernd Wüstneck Foto: Bernd Wüstneck

Verhalten nach dem Unwetter

  • Ist jemand verletzt, leisten Sie Erste Hilfe und rufen Sie gegebenenfalls den Rettungsdienst 112.
  • Vor dem Aufräumen sollten Sie genau kontrollieren und dokumentieren, was z.B. durch Wassereinbruch oder Glasbruch beschädigt oder zerstört worden ist.
  • Wenn durch Überflutung, Heizöl oder andere gefährliche Substanzen freigesetzt worden sind, rufen Sie die Feuerwehr 112 an.
  • Vorsicht beim Betreten überfluteter Keller, es besteht die Gefahr eines Stromschlags, wenn der Hausanschlusskasten im Keller untergebracht ist.
    Nehmen Sie elektrische Geräte nur in Betrieb, wenn sie nicht feucht geworden sind.
  • Wenn das Gebäude stark beschädigt ist, bleiben Sie draußen und betreten Sie es erst wieder, wenn es von Fachleuten freigegeben wurde.

Quelle: www.bkk.bund.de

 

Hochwasser an der Elbe wie 2002, 2011 oder 2013 werden immer stärker. Foto: Jens Büttner
Hochwasser an der Elbe wie 2002, 2011 oder 2013 werden immer stärker. Hochwasser an der Elbe wie 2002, 2011 oder 2013 werden immer stärker. Foto: Jens Büttner Foto: Jens Büttner

DWD-Wetterwarner-App

„WarnWetter“ ist die kostenlose App fürs Handy des Deutschen Wetterdienstes. Sie versorgt die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes sowie die breite Öffentlichkeit mit wichtigen Hinweisen zur aktuellen Warn- und Wettersituation. Die App hat folgende Funktionen:

  • Übersicht über die aktuelle Warnlage für Deutschland
  • detaillierte Informationen zur Warnsituation für gewählte Orte
  • konfigurierbare Alarmierungsfunktion zur Warnlage vor Ort
  • Hitzewarnungen
  • prognostizierte Zugbahnen von Gewitterzellen
  • Niederschlagsradar
  • aktuelle Satellitenbilder
  • Videoinformationen bei besonderen Unwetterlagen

Mehr Informationen: www.dwd.de

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