Schliemann-Museum in Ankershagen : „Ein Trojanisches Pferd gab es nie“

Die Nachbildung eines Trojanischen Pferdes im Dezember 2015 neben der Kirche in Ankershagen
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Die Nachbildung eines Trojanischen Pferdes im Dezember 2015 neben der Kirche in Ankershagen

Schliemann-Museum widmet sich dem „Mythos Trojanisches Pferd“

svz.de von
22. Mai 2017, 12:00 Uhr

Das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) widmet einem Mythos der Antike die Sonderschau „Die unendliche Geschichte vom Trojanischen Pferd“, wie Museumsleiter Reinhard Witte erklärte. Darin geht es um die Herkunft dieses Bauwerks in der Literatur Homers, wie der Mythos darum entstand, seine Rolle in Kunst und Karikatur sowie die weltweite Verbreitung von Trojanischen Pferden. „Auch wenn Gäste oft enttäuscht reagieren: Das Trojanische Pferd hat es nie wirklich gegeben, es ist nur eine Sagengestalt“, sagte der anerkannte Althistoriker und Mykenologe. Trotzdem hat sich der Glaube an die Kriegslist weltweit verbreitet und es gibt mindestens 17 solcher Bauwerke, hat Witte recherchiert. Dazu gehört ein sechs Meter hohes hölzernes Bauwerk in Ankershagen, wo der Trojaentdecker Schliemann (1822-1890) seine Kindheit verlebte, andere in Nordamerika, Taiwan, in Prag, den Niederlanden und der Türkei. Dort hatte der Archäologe als Erster das antike Troja entdeckt. Das mit 15 Metern größte Exemplar steht in Stendal (Sachsen-Anhalt), ist auf den Ausstellungstafeln zu sehen. „Es gibt drei Deutungsversuche, woher dieses Pferd als Bauwerk kommt“, erläuterte Witte. So könnte ein Rammbock damals diese Form gehabt haben oder die Schiffe der Griechen hätten Pferdeform gehabt, so dass daraus bei Homer später dieser Mythos entstand. Der Forscher selbst sieht die dritte Variante als „wahrscheinlichste“ an, bei der ein Erdbeben das antike Troja zerstörte. Dieses Beben könnte mythisch auf den Gott Poseidon zurückgehen, dessen Symbol das Pferd war.

Für den Fachmann Witte ist der weltweite Mythos um das Kriegspferd ein Irrglaube, der sich auch in die moderne Welt übertragen hat. „Es ist völlig falsch, wenn Schadsoftware an Computern heute als „Trojaner“ bezeichnet wird.“ Denn schließlich saßen in dem erdachten Trojanischen Pferden etwa 25 bis 50 Griechen als Krieger. „So gesehen, müsste so ein Computervirus nicht „Trojaner“, sondern “Grieche„ heißen.“ Die Schau läuft bis 17. September.

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