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Müritz-Nationalpar : Ein toter Keiler und mehr Jagdruhe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wo einst die Mächtigen Wild jagten, ist fast Normalität eingekehrt. Mehr Jagdruhe sorgt für mehr Wildbeobachtung im Müritz-Nationalpark.

„57,5 Kilogramm hat der Keiler“, ruft Revierförster Peter Barofke. Der Waidmann steht in Schwarzenhof (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) an der Wildwaage. In den Wäldern rund um das kleine Dorf im Müritz-Nationalpark hat gestern eine der letzten Drückjagden der Saison 2016/17 stattgefunden. Etwa 60 Jäger waren mit Hundeführern auf Pirsch und haben 16 Rehe und Hirschkühe, zwei Stück Rotwild, ein Wildschwein und den Keiler geschossen. „Wir sind damit zufrieden“, sagt Jagddezernent Stefan Escher.

In einem so großen Schutzgebiet wie dem  Müritz-Nationalpark – mit 31 000 Hektar größter Land-Nationalpark in Deutschland – gehe es nicht ganz ohne die Jagd. Es fehlten die Raubtiere, die Rot-, Damwild, Rehe und Wildschweine reduzieren. Außerdem liege der Nationalpark eingebettet in eine Kulturlandschaft und die Landwirte innerhalb des Parks und drumherum wollten auch etwas von ihren Feldern ernten. Doch es wird im Nationalpark weniger gejagt. Ein Ziel sei, dass Besucher mehr Wild sehen, erläutert Schutzgebietssprecherin Nora Künkler. Durch mehr Jagdruhe seien diese Chancen inzwischen viel besser. So wird seit Jahren auf 25 Prozent der Parkfläche, darunter am bekannten Ostufer der Müritz und im Unesco-Weltnaturerbe-Buchenwald bei Serrahn, gar nicht gejagt. „Das Wild weiß das und steht gern lange am Ostufer“, sagt Barofke.

Dazu komme, dass Jagden möglichst nur kurz seien, um für wenig Beunruhigung zu sorgen. Der Nationalpark hat aber ein Interesse daran, Bestände beim Schwarz- und Schalenwild zu begrenzen. An vielen Standorten steht noch immer Kiefernwald, der nach und nach durch Laubwald ersetzt werden soll. Rehe und Hirsche „lieben“ aber Rinde und Blätter frischer Sprösslinge. So müsse der Wald vor Verbiss geschützt werden.

Um Schwarzenhof gab es schon immer viel Wild. Das wurde noch verschärft, als in der NS-Zeit ein Freund von Hermann Göring und danach DDR-Ministerpräsident Willi Stoph hier privilegierte Jagdsitze hatten. Die Wälder waren für Bürger gesperrt – bis 1989.

Sollten vor wenigen Jahren noch bis zu 2000 Tiere im Nationalpark geschossen werden, sind es jetzt maximal 1600.

Winfried Wagner

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