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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 22:30 Uhr

Kokain-Dealer : Ein tollpatschiger Räuber

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zeugenaussagen im Schweriner Drogenprozess gegen vier Angeklagte

Weil der Räuber sich so „tollpatschig“ anstellte, wollte ihn die Mitarbeiterin einer Spielothek in Wismar anfangs gar nicht ernst nehmen. Immer wieder musste die Frau gestern kurz schmunzeln, als sie vor dem Landgericht Schwerin von dem Überfall im Juli 2014 berichtete.

Ob auf der Anklagebank der Täter sitzt, vermochte sie nicht zu sagen. Der Räuber hatte im Sommer vergangenen Jahres das dunkle Visier eines Motorradhelms vor dem Gesicht.

Als wichtigster Zeuge der Staatsanwaltschaft wiede-rum belastete ein ehemaliger Kumpel den mutmaßlichen Räuber schwer. Demnach hat er nicht nur den Raubüberfall auf dem Gewissen, sondern ist zusammen mit drei Freunden auch in Drogengeschäfte verwickelt.

Bei den vier Angeklagten lösten die Anschuldigungen des Mannes immer wieder empörtes Schulterzucken und ungläubiges Grinsen aus. Mehrfach ermahnte der Richter sie, dass es bei dem Prozess keineswegs um Lächerlichkeiten geht.

Den vier Männern im Alter zwischen 28 und 33 Jahren wird vorgeworfen, in ihrer Heimatstadt Wismar Drogen im Wert  von mindestens 130 000 Euro verkauft zu haben. Das Kokain und anderen Stoff besorgten sie bis zu zweimal wöchentlich in Hamburg, so die Anklage. Vor Gericht schweigen sie bislang zu den Vorwürfen.

Dem 28-Jährigen wird außerdem der Raubüberfall zur Last gelegt. „Wie soll man jemanden ernst nehmen, wenn er so unbeholfen herumläuft“, fragte die überfallene Spielotheken-Aufsicht die Richter. Der Räuber sei mit einer Schreckschusspistole in der Hand und dem Helm auf dem Kopf hereingekommen und habe sich offenbar nicht ausgekannt. Allerdings wusste er von einem zweiten Geldbehältnis, das nicht einmal Stammkunden kennen.

Einmal schoss er auf den Boden, bevor er nach wenigen  Minuten  mit     210 Euro in kleinen Scheinen auf einem Motorrad flüchtete. Sie hatte den Eindruck „als ob es seine erste Tat war“, vermutete die Zeugin.

Mehr mitzuteilen hatte ein früherer Freund des mutmaßlichen Räubers. Er hat die vier Angeklagten bei der Polizei verraten. Das Landeskriminalamt stellte ihn unter Zeugenschutz, weil es die Gefahr sieht, dass sich jemand an ihm vergreift. Seit April 2014 teilte der Mann sich eine Werkstatthalle mit dem angeblichen Spielcasino-Räuber. Sie „schraubten“ an Motorrädern und Autos. Nach und nach gewann der Kronzeuge das Vertrauen des anderen und erfuhr von den Fahrten nach Hamburg, auch von den mutmaßlichen Komplizen und möglichen Kokain-Kunden in Wismar. Wenn „150 Leute zum Essen“ beim Kontaktmann in Hamburg telefonisch angemeldet wurden, so der Zeuge, seien  in        Wirklichkeit     150 Gramm Kokain bestellt worden. Weil er grundsätzlich etwas gegen Drogen habe, sei er zur Polizei gegangen, behauptete der Zeuge. Außerdem habe er sich Vorteile in einem anderen Prozess erhofft, in dem er angeklagt ist. Mit der Polizei pflegte er seit langem Kontakt. Allerdings stellte das Landeskriminalamt klar, der Mann sei entgegen seiner Behauptung kein V-Mann der Polizei gewesen. Jedenfalls nicht bei diesen Drogen-Ermittlungen.

Stück für Stück versuchten die Verteidiger, die Aussagen des Mannes auf den nachprüfbaren Kern zu reduzieren und von jenen Dingen zu trennen, die er nur „vom Hörensagen“ wusste. Ob ihnen das gelungen ist, werden die Richter am Ende entscheiden.

Auf jeden Fall führten die Hinweise des Zeugen im Juli 2014 zur Festnahme der vier Angeklagten. Zwei von ihnen waren gerade in Hamburg unterwegs, als die Fahnder sie stoppten. In ihrem Auto wie auch bei den Durchsuchungen der Wohnungen fand sich 162 Gramm Kokain. Laut Anklage hatten sie bis dahin pro Gramm bis zu 85 Euro kassiert.


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