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Dokumentation : Ein Tag in Deutschland mit Rudi

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Sendung „Deutschland. Dein Tag“ zeigt das Leben in der Bundesrepublik - Michael „Rudi“ Jahncke ist alles andere als das Mittelmaß

von
erstellt am 03.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Was ist eigentlich typisch deutsch? Wie lebt es sich in der Bundesrepublik und was macht uns Deutsche aus? Mit diesen Fragen beschäftigt sich am 4. Oktober die Fernsehdokumentation „Deutschland. Dein Tag“ im Ersten. 99 Menschen aus ganz Deutschland stellen in der zwölfstündigen Reportage ihr Leben vor. Einer von ihnen ist Michael „Rudi“ Jahncke vom Fischland. Doch an Jahncke ist auf den ersten Blick so gar nichts durchschnittlich: Sein Vier-Sternehotel an der Ostsee, sein Zigarrenfach im Wohnwagen, sein Bart, sein Goldfieber. Wir haben den Prerower gefragt: Wie sieht ein typischer Tag so aus?

„Einen typischen Tag gibt es für mich eigentlich nicht“, meint Jahncke. Dafür würde viel zu viel Unplanbares passieren. Zum Beispiel beim Aufstehen: Während der Durchschnittsdeutsche jeden Tag im selben Bett aufwacht, hat Jahncke die Wahl: kuscheliges Bett in seiner Wohnung oder „Sitz- und Liege-Komfort“ in seinem Wohnwagen am Strand. Jahncke gehört nämlich zu den wenigen Dauercampern hier oben, die mindestens die Hälfte des Jahres im Wohnmobil leben. Auch winterliche Temperaturen schrecken ihn davon nicht ab. „Das ist für mich Luxus“, meint Jahncke. Direkt vor seinem Tritt liegt die Ostsee, unter seiner Fußmatte der feine Sandstrand. Zirka neun Quadratmeter Raum zum Leben bietet ihm die fahrbare Wohnung. Darin enthalten: Ein extra Fach für Zigarren. Deutsche Haushalte haben im Schnitt zehn Mal so viel Platz, nämlich 92 m².

Egal ob Wohnwagen oder Wohnung, Jahncke steht zirka 6 Uhr auf. Das ist eine halbe Stunde vor den meisten Deutschen. Dann schnappt er sich seinen Hund Mara für einen Spaziergang am Strand. Er gehört zu den 15 Prozent der deutschen Haushalte, die sich einen Hund halten. Europaweit ist das wenig. Nur in Österreich werden noch weniger Hunde gehalten als in Deutschland. Wir sind nämlich auf die Katze gekommen. In 19 Prozent der Haushalte lebt mindestens einer der Stubentiger – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Doch das nur nebenbei.

Wenn Jahncke mit seinem Hund durch die Dünen zieht, hat er seinen Blick immer fest auf den Boden gerichtet – auf der Suche nach dem Gold der Ostsee. „Wenn man erst einmal einen Bernstein findet, ist man wie paralysiert. Man bekommt den Kopf nicht mehr hoch“, erzählt Jahncke. „Ich wollte schon meinen Hund darauf abrichten, aber das hat irgendwie nicht geklappt.“

Nach dem Spaziergang gibts den ersten Kaffee. Auch das ist typisch deutsch. So kommen wir auf 146 Liter des schwarzen Heißgetränks im Jahr. Dann geht es für Jahncke zur Arbeit in sein Hotel. Vom Wohnwagen aus braucht er acht Minuten mit dem Fahrrad, von seiner Wohnung aus 5 Minuten zu Fuß. Damit ist er schneller als die meisten Deutschen. Im Mittel sind wir 30 Minuten unterwegs zum Arbeitsplatz. Außerdem fahren die meisten von uns mit dem Auto.

Jahncke betreibt in Prerow, nur wenige Minuten von der Ostsee entfernt, das idyllische 4-Sterne-Hotel „Waldschlösschen“. Hier gibt es einen Wellnessbereich, ein Probierlokal und einen Weinkeller – auch das ist Luxus. Hier kümmert sich Jahncke zunächst um Büroarbeit. Anschließend gibt es erst einmal ein richtiges Frühstück. Als Hotelbesitzer hat man den Vorteil, frei vom Buffet wählen zu können. Ansonsten würde er wahrscheinlich ein Körnerbrot mit Quark oder Marmelade essen, so wie die meisten Deutschen. Im Übrigen essen wir statistisch gesehen jeden dritten Tag ein Ei. Das macht 121 Eier im Jahr.

Dann geht es für Jahncke in die Küche. Der Prerower ist ein leidenschaftlicher Koch. Jeden Tag aufs Neue, entscheidet er, welches Menü auf der Speisekarte seines Hotels steht und welche Weine dazu gereicht werden. Seine Gäste können insgesamt aus 500 Sorten wählen. Im Jahr trinkt jeder Deutsche im Übrigen durchschnittlich 25 Liter Schaumwein und 99 Liter Bier. Außerdem werden pro Kopf 996 Zigaretten geraucht und 44 Zigarren gepafft – Zumindest ein Paar von ihnen gehen auch auf das Konto von Rudi Jahncke. „Ich bin eben ein Genussmensch“, sagt er.

Bis 22 Uhr und damit wesentlich länger als acht Stunden steht Jahncke am Herd. Doch damit repräsentiert er mal den deutschen Durchschnitt. Die meisten machen hier nämlich täglich Überstunden. Nun könnte man denken, für Jahncke ist der Tag damit gelaufen. Doch während es sich die meisten Deutschen jetzt vor dem Fernseher gemütlich machen, trifft sich Jahncke noch mit Kollegen und Freunden. Wann er ins Bett geht? Das lässt sich schwer sagen. Der Durchschnittsdeutsche fällt 23:04 Uhr ins Bett und kommt damit auf 6 Stunden und 59 Minuten Schlaf. Doch Jahncke ist nicht der Durchschnitt. Und deshalb stellt sich nach dem Treffen wie jeden Tag die Frage: Schlafe ich im Wohnwagen oder in der Wohnung?

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