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Fotografie : Ein Tag im Zauber der Camera obscura

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weltweit greifen Fotografen am heutigen Sonntag auf das so einfache wie faszinierende Prinzip der Lochkamera zurück

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2014 | 09:00 Uhr

Jeden letzten Sonntag im April, am weltweiten Tag der Lochkamera, versammeln sich wieder hunderte Fotografen in Berlin, Paris, Mexico oder New York mit lichtdichten Kisten ohne Linse, Batterien und Speicherkarte, um die schönsten Plätze ihrer Stadt mit der Camera obscura auf ein Stück Film zu belichten. Der weltweite Tag der Lochkamera-Fotografie ruft nun schon zum 14. Mal Fotobegeisterte überall auf der Welt auf, sich an diesem besonderen Tag der Fotografie eine kleine Auszeit von der immer mehr technologisierten Bildaufzeichnung zu nehmen und einfach mal eine Aufnahme mit einer Lochkamera zu machen. Außer einem lichtdichten Behältnis mit einem Loch und einem Film darin ist im Prinzip nichts weiter nötig.

Mit diesem historisch fotografischen Verfahren entstehen Bilder von außergewöhnlicher Schönheit. So stecke auch ich heute wieder meine Zerro-Lochkamera mit einem 9-mal-12-Negativ in die Fototasche und suche in Rostock nach dem, was sicher hunderte Fotografen schon in einer 1/100 Sekunde oder kürzer auf ihrem Sensor gebannt haben. Meine auf das Stativ gesetzte Kiste aus Teakholz braucht nun aber, vorausgesetzt die Sonne strahlt, gut sechs Sekunden, um ein Bild auf meinen Planfilm latent zu fixieren. Sonst muss der Fotograf schon mal einige Minuten warten, um das Loch der Kamera für ein gelungenes Bild wieder zu schließen.

Durch die Sekunden andauernde Belichtungszeit und durch die extreme Schärfentiefe übt die mit einer Lochkamera erstellte Fotografie auf den Betrachter einen besonderen Zauber aus. Laufende Passanten auf der Straße, das fahrende Auto oder die wandernden Wolken am Himmel, alles über Sekunden mit der linsenlosen Kamera fotografiert, zeigen sich nach dem Entwickeln des Films als magische Dinge und unbekannte Formen, zeitlos und still.

Lochkameras haben kein Objektiv. Die Fotos werden einfach nur durch ein nadelspitzengroßes Loch aufgenommen. Das Fotografieren mit einer Lochkamera ist überraschend, lehrreich und kreativ. Sie kann auch selbst gebaut werden. Dafür eignen sich verschiedenste Schachteln – von Tee- oder Getränkedosen über Schuhkartons bis hin zu Holzkisten. Einzige Bedingung ist, dass der Kasten lichtdicht ist.

Das Prinzip der Camera obscura existiert seit der Antike. Fällt Licht nur durch ein kleines Loch in einen ansonsten vollkommen abgedunkelten Raum, werden die von den Objekten außerhalb des Raumes ausgehenden Lichtstrahlen in diesem Loch gebündelt und erzeugen im Inneren der Kammer ein auf dem Kopf stehendes, seitenverkehrtes Bild. So ist beispielsweise eine Konstruktion von Leonardo da Vinci überliefert, lange bevor die erste Fotografie 1826 durch Joseph Nicéphore Nièpce im Heliografie-Verfahren erstellt wurde.

Weltweit ist heute jeder eingeladen, ein Bild mit einer Lochkamera aufzunehmen und im Internet auf www.pinholeday.org hochzuladen. Auch mein „Sonntags-Lochbild“ wird dort zu bestaunen sein.

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