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Warnemünde : Ein Supermarkt für Schiffsbesatzungen

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Der frühere Schiffsoffizier Dario Agustin Viana Subiran hat im historischen Bahnhofsgebäude das Geschäft "Crew Corner" eröffnet. Mit asiatischen Lebensmitteln und kostenlosem Internet wirbt er um Kundschaft.

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erstellt am 15.Apr.2012 | 10:07 Uhr

Rostock | Wenn Crew-Mitglieder von Kreuzfahrtschiffen künftig in Warnemünde von Bord gehen, werden sie ihre eigene "Anlaufstelle" haben - das Geschäft "Crew Corner" im historischen Bahnhofsgebäude nur ein paar Gehminuten vom Passagierkai entfernt. Dort verkauft der ehemalige Schiffsoffizier Dario Agustin Viana Subiran seit gestern auf 110 Quadratmetern all das, was Seeleute an Bord brauchen, wie etwa Waren des täglichen Bedarfs oder Telefonkarten. Zur der Eröffnung ist alles vorbereitet, nur die Toilette werde noch fertig gebaut. "Dann muss ich nur noch putzen", sagt der 37-Jährige lachend.

Kunden finden vor allem auch asiatische Lebensmittel in den Regalen der "Crew Corner". "Die meisten Besatzungsmitglieder auf Kreuzfahrtschiffen sind von den Philippinen", erklärt der in Argentinien geborene Spanier. Nach Wochen auf See vermissten sie besonders Produkte aus ihrer Heimat, denn an Bord könnten sie diese normalerweise nicht bekommen.

Und auch das Telefonieren mit den Freunden und Verwandten in der Heimat sei für die Seefahrer nicht immer leicht. An Bord gebe es zwar auch Internet. Das sei aber in erster Linie für die Gäste gedacht. Die Crew-Mitglieder könnten es für Internettelefone nicht nutzen, da dies zu viel Bandbreite erfordern würde. "Deshalb versuchen sie immer, ein W-Lan zu finden, damit sie mit ihrer Familie sprechen können." Um dem Problem abzuhelfen bietet Viana kostenloses Internet über einen Hotspot an.

Wenn Viana erzählt, was Seeleute an Bord vermissen, dann spricht er aus Erfahrung: Er sei selbst zehn Jahre lang zur See gefahren. "Die letzten acht Jahre auf Kreuzfahrtschiffen", sagt er. Danach habe er auf einer Werft in Niedersachsen gearbeitet. Auf die Idee, sein Geschäft "Crew Corner" aufzumachen, sei er gekommen, als er ähnliche Läden in Italien und den USA gesehen habe. "Da habe ich gesagt: Das muss man auch in anderen Ländern machen", erzählt Viana. Eigentlich habe er den Laden in Argentinien eröffnen wollen. Aber ein Bekannter, der in Rostock wohnte, habe ihn umgestimmt. "Er hat zu mir gesagt: Warum machst du dein Geschäft nicht hier in Warnemünde auf, da kommen ganz viele Kreuzfahrtschiffe an."

Genau 182 Mal in diesem Jahr werden Kreuzliner die Hafeneinfahrt von Rostock ansteuern, so viele wie noch nie zuvor. "Im vergangenen Jahr hatten wir mit 158 Anläufen schon etwa 90 000 Crewmitglieder, das werden in diesem Jahr also noch ein paar mehr", sagt Hafensprecher Christian Hardt. Laut einer Umfrage gehe fast jedes zweite Besatzungsmitglied in Warnemünde für eine Stippvisite von Bord, das Seebad ist ein beliebter Anlaufpunkt, wegen seiner kurzen Wege. "Viele haben hier sogar schon eine Stammkneipe", sagt Hardt.

Und auch beim Geldausgeben sind die Besatzungsmitglieder nicht zurückhaltend. Mit durchschnittlich 58 Euro gäbe ein Crewmitglied auf Landgang noch mehr als ein Passagier aus, sagt Hardt. In erster Linie suchten die Seeleute nach einem guten Angebot täglicher Gebrauchsgegenstände, aber auch Heimelektronik sei als Mitbringsel gefragt. Souvenirs dagegen eher weniger.

Dem kommt Viana im "Crew Corner" entgegen. Bei dem einen Laden soll es aber nicht bleiben: "Wenn ich Umsatz bekomme und das Geschäft richtig läuft hier in Warnemünde, dann habe ich geplant, auch Geschäfte in Hamburg, Bremerhaven oder Kiel zu eröffnen", sagt Viana.

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