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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 08:39 Uhr

Schloss Bothmer : Ein Stück Unsterblichkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit Schloss Bothmer bei Klütz wollte sich der damalige Bauherr ein Denkmal setzen / Pfingstsamstag wird das Ensemble wiedereröffnet

Reichsgraf Hans Caspar von Bothmer hat sein Schloss in Klütz mit großer Wahrscheinlichkeit nie betreten. Er starb im Jahr der Fertigstellung des Hauses im Jahr 1732, wie die Kunsthistorikerin Friederike Drinkuth berichtet. Ob er je die Absicht hatte, in die pompös geplante Anlage auf dem Land zwischen Lübeck und Wismar zu ziehen, ist nicht überliefert.

Als Diplomat und enger Berater des englischen Königs Georg I. lebte er in London in der berühmten Downing Street No. 10, dem damaligen „Bothmar House“. „Er war auf dem Gipfel seiner Macht“, sagt Drinkuth, Referatsleiterin für Schlösser und Gärten und verantwortlich für das Konzept des Schlossmuseums. Und er war märchenhaft reich: Für 250 000 Reichstaler erwarb er 5000 Hektar Land in der Nähe der Ostsee. 80 Millionen Euro müsste er heute dafür zahlen.   Möglicherweise beherzigte von Bothmer seinen Wahlspruch „Respice Finum“ (Bedenke das Ende) und versuchte, sich mit dem Schloss in Norddeutschland ein Stück Unsterblichkeit zu schaffen, vermutet Drinkuth. Das Schloss – eigentlich ein Herrenhaus, weil es keine Residenz war – gilt als größtes barockes Backsteinschloss in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.     Bis 1945 bewohnten es Nachfahren Bothmers, der noch heute über seine Tochter Sophie Charlotte mit jedem amtierenden Königshaus in Europa verwandt ist, mit Ausnahme des englischen. In der DDR und bis in die 1990er Jahre wurde das Schloss in Klütz als Altenheim genutzt. Dann stand es leer, mehrere Privatisierungsversuche scheiterten. 2008 entschloss sich das Land MV, das Schloss Bothmer zu übernehmen. Seitdem wird dort gebaut und saniert. 36,5 Millionen Euro stecke das Land mit Unterstützung der EU bis zum Jahresende in das Ensemble, sagt der Abteilungsleiter für Schlösser und Gärten im Finanzministerium von MV, Stefan Wenzl.

Am 23. Mai wird das Haus feierlich wiedereröffnet, unter anderem mit einem Konzert der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin. Dann werden auch die 20 Museumsräume im Haupthaus zugänglich sein, wo eine moderne Ausstellung über die Geschichte des Schlosses und das abenteuerliche Leben seines Bauherrn unterrichtet.

Im Ostflügel entstanden ein Restaurant und Veranstaltungs- und Tagungsräume, die auch für Familienfeiern gemietet werden können. Im Westflügel sollen bis zum Jahresende weitere Räumlichkeiten etwa für Ausstellungen und Konzerte geschaffen werden. Jährlich lässt sich das Land die Bewirtschaftung des Ensembles laut Finanzministerium 650 000 Euro kosten. Ob weitere Nutzungsmöglichkeiten, etwa Zimmervermietung, hinzukommen, hänge von der Nachfrage ab, sagt Wenzl. Vorläufig ist geplant, das Museum zwischen Oktober und April zu schließen.

Die Sanierung der Gebäude war vor allem wegen des morastigen Baugrundes nicht leicht, wie der Architekt und Projektleiter Steffen Siefert beschreibt. In vielen Räumen, die durch schlichte Holzpaneele und üppige Stuckdecken bestechen, sind die Böden schief. Erkennbar ist: Die früheren Bewohner hielten auf sich und gingen mit der Zeit.

So besaß das Schloss eine Toilettenanlage nach holländischem Vorbild, wo der Unrat mit Wasser fortgespült wurde – eine Neuheit in Norddeutschland. Vermutlich besonderen Besuchern vorbehalten war das Marketerie-Kabinett, ein komplett mit Furnieren gestalteter Raum. Im Gobelin-Zimmer ist eine Wand mit holländischen Fliesen gestaltet. Vor dem Schloss ist eine Feston-Allee aus girlandenartig miteinander verbundenen Linden eine einzigartige Sehenswürdigkeit.

 

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