zur Navigation springen

Tier darf 2014 wieder in Bergholz brüten : Ein Storch terrorisiert Dorfbewohner

vom

Ein wenig zimperlicher Storch hat das Dorf Bergholz in die Schlagzeilen gebracht. Er attackierte nicht nur Autos. Nun hoffen die Bewohner auf den fälligen Vogelzug nach Süden - und für 2014 auf friedliche Störche.

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 06:37 Uhr

Bergholz/Lübtheen | Wer dieser Tage durch das kleine Dorf Bergholz in Mecklenburg-Vorpommern fährt, dem fällt Ungewöhnliches auf: Viele Autos sind mit Zäunen abgesperrt, einige Türen verhängt. "Das liegt am Storch", sagt Kerstin Werth vom Bergholzer Heimatmuseum. Seit gut einem Monat hat der rabiate Großvogel Autos, Türen und Scheiben im Dorf attackiert - und Bergholz damit sogar bundesweit große mediale Aufmerksamkeit beschert. Nun sind die Reporter wieder weg. Die drei Jungen der Storchenfamilie sind schon recht groß und die Bewohner hoffen nun sehnsüchtig wie sonst nie auf den Vogelzug nach Süden. Zwischen dem 15. und 21. August soll es losgehen, schätzen Werth und Ulrich Kersten, der Bürgermeister des Dorfes.

Bergholz ist kein Einzelfall. Aufgeregte Weißstörche gibt es immer wieder in Deutschland. Allein drei Fälle wurden der Arbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz Mecklenburg-Vorpommern schon in diesem Sommer bekannt. Dazu gehören die Gemeinde Dreilützow in Westmecklenburg und auch Wilkenstorf im Amt Neuhaus, das zu Niedersachsen gehört. "Wir sind sehr unglücklich darüber", sagt der AG-Vorsitzende Helmut Eggers in Lübtheen. Der Fall Bergholz sei allerdings besonders auffällig. Bürgermeister Kersten stellt trotzdem klar: "Bei uns bleibt der Storch im Dorf."

Die Bergholzer haben es mit einem außerordentlich hartnäckigem Exemplar zu tun. "Der Storch hat, anders als andere seiner Artgenossen, nicht einmal seine Jungen versorgt", sagt die Museumschefin. Diese Aufgabe habe das andere Alttier übernommen. Einmal habe er sogar eine Familie auf raffinierte Weise ausgetrickst. "Als die Leute ihren Einkauf reinbrachten, ist der Storch in die offene Garage und hat das Auto zerkratzt."

Als Ursache für diese aggressiven Attacken gilt neben dem natürlichen Trieb des Tieres auch der technische Fortschritt. "Autolacke und Scheiben spiegeln immer mehr, so dass Störche glauben, sie stehen Rivalen in ihrem Revier gegenüber", erläutert Eggers. Das Hauptproblem ist, dass niemand für die Schäden aufkommt. "Je nach Autotyp wird der Schaden auf 300 bis 1000 Euro geschätzt", sagt Kersten. Weder eine Versicherung der Gemeinde noch irgendeine Autoversicherung habe sich bereiterklärt, die Kosten für die entstandenen Schäden zu übernehmen. "Nur wer eine Vollkasko abgeschlossen hat, könnte das in Anspruch nehmen, aber wegen der Selbstbeteiligung machen das nur wenige."

Inzwischen schauen drei sehr wohlgenährte Jungvögel aus dem Nest, welches seit Jahren weit oben auf einem Gittermast bei der Kirche thront. In der Region Vorpommern gab es 2013 sonst sehr wenige Jungvögel, in Westmecklenburg dagegen viel Nachwuchs. Landesweit werden beide Regionen beim Storchennachwuchs "wohl eher unter dem Durchschnitt liegen", meint Eggers.

Woher "Kommissar Storch" überhaupt kommt, konnten die Dorfbewohner bis jetzt noch nicht herausfinden. "Er trägt keinen Ring", bedauert Kerstin Werth. Ein Storchenbetreuer habe den Bergholzern geraten, den Vogel zu fangen, damit er beringt werden könne. Aber das habe sich niemand getraut.

Sicher ist, dass im nächsten Jahr ein neues Storchennest in Bergholz angebracht wird. Das alte, fast eineinhalb Meter hohe Nest sei schon sehr wacklig und soll dann gegen ein stabileres getauscht werden. Der Standort soll sich allerdings nicht verändern. "Mal sehen, wie unser Storch aus Afrika wiederkommt."

Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gibt es bundesweit rund 5000 Weißstorch-Brutpaare. Davon haben sich etwa 2000 in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern niedergelassen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen