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Aus dem Gerichtssaal : Ein Schuss in folgenschwerer Nacht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Falsche Freunde überfallen jungen Mann und verletzen ihn schwer

Vor zwei Jahren stand Nico P. (Name geändert) kurz vor der Gesellenprüfung. Jetzt ist der 21-Jährige arbeitslos und schwerbehindert. „Es war kein Schicksalsschlag“, resümierte seine Anwältin Katharina Bernhard gestern vor dem Landgericht Schwerin. „Es war die Folge der puren Lust am Demütigen und an der Gewalt“, fügte sie mit Blick auf die drei Angeklagten hinzu.

Die 24 bis 26 Jahre alten Männer hatten Nico P. im Juni 2014 in dessen Wohnwagen etwas abseits von Klütz einen folgenschweren nächtlichen Besuch abgestattet. Erst setzte es Schläge. Am Ende schoss der 26-Jährige mit einem Luftgewehr Nico P. ins Auge. Die Ärzte konnten es nicht mehr retten.

Die Staatsanwaltschaft forderte gestern sechs Jahre und sechs Monate Haft für den Haupttäter. Die anderen würde sie für fünf Jahre beziehungsweise zweieinhalb Jahre ins Gefängnis schicken. Sie wirft den Angeklagten räuberischen Menschenraub, Erpressung und schwere Körperverletzung vor.

Das Urteil soll am Donnerstag gefällt werden. Der Fall wird zum zweiten Mal vor dem Landgericht aufgerollt. Ende 2014 hatte eine andere Kammer des Gerichts die Angeklagten zu Haftstrafen zwischen viereinhalb und zweieinhalb Jahren verurteilt. Weil die schriftliche Begründung lückenhaft war, hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und ordnete den neuen Prozess an.

„Eigentlich waren sie doch Freunde“, hatte eine Zeugin zum Verhältnis zwischen dem Opfer und zweien der Angeklagten gesagt. Anwältin Bernhard zeichnete ein anderes Bild. Darin erscheinen zwei der Angeklagten eher als Machtzentrum eines jugendlichen Umfelds, mit dem Schwächere sich lieber als deren „Freunde“ ausgaben, um nicht als „Feinde“ behandelt zu werden. Man traf sich, trank, nahm Drogen. Echte Freundschaften seien das nicht gewesen, so die Anwältin. Weil einer von ihnen mit Nico P. „eine Rechung offen“ hatte, verschufen sich die drei Angeklagten in jener Tatnacht lautstark Zutritt zu dessen Wohnwagen. Laut Anklage wurde Nico P. von dem einen Täter geschlagen. Ein anderer fand Nicos Luftgewehr und verlangte – während er ihm mit einem Messer drohte – die Munition dazu. Dann schoss er im Wohnwagen umher. Als die Täter erfolglos von Nico die Autoschlüssel verlangten, kam es zum verhängnisvollen Schuss in sein Auge.

Die Verteidiger stellten das Geschehen etwas weniger dramatsich dar. Der eine Angeklagte soll dank Alkohol und Drogen fast die ganze Zeit geschlafen haben. Der andere sei zwischendurch immer wieder draußen gewesen und sei deshalb nicht für alles zur Verantwortung zu ziehen. Vor allem aber bezweifelten sie, was Nico P. bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft und vor Gericht ausgesagt hat. Viele Details widersprächen einander. Der eine Verteidiger forderte Freispruch, der andere eine Bewährungsstrafe.

Der Verteidiger des Schützen konnte die schwere Körperverletzung nicht wegdiskutieren und forderte das Gericht auf, nicht über das Urteil von 2014 hinauszugehen.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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