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MV gehört zur Metropolregion : Ein Ritterschlag für die gesamte Region

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Die Metropolregion Hamburg reicht fortan bis nach MV. Vom 1. Mai gehören der Altkreis Ludwigslust und Nordwestmecklenburg einschließlich Wismars dazu. Vier Länderchefs besiegelten gestern eine stärkere Zusammenarbeit.

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erstellt am 20.Apr.2012 | 07:34 Uhr

Hamburg | Das war schon ganz schweres protokollarisches Geschütz, was da gestern Vormittag im prächtigen Festsaal des Hamburger Rathauses aufgefahren wurde. Vier Ministerpräsidenten, eine ganze Armada von Landräten und Bürgermeistern, dazu viele Amtsträger aus den Regionen, eine Zusammenkunft dieser Art hat es wohl noch nie gegeben. Unter den gut 300 Gästen waren auch etliche aus dem Landkreis Ludwigslust. Direkt vertreten waren z. B. Zarrentin, Wittenburg, natürlich Hagenow, aber auch Lübtheen oder Grabow. Der Anlass rechtfertigte den Aufwand. Gehört doch der alte Landkreis damit ganz offiziell zu einer der wichtigsten Regionen in ganz Europa mit immerhin 5 Millionen Einwohnern.

Die Hamburger Metropolregion hat mit der seit vielen Jahren vorbereiteten Aufnahme neuer Kreise und Städte ihren Horizont, aber auch zugleich ihre wirtschaftliche Bedeutung erweitert. Mit dabei: Der Landkreis Ludwigslust-Parchim oder noch genauer der alte Kreis Ludwigslust. Gemeinsam mit Nordwestmecklenburg, Lübeck, Ostholstein sowie Neumünster trat der alte Kreis Ludwigslust bei und feierte damit auch formal eine Rückkehr zu Gewohntem. Denn die Ausrichtung, die Orientierung nach Hamburg ist keine Erfindung der Nachwendezeit, sondern seit Jahrhunderten gewachsen. Ministerpräsident Erwin Sellering beschwor die norddeutsche Identität der Mecklenburger, die zugleich ihre enge Verbindung zu Ostdeutschland behalten werden. Die Mecklenburger hätten sehr viel einzubringen in die Metropolregion, nicht nur die wunderschöne Landschaft, die kilometerlangen Küsten und die Flexibilität einer Bevölkerung, die einen gewaltigen Strukturwandel hinter sich hat. Auch Landrat Rolf Christian sen, der Mecklenburg gestern in einer Podiumsdiskussion vertrat, war die Freude über den auch von ihm persönlich vorangetriebenen Beitritt anzumerken.

Es soll keine Einbahnstraße werden, man will nicht nur auf Fördermittel und die großen Programme warten, auch wenn das natürlich ein wichtiger Aspekt bleibt. Der Landkreis habe eine Menge einzubringen, die deutsche Teilung müsse endlich endgültig Geschichte werden.

Das sehen die Hamburger im übrigen genauso, wie der Erste Bürgermeister der Hansestadt Olaf Scholz bemerkte. Jetzt werde doch nur das vollzogen, was in der Realität längst passiere. Dass man in den Mauern einer Stadt denke, gehöre ins Mittelalter. "Das Herz schlägt für den gesamten Organismus, aber umgekehrt braucht das Herz auch den ganzen Organismus", bemühte Scholz ein Bild aus der Medizin. Landrat Christiansen lobte die Hansestadt, die sich in den vergangenen Jahren sehr dem ländlichem Raum geöffnet habe. Kleines Beispiel: Die Steganlage am Badesee in Probst Jesar entstand mit finanzieller Unterstützung der Hamburger.

Verglichen mit dem, was kommen könnte, wäre das sehr bescheiden. Ein Thema, das immer wieder angesprochen wird, ist die Anbindung der Mecklenburger an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Konkret könnte es im ersten Schritt um Boizenburg gehen, gedacht und gewünscht ist z. B. die dauerhafte Anbindung bis Hagenow. Sollte das gelingen, gäbe es andere Perspektiven. Westmecklenburg könnte sich als Bereich präsentieren, in dem sich relativ preiswert wohnen lässt und der zugleich auch schnelle und zuverlässige Verbindungen in das Herz der Metropolregion anbietet.

Doch soweit ist es noch nicht, insofern war der gestrige Tag zwar ein überaus festlicher, aber auch ein Tag der Träume und Ankündigungen. Nicht umsonst gab es etliche Mahner unter den Rednern, die konkrete Projekte im Sinne der Bürger einforderten und davor warnten, um diese Metropolregion ein kompliziertes Gefüge an Bürokratie zu bauen.

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