Prozess Neubrandenburg : Ein Mord nach der Aufstiegsfeier

48-Jähriger bekommt für gewaltsamen Tod einer 29 Jahre alten Frau „lebenslänglich“

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28. November 2017, 21:00 Uhr

Das Landgericht Neubrandenburg hat den gewaltsamen Tod einer 29-jährigen Frau aus Siedenbollentin mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe geahndet. Die Schwurgerichtskammer sprach einen 48-jährigen Mann gestern der sexuellen Nötigung und des Mordes schuldig. „Das Opfer hat ihr junges Leben ohne Not verloren“, sagte Richter Jochen Unterlöhner. Der angetrunkene Verurteilte hatte die Frau zufällig am 6. Mai nach einer Feier auf dem Sportfest im Dorf getroffen und mit ihr in ihrer Wohnung einen Kaffee trinken wollen. Die 29-Jährige war erst ein gutes Jahr zuvor aus Berlin in das Dorf gezogen.

Der örtliche Fußballverein hatte an dem Sonnabend gerade den Aufstieg in die nächsthöhere Liga geschafft und das ausgiebig gefeiert. „Mehrere Zeugen haben geschildert, dass Sie an dem Abend einem sexuellen Abenteuer nicht abgeneigt waren“, sagte Richter Unterlöhner. Mehrere junge Frauen aus dem Dorf hatten von Annäherungsversuchen des Mannes berichtet, der als Unternehmer auch einen Volleyballverein finanzierte. In der Wohnung habe der Mann dann sexuelle Anspielungen gemacht, auf die die schmächtige Frau nicht eingegangen sei.

Trotzdem habe der Täter der 29-Jährigen plötzlich vorn in die Hose gefasst. „Das wird seit den Ereignissen auf der Kölner Domplatte schärfer geahndet“, sagte Unterlöhner mit Blick auf die Silvesterereignisse in Köln 2015. Als die Frau dann schrie, habe der 48-Jährige sie erwürgt, damit die Nötigung nicht bekannt wird. Eine Gutachterin hatte von „massiven, langandauernden Halskompressionen, die etwa vier Minuten dauerten“, gesprochen. Der Ex-Unternehmer hatte die Tötung vor Gericht auch gestanden, ein sexuelles Motiv aber bestritten. Bei der Polizei hatte er aber von allein von dem Griff in die Hose des Opfers berichtet. Der Verurteilte hatte die Leiche danach mit einem Fahrrad durch das Dorf transportiert, wobei er gesehen worden war. Schließlich legte er die Tote an seinem Haus auf seinen Geländewagen, was wiederum seine Ehefrau beobachtete. Während er die Leiche an einem Moorstück entkleidete und ablud, alarmierte seine Frau die Polizei.

Die Bamten konnten den 48-Jährigen noch in der Nacht nach kurzer Verfolgungsjagd an seinem Auto stellen.

Mit dem Urteil folgte die Schwurgerichtskammer genau den Anträgen von Staatsanwaltschaft und den Anwälten der Nebenklage. Sein Verteidiger sah in dem Fall keinen Mord und hatte eine geringere Strafe wegen Totschlags verlangt.

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