Erinnerungskultur : Ein Mauerfall-Museum für MV?

Montagsdemonstration 1989 vor dem Schweriner Marstall
Montagsdemonstration 1989 vor dem Schweriner Marstall

Gedächtnisorte für friedliche Revolution: Ein knappes Jahr nach dem Landtagsbeschluss zeichnet sich die Richtung ab

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01. Februar 2018, 05:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern läuft alles auf die Einrichtung gleich mehrerer Gedächtnisorte für die friedliche Revolution in der DDR im Herbst 1989 hinaus. „Es gab viele Informationen und wichtige Impulse, wie wir das Erinnern in die Fläche tragen können“, sagte der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, am Dienstag zum Abschluss eines Fachkolloquiums in Schwerin. Historiker, Soziologen, ehemalige Bürgerrechtler und Politiker hatten dabei über die bisherige Erinnerungskultur debattiert und Möglichkeiten für Gedächtnisorte im Land erörtert.

Nach Angaben von Schmidt soll möglichst bis Ende März ein erstes Konzept dafür vorliegen, das dann Basis für Entscheidungen von Regierung und Parlament sein könne. Der Landtag hatte sich im Mai 2017 einstimmig dafür ausgesprochen, dass bis zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im Herbst 2019 ein Denkmal für die friedliche Revolution errichtet oder ein Museum gestaltet werden soll. Vorgaben für Ort und Art der Erinnerungsstätte hatten die Abgeordneten nicht gemacht.

Schmidt hält ein Museum als Ort der Wissensvermittlung und ergänzend dazu eine Vielzahl von Erinnerungsorten im Land für denkbar. Der frühere Bürgerrechtler und DDR-Außenminister Markus Meckel mahnte, die spezifische Situation in Mecklenburg-Vorpommern zu beachten. Zwar habe es auch hier 1989 in Rostock und Schwerin die großen Kundgebungen gegeben. „Doch das Besondere waren die großen Räume mit vielen einzelnen Aktivitäten, die aber untereinander vernetzt waren“, sagte Meckel. Dies solle sich bei der Gestaltung der Gedächtnisorte widerspiegeln. Auch der Rostocker Geschichtsprofessor Oliver Plessow führte Argumente für die dezentrale Variante an. Zudem sollten die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden.

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Meckel war von 1982 bis 1988 Pastor in Vipperow (Mecklenburgische Seenplatte) und schon in dieser Zeit aktiv in der von der Kirche getragenen Opposition. „Die Kirche in Mecklenburg war offen und hat die Menschen ermutigt, für Veränderungen einzutreten“, sagte Meckel.

Der Staat habe oft mit Repressionen reagiert. „Doch sollten Erinnerungsstätten für die friedlich erreichten Veränderungen nicht an Einrichtungen des Repressionsapparates andocken, sondern an Schauplätze des Widerstandes und des Aufbruchs“, sagte Meckel.

Nach seinem Eindruck wurde die deutsche Einheit zu runden Jahrestagen oft als Leistung mächtiger Politiker dargestellt und weniger als Ergebnis eines kollektiven Aufbegehrens gegen die Diktatur. „Dabei haben doch erst die Freiheitsbestrebungen der Menschen das Tor zur Einheit geöffnet“, betonte er und rief die Ostdeutschen zu einem selbstbewussten Umgang mit ihrer Geschichte auf.

Nach Angaben der Berliner Historikerin Anna von Arnim-Rosenthal gibt es bislang etwa 50 Denkmäler in Deutschland, die an die friedliche Revolution erinnern, dreimal mehr aber zur deutschen Teilung. Zuletzt war auch wieder Bewegung in die Debatte über das Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin gekommen. Um den Bau der sogenannten „Einheitswippe“ wird seit fast zwei Jahrzehnten gerungen. Im vergangenen Jahr hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags den Bau überraschend im Alleingang gestoppt, weil die Kosten von zehn auf fünfzehn Millionen Euro gestiegen waren.

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