Helfer aus Serrahn : Ein Mann immer in Aktion

Der Hilfstransport aus Serrahn in die Ukraine hatte ca. 1500 Kartons geladen. Heinz Nitzsche half beim Packen.
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Der Hilfstransport aus Serrahn in die Ukraine hatte ca. 1500 Kartons geladen. Heinz Nitzsche half beim Packen.

Heinz Nitzsche engagiert sich für Menschen in Mariupol / 30 Kinder holte er zur Erholung nach Serrahn

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26. November 2014, 12:00 Uhr

Heinz Nitzsche ist weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hin bekannt. Wenngleich er hier in Serrahn, nahe Güstrow, ein Werk für Suchtkranke aufgebaut hat, findet er doch in ganz Deutschland, besonders aber in Sachsen zahlreiche Unterstützer.

Begonnen hat sein Engagement in Serrahn 1971. „Damals wurde jemand für die Arbeit mit alkoholkranken Menschen innerhalb der Kirche gesucht“, erzählt Heinz Nitzsche. Im alten Pfarrhaus fing er an, sich um Menschen zu kümmern, die dem Alkohol verfallen waren und versuchte ihnen mit Arbeit in der Landwirtschaft, mit Schweine- und Schafzucht, sowie einem geregelten Tagesablauf wieder einen Halt im Leben zu geben. Nicht zu vergessen, gehörten auch tägliche Andachten dazu. „Die Menschen brauchen Nestwärme und müssen merken, dass sie geliebt sind“, weiß der aktive Mann.

Immer hat Heinz Nitzsche mehr gegeben, immer viel Zeit daran gehängt, um Menschen zu einem sinnerfüllten Leben und einem freien Leben ohne Alkohol zu verhelfen. Sicher gab es Rückschläge, doch diese hielten ihn nicht davon ab, weiter zu machen. Die noch immer jährlichen Treffen zeigen an „Ehemaligen“, dass eine enge Beziehung nach Serrahn und damit auch zu Heinz Nitzsche besteht. Gemeinsam mit seiner Frau Martina hat er sich über Jahrzehnte in Serrahn engagiert. Dann ereilte seine Familie ein Schicksalsschlag. Ihr jüngster Sohn starb bei einem Autounfall. „Das war für uns das Zeichen, dass wir für eine neue Aufgabe frei waren, um Gott in der Ukraine zu dienen“, sagt Heinz Nitzsche.

Schon Jahre zuvor ging humanitäre Hilfe von Serrahn aus nach Mariupol. Auch dort erlebte Heinz Nitzsche die Not, die durch zu hohen Alkoholkonsum entstand. Seit er vor Ort ist, wurde die Armut der Menschen offensichtlich. Alte Menschen würden oftmals allein gelassen, darum richteten sie ein kleines Heim für Pflegebedürftige und Sterbende ein. Insgesamt kümmern sie sich inzwischen in einem von ihnen errichteten Haus um 120 Kinder. „Sie erhalten hier eine warme Mahlzeit, können Hausaufgaben erledigen und spielen“, erzählt Heinz Nitzsche. Aber sie helfen ebenso Aidskranken und Sintis und Romas.

Mit dem Krieg genau in diesem Gebiet der Ukraine wurde die Arbeit von den ukrainischen Mitarbeitern weitergeführt. Die drei älteren Menschen, für die sie sorgen, wurden in Tscherkassy (600 Kilometer entfernt in Richtung Kiew) untergebracht. „Wir wünschen uns nur, dass die Kämpfe aufhören“, sagt Heinz Nitzsche. Doch tun möchte er etwas, diesmal für Kinder. Sie sollen sich bis zum 15. Dezember erholen und alles einmal vergessen, was sie derzeit bedrückt. „Es ist wichtig, dass die Kinder einmal aus dem Kriegsgebiet herauskommen“, ist er überzeugt. Papiere und Visa sind besorgt und am Sonntag fliegen Martina und Heinz Nitzsche nach Kiew, um die Kinder im Bus zu begleiten. Untergebracht sind sie im Freizeitheim des Diakonischen Zentrums in Serrahn. Die Unterbringung und Verpflegung kosten etwa 20 000 Euro. „Doch wir sind voller Zuversicht, dass wir das Geld zusammenbekommen“, betont der Initiator dieser Aktion. Lieber hätte er die Kinder in einem Landesteil der Ukraine untergebracht, doch das war nicht möglich. Ausländerbehörde und Botschaft kamen ihm schon entgegen. So brauchte Heinz Nitzsche dafür nichts zu zahlen. Dennoch ist der Posten groß. Und jede Spende dafür wäre willkommen.



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