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Die Theater-Debatte in MV : Ein Leuchtturm für Vorpommern

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Was macht die Kunst im Land? Wie geht es weiter mit den Theatern und Orchestern? Ein neuer Vorschlag kommt aus Anklam: Die Gründung eines Landestheaters Vorpommern-Strelitz.

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erstellt am 22.Okt.2012 | 07:15 Uhr

Schwerin | Spektakulärer hätte die Theaterdebatte in unserer Zeitung nicht starten können: Nach den provozierenden Thesen des Linkspolitikers Torsten Koplin stellten gestern Schauspieler und Mitarbeiter der Vorpommerschen Landesbühne Anklam einen vier Meter hohen Leuchtturm vor ihr Haus. "Jedes Theater muss für sich ein Leuchtturm sein", sagte uns Theaterintendant Wolfgang Bordel nach der Aktion in Anspielung auf die neun Modelle aus dem Kultusministerium, die die Münchner Unternehmensberatung Metrum im Auftrag von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) erstellte. Um diese Modelle, die unter anderem auch Varianten von sogenannten Leuchtturmtheatern in Vorpommern und in Mecklenburg vorsehen, soll es nach Brodkorbs Vorstellungen in den nächsten Wochen gehen.

Bordel macht jetzt Vorschlag Nr. 10: Die Vorpommersche Landesbühne Anklam will mit der Schauspielsparte der Theater und Orchester GmbH in Neubrandenburg/Neustrelitz fusionieren. Bordel angriffslustig: "Wir finden es sehr gut, dass es die Neun-Modelle-Debatte gibt, bringt sie doch alle in Bewegung. Und ich bin überzeugt, dass sich mein Freund Joachim Kümmritz (Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin - die Red.) auch einen Leuchtturm vor sein Haus stellen wird. Und dann sind die Leuchttürme im Land klar." Die Landesbühne versteht sich als kultureller Leuchtturm im Ostteil von MV.

Ziel des Vorschlages aus Vorpommern ist es, die beiden Schauspielensemble in Anklam und Neustrelitz in einem zu gründenden Landestheater Vorpommern-Strelitz zusammen zu führen. Gesellschafter wären die Vorpommersche Kulturfabrik e.V. und die Theater und Orchester GmbH. Diese Zusammenführung könne den Einsparbedarf in Neustrelitz und Neubrandenburg reduzieren und den Zuschauern dennoch ein breiteres Spektrum an Inszenierungen in allen Spielorten - Neustrelitz, Neubrandenburg, Anklam Zinnowitz, Barth - bieten, argumentiert Bordel. An allen Spielorten werden nach wie vor Stücke produziert. Letztlich könne man durch mehr Abwechslung auch mehr Zuschauer gewinnen. "Wir rechnen mit mindestens 125 000 Zuschauern pro Spielzeit", was der Größe des Volkstheaters in Rostock entspräche.

Das Einspartentheater in Anklam beschäftigt neun Schauspieler, ebenso viele wie die Schauspielsparte in Neustrelitz. Hinzu kommen zehn Studenten der Theaterakademie Zinnowitz. Die bestehende Zusammenarbeit mit dem Theater Vorpommern in Greifswald und Stralsund will die Vorpommersche Landesbühne Anklam fortsetzen. Die Gemeinsamkeiten mit Neubrandenburg/Neustrelitz seien jedoch größer, sagte Bordel, der bereits als Schauspieldirektor in Neustrelitz arbeitet. Zur derzeitigen Diskussion sagt er: "Da sich alles nur um die großen Häuser und die Klangkörper dreht, haben wir die Sorge, dass die Belange der Einspartentheater unbeleuchtet bleiben." Die Vorpommersche Landesbühne habe - nach der Metrum-Studie - die höchste Einspielquote und den geringsten Einsparbedarf, ist in der struktur-schwächsten Region des Landes beheimatet und hat damit eine Leitfunktion für die kulturelle Bildung, argumentieren die Verfechter des Modells.

In unserem ersten Diskussions-Beitrag am gestrigen Montag plädierte der Linkspolitiker Torsten Koplin für den weitgehenden Erhalt der Theaterlandschaft, ein Staatstheatermodell und eine Finanzierung über eine Stiftung.

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