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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 13:24 Uhr

Volkstheater Rostock : Ein letztes Ultimatum?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Volkstheater-Aufsichtsrat malt aktuelle Lage in düsteren Farben – Latchinian wurden nun Termine gesetzt

Die Krise um das Rostocker Volkstheater spitzt sich zu. Der Aufsichtsrat des Theaters hat Ende vergangener Woche einen Brief an Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) als Gesellschaftervertreter geschrieben, in dem die aktuelle Lage des Hauses in düsteren Farben beschrieben wird. In der ersten Hälfte der Spielzeit 2016/17 seien keine großen Schauspielpremieren geplant. Zu den bislang vorgesehenen Stücken fehlten die Aufführungsrechte. Der künftige Stellenplan sei ungeklärt. Die Buchung notwendiger Regieteams sowie von Solisten wird als extrem schwierig, teilweise als unmöglich eingeschätzt. Der Aufsichtsrat sieht wirtschaftliche Risiken. Das sei ein Versäumnis des umstrittenen Intendanten Sewan Latchinian, der nach rund vier Wochen Krankschreibung noch bis einschließlich heute fehlen wird. Latchinian war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ihm stellte der Aufsichtsrat zwei Ultimaten. In Briefen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, wird Latchinian aufgefordert, bis Montag eine Antwort zur Umsetzung des Gesellschafterbeschlusses von Ende Januar vorzulegen. Dieser Beschluss besagt im Wesentlichen, dass das Vier-Sparten-Haus auf zwei Sparten reduziert werden soll. Und Latchinian soll bis zum 2. Mai eine „detaillierte wirtschaftliche Untersetzung der Planung 2016/17“ vorlegen und bis 15. April informieren, wie es um die Rechte an den Stücken der kommenden Spielzeit bestellt ist.

Das Volkstheater kämpft seit Jahren mit Problemen – etwa mit Personalturbulenzen, Finanzierungsproblemen, dem Dauerstreit mit dem Kultusministerium und einer geringen Besucherresonanz. Nach unglücklichen Äußerungen in der Öffentlichkeit war Latchinian zwischenzeitlich sogar entlassen worden. Verschärft wurde die Dauerkrise durch die mehrwöchigen Krankheiten von Latchinian und des kaufmännischen Geschäftsführers Stefan Rosinski. Rosinski ist seit Montag wieder im Dienst, er verlässt jedoch im Sommer das Theater.

Verschärft werde die Lage dadurch, dass das Land bis zum 5. September einen Bericht zur Umsetzung des Strukturumbaus erwarte. Liege dieser nicht vor, drohe die Kürzung der Landesmittel um eine Million Euro. Die Konsequenzen davon seien nicht absehbar.

Der Interimsgeschäftsführer und Rostocker Finanzsenator Chris Müller hatte noch Ende vergangener Woche gesagt, für eine gewisse Ruhe und den Fortgang der Dinge gesorgt zu haben. Er sagte gestern, dass er die interne Setzung von Terminen für völlig normal halte. „Gleichwohl hätte diese Diskussion vermieden werden können, wenn sich eine Mehrheit im Aufsichtsrat mit diesen Fragen schon vor Monaten beschäftigt hätte.“ Das wies die Aufsichtsratsvorsitzende Eva-Maria Kröger zurück. Das Gremium sei seinen Pflichten stets nachgekommen und habe Latchinian mehrmals nach der Planung befragt. Dieser habe etwa geantwortet, dass der Spielplan zu 80 Prozent fertig sei – auch vor versammelter Belegschaft. „Es gab keinen Anlass, das nicht zu glauben.“ „Ich bin ob dieses Chaos sprachlos, das lässt einen kopfschüttelnd zurück“, sagte der Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Jörg Löwer. Es gehe nicht mehr um das Theater und die Kultur, sondern nur noch um machtpolitische Ränkespiele. Er kritisierte erneut die Theaterpolitik der Landesregierung, die nicht nur in Rostock, sondern auch bei den anderen Theatern des Landes für erhebliche Probleme sorge. Das Volkstheater werde in der bundesweiten Theaterlandschaft als der größte Chaosherd angesehen. Es gehe der Politik nicht mehr um Kunst, Theater oder die Stadtgesellschaft. Es geht nur noch ums Sparen. „Was am Ende hinten rauskommt und was der Stadt für ein Nutzen entstehen könnte – das ist völlig egal“, kritisierte Löwer. 

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