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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 03:32 Uhr

neues Buch : Ein Leibwächter packt aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Knapp 20 Jahre nach dem Tod von Erich Honecker gibt es ein neues Buch über den obersten DDR-Funktionär

Erich Honecker irrte über Stunden allein im Wald umher. Zuvor hatte der DDR-Staats- und SED-Parteichef seinen Geländewagen im abgesperrten Jagdrevier gegen einen Baum gesetzt. „Der Alte“ habe weder Führerschein noch technisches Gespür gehabt, erinnert sich Ex-Leibwächter Bernd Brückner in seinem Buch „An Honeckers Seite“, das jetzt erscheint. Ein anderes Mal habe sich „EH“ – mit diesem Kürzel zeichnete Honecker interne Dokumente – eine Pistole bei ihm geborgt und sie verloren. Die Waffe sei nie gefunden worden, notierte der Ex-Major der DDR-Staatssicherheit. Probleme seien aufgetaucht, wenn Honecker auf Alleingängen beharrte.

13 Jahre, bis zum Sturz Honeckers im Oktober 1989, war der heute 65-Jährige für die Sicherheit des ersten Mannes im Arbeiter- und Bauernstaat zuständig, begleitete ihn bei Besuchen in 40 Staaten und auch zur Jagd in der Schorfheide. 28 Personenschützer gehörten zum Sicherungskommando Honecker, sagte Brückner. „Wir waren zu Gehorsam verpflichtet“ – dafür gab es monatlich 2300 DDR-Mark netto.

Erst 2012 hatte ein Honecker-Butler mit einem Buch Einblicke in das abgeschottete Leben der obersten DDR-Politriege gegeben. Lothar Herzog beschrieb sich als „sozialistisches Mainzelmännchen“. Nun liegen Erinnerungen vor, die fast nebenbei erschreckend deutlich machen, wie verfeindet und verlogen die DDR-Spitze agierte. Auch wenig Bekanntes – so über verhinderte Anschläge – ist zu erfahren.

Brückner, heute Leiter einer Ausbildungsfirma zur Altenpflege, zollt Honecker „Respekt und Achtung“. Es sei eher das Umfeld des ersten Mannes gewesen, das ihn von Informationen abschnitt, ihm schmeichelte und ihn dann politisch meuchelte, heißt es im Buch. Brückner ist überzeugt: „Erich Honecker war so wenig Despot wie sagen wir mal, Angela Merkel.“ Gezeichnet wird das Bild eines kargen Funktionärs, der seinen Ärger hinunterschluckte, nuschelte, ungern flog, nicht exzessiv Alkohol trank wie andere, getrennt von seiner Frau Margot, der Ministerin für Volksbildung, schlief und am liebsten dreimal in der Woche in der Schorfheide jagen ging. Honecker habe seine Enkelkinder abgöttisch geliebt und sich vor dem Zahnarzt gefürchtet, weiß Brückner. Doch zur politischen Verantwortung Honeckers findet sich in seinem Buch wenig. Neben Rechtfertigungen und streckenweise einseitiger Sicht gibt es aber auch Kritisches. Stasi-Minister Erich Mielke, genannt der „kleine Erich“, habe mit seiner Phobie, dass der Klassenfeind hinter jedem Baum lauert, die Bevölkerung schikaniert. Das habe das Leben manchem unerträglich gemacht, so Brückner. Der Stasi-Chef sei wie ein preußischer Feldwebel dahergekommen – servil nach oben, anmaßend nach unten. Bei einem DDR-Besuch von Kanzler Helmut Kohl (CDU) 1988 habe Mielke Familien von MfS-Leuten touristisches Publikum spielen lassen.

Honecker starb am 29. Mai 1994 im Alter von 81 Jahren im Exil in Santiago de Chile. Der krebskranke Politrentner hatte wenige Monate zuvor Deutschland verlassen, nachdem der Prozess wegen der Toten an der Mauer gegen ihn eingestellt worden war.

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