zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 23:27 Uhr

Ein Leben voller Widersprüche

vom

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2012 | 09:34 Uhr

Berlin | Die Historikerin Annette Leo hat im Strittmatter-Archiv erstmals Einblick in bisher unbekannte Dokumente erhalten. Die Ergebnisse will sie im Sommer in ihrem Buch "Erwin Strittmatter. Die Biographie" veröffentlichen. Mit Annette Leo sprach dapd-Korrespondent Beowulf Kayser.

Was unterscheidet Ihr voraussichtlich im Juni erscheinendes Buch von anderen bisherigen Biografien?

Leo: Eine neue Biografie war notwendig geworden, weil spätestens nach dem Auftauchen von Einzelheiten über Strittmatters Mitgliedschaft in einer Polizeiformation während des Zweiten Weltkrieges die bisher publizierten Biographien von Günther Drommer und Henning Gloege so nicht stehen gelassen werden konnten. Die neue Biographie bezieht alle neuen Erkenntnisse - auch die IM-Tätigkeit von Strittmatter - ein und wird ein widersprüchliches Bild seines Lebens zeichnen.

Welche Neuigkeiten haben Sie aus dem Einblick in bisher unbekannte Dokumente aus dem Schulzenhofer Strittmatter-Archiv gewinnen können?

Die Dokumente aus dem persönlichen Nachlass von Strittmatter gestatten einen Einblick in sehr viele Details seines Lebens, die bisher so noch nicht bekannt waren. Das betrifft sowohl seine Kindheit und Jugend als auch die Kriegszeit, seine vielen vergeblichen Versuche, seine Texte zu publizieren, schließlich die Nachkriegszeit und seine Jahre als erfolgreicher Schriftsteller der DDR.

Gibt es aus Dokumenten Beweise für eine Zugehörigkeit zur SS oder eine direkte Beteiligung Strittmatters an Kriegsverbrechen seiner Diensteinheiten?

Strittmatter war nie Mitglied der SS. Diese falsche Information geistert immer wieder durch viele Zeitungsartikel. Seine Einheit, das Polizeibataillon 325 und später Polizeigebirgsjäger-Regiment Nr. 18 bekam zwar 1943, quasi als "Ehrenname" das SS-Kürzel vorangestellt, blieb aber weiterhin der Polizei unterstellt und seine Mitglieder behielten ihre Polizei-Dienstränge. Es ist unstrittig, dass dieses Regiment sowohl in Jugoslawien als auch in Griechenland Kriegsverbrechen beging.

Eine persönliche Beteiligung von Erwin Strittmatter lässt sich jedoch aus den überlieferten Briefen und Tagebuchaufzeichnungen nicht beweisen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen