Rostock : Ein Leben im Zeichen von Hilfe

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Dr. Bassam Saka hat nicht viel Zeit. An manchen Tagen steht er buchstäblich von morgens bis abends im Operationssaal der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichts-Chirurgie (MKG) an der Universitätsmedizin Rostock.

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03. März 2015, 11:50 Uhr

Dr. Bassam Saka hat nicht viel Zeit. Der Mann mit dem markanten, sympathischen Gesicht verbringt den größten Teil seines Lebens im weißen Kittel. An manchen Tagen steht er buchstäblich von morgens bis abends im Operationssaal der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichts-Chirurgie (MKG) an der Universitätsmedizin Rostock. Er bildet auch junge Ärzte aus, kümmert sich um Patienten in der Ambulanz und organisiert quasi nebenbei die Abläufe des Fachbereichs, dessen stellvertretender Direktor er ist. Und wenn er mal Urlaub hat, verbringt er einen Teil davon in Ländern wie Bolivien, Indien oder Kamerun, um dort unentgeltlich Menschen zu operieren.

Freizeit? „Ja, am Wochenende, falls ich frei habe“, sagt Dr. Saka und lächelt. „Da freue ich mich auf meine Familie.“

Man hört ihm noch ein wenig an, dass er nicht in Deutschland geboren ist – Saka kam vor 59 Jahren im syrischen Damaskus zur Welt. Doch nach dem Abi-tur verließ er seine Heimat. „Dort waren die Verhältnisse schon damals schwierig“, sagt er heute.

In Deutschland musste der junge Mann zunächst die neue Sprache lernen, dann innerhalb eines Jahres auch noch das deutsche Abitur ablegen. Erst dann begann er, in Kiel zu studieren – „in Syrien wäre das unmöglich gewesen, weil ich aus einer einfachen Familie stamme“. Erstes Fach Medizin, inklusive Doktorarbeit. Danach Zahnmedizin, wieder einschließlich Dissertation.

„1993 bekam ich den Rat, mich in Rostock zu bewerben, weil es wenige gibt, die diese beiden Fächer abgeschlossen haben“, erinnert sich der Leitende Oberarzt. „Dies ist aber die Voraussetzung, um Chi-rurg für MKG zu sein.“ Den beiden Studiengängen folgten weitere sieben Jahre Lernen: die Facharztausbildung und die Spezialisierung für Plastische Chirurgie. In dieser Zeit arbeitete Saka bereits in Rostock. Heute behandelt er hauptsächlich Patienten mit Fehlbildungen durch Tumore oder Fehlbildungen am Kopf.

Seit etwa 15 Jahren ist Saka in Deutschland eingebürgert. „Damals ging das nur, wenn man lange hier gelebt hatte, sich nichts zuschulden kommen ließ und eine feste Arbeit nachweisen konnte. Und auch, wenn diese Arbeit gebraucht wurde, so wie bei mir.“ In den ersten zehn Jahren pendelte der Arzt nach Kiel – zu unsicher erschienen ihm die Rostocker Verhältnisse so unmittelbar nach den ausländerfeindlichen Ereignissen von Lichtenhagen. Nun wohnt Saka jedoch schon viele Jahre in der Hansestadt. „Die Toleranz ist viel größer geworden“, empfindet er. Der Gedanke, dauerhaft nach Syrien zurückzukehren, spielt für ihn keine Rolle. „Zum einen, weil die Lage dort immer noch schwierig ist. Zum anderen aber auch, weil ich ja mehr Zeit meines Lebens hier verbracht habe als in Syrien. So ist Deutschland viel mehr meine Heimat geworden.“ Sein Alltag wird vom Deutschen geprägt. In Deutschland fühlt er sich vollständig eingegliedert und meint: „Integration ist, wenn man in dem Land, wo man lebt, gleichberechtigt behandelt wird, und gleichzeitig die Aufgaben, die die Einheimischen haben, mitträgt. Außerdem ist beiderseitige Toleranz nötig statt den anderen sein eigenes Verständnis vom Leben aufzuzwingen.“

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