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Serie: Jung in MV : Ein Leben für den Urlaub

vom
Aus der Onlineredaktion

Christoph Hendreich führt eine Pension an der Ostsee. 26-Jähriger setzt auf gute Arbeitsbedingungen

Aus dem Fenster sieht man das Meer. Oder den Leuchtturm von Bastorf. Oder den Hühnerhof der Nachbarin – zur großen Freude der Stadtkinder, die hierher kommen. Für die Gäste der „Pension Riedensee“ in Kägsdorf bei Kühlungsborn sieht es rundherum gut aus. Und auch beim Blick nach innen, in die Zimmer und Ferienwohnungen, können sie sich wohlfühlen. Denn Gastgeber Christoph Hendreich achtet auf Kleinigkeiten: „Ich möchte mich von der Konkurrenz abheben, zum Beispiel gute Betten anbieten.“

Der Chef ist 26 Jahre jung und übernimmt die Pension von seinem Vater. Noch steht der Senior im Hintergrund, geht aber ab Juni in Rente. Für den Sohn war immer klar, dass er die Pension übernehmen würde. Er hatte direkt nach dem Abitur ein Jurastudium begonnen, es aber nach einem Jahr abgebrochen, erzählt Hendreich.

„Meine Mutter starb, und ich habe meinen Vater hier unterstützt. In der Zeit habe ich echten Gefallen an dem Beruf gefunden. Aber mein Vater wollte unbedingt einen Abschluss von mir sehen, bevor er mir die Pension übergibt.“ So ging Christoph für dreieinhalb Jahre nach Schwerin und studierte Hotel- und Tourismusmanagement am Baltic College. Seit Mai 2016 ist er wieder in Kägsdorf. „Mein Vater hat in der Zwischenzeit nicht so viel erneuert. Er wollte, dass ich meine eigenen Ideen verwirklichen kann, wenn ich zurück bin.“

Und das geschieht jetzt. Seit Oktober ist die Pension in einer Umbaupause, ab März werden wieder die ersten Gäste erwartet.

Vor knapp zehn Jahren war die Familie aus Kühlungsborn hierher gekommen und hatte das Haus übernommen. Zu DDR-Zeiten war das Gebäude ein Ferienheim des VEB Chemieanlagenbau Böhlen, wurde danach zur Pension. Drei Mitarbeiter beschäftigt Hendreich derzeit – „manch einer von ihnen ist schon länger hier als wir. Besonders die Stammgäste mögen die bekannten Gesichter.“

Der junge Chef hat viel zu tun: Vormittags reisen Gäste ab, danach stehen Abrechnungen, Bestellungen oder Marketing auf dem Plan, bevor ab 14 Uhr die neuen Gäste kommen. Dazwischen ist Zeit für ein gemeinsames Frühstück mit den Kollegen. Im Sommer laden Hendreich und sein Vater ein Mal wöchentlich zum Grillabend ein, sitzen mit den Gästen am Lagerfeuer, schwatzen und schauen auf die Ostsee. „Da lernt man die Leute ganz anders kennen, das ist sehr angenehm.“

In der Pension gibt es Doppelzimmer und Ferienwohnungen, das Badehaus bietet ein Schwimmbad und eine Sauna. Viele Gäste kommen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, am Wochenende sind oft auch Berliner und Hamburger dabei. „Manche kommen aber auch aus dem Ruhrgebiet, der Schweiz oder Österreich. Die bleiben länger, sonst lohnt sich ja die lange Anreise nicht.“

Der junge Hotelier kann gut umgehen mit viel Verantwortung und wenig Freizeit. „Aber ich habe nicht nur ein Hobby zum Beruf gemacht, sondern es ist natürlich auch ein Geschäft. Ich möchte mich selbst ernähren, später meine Familie, aber auch meine Mitarbeiter. Diese Ernsthaftigkeit darf man nicht vergessen. Wenn das Geld nicht stimmen würde, wäre auch der Spaß an der Arbeit bald verschwunden.“

Deshalb möchte Hendreich faire Löhne zahlen, trotz Saisonbetrieb gute Arbeitsbedingungen und regelmäßige freie Tage bieten. „Ich kann nicht unsere ganze Branche ändern, aber vielleicht als gutes Beispiel im Kleinen vorangehen. Ich glaube, wenn man das nicht macht, wird sich die Fachkräfte-Situation weiter verschärfen. Da muss es einen Wandel geben. Und ich glaube auch, dass die Gäste es wertschätzen, wenn sie merken, dass Mitarbeiter gut behandelt werden.“

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