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Piraten-Open-Air in Grevesmühlen : Ein Leben für das Piratenspiel

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Wenn Peter Venzmer aus einem der Fenster in seinem Büro schaut, dann legt er schon Mal die Stirn in Falten. Schauerliches Wetter, das ist Gift für die Piraten, die im Freilufttheater um die Gunst des Publikums kämpfen.

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erstellt am 09.Aug.2012 | 12:06 Uhr

Grevesmühlen | Wenn Peter Venzmer aus einem der Fenster in seinem geräumigen Büro schaut, dann legt er schon Mal die Stirn in Falten. Da sind sie wieder, diese großen grauen Wolkenberge, die sich einmal mehr in diesem Sommer am Himmel über Grevesmühlen auftürmen und einen Platzregen androhen. Schauerliches Wetter, das ist Gift für die Piraten, die im Freilufttheater um fette Beute und die Gunst des Publikums kämpfen. "Wir sind, wie viele andere im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern auch, von der Witterung abhängig", sagt Peter Venzmer. Trotz eines verregneten Julis ist der Intendant und Projektleiter des Piraten-Open-Air-Theaters in Grevesmühlen nicht unzufrieden mit dem Verlauf der aktuellen Spielzeit. Nach 34 von insgesamt 69 Vorstellungen haben sich knapp 26 000 Besucher das neueste Abenteuer von Capt’n Flint angesehen. "Jetzt hoffen wir auf gutes Wetter im August", sagt Venzmer, der nach Ende der 8. Episode gerne die 50 000-Zuschauer-Marke geknackt haben möchte.

Noch gut vier Stunden, dann geht auf der 9000 Quadratmeter großen Bühne wieder das Spektakel los. Die Schauspieler und viele der Service-Mitarbeiter sind noch nicht da, aber Peter Venzmer hält die Stellung. Gerade hat er den Telefonhörer zur Seite gelegt und ein paar Papiere sortiert. "Derzeit arbeiten wir auch an einem neuntägigen Projekt in den Hamburger Messehallen", sagt Venzmer. Mit "wir" meint er die adventure production Grevesmühlen GmbH, die als Ganzjahresbetrieb auch Sonderschauen oder Kulissen für Film- und TV-Produktionen organisiert. Nur vom Piratenspektakel alleine, davon könne, so Venzmer, das Unternehmen nicht leben. Ein Unternehmen, in dem das Herzblut des 56-Jährigen steckt.

Von schwerer See ins ruhigere Fahrwasser

Noch vor einigen Monaten stand das ganze Piratenprojekt auf des Messers Schneide. Das Aus drohte, die damalige Betreibergesellschaft musste Insolvenz anmelden und ein Lärmstreit mit den Anwohnern hatte sich zugespitzt. "Schwere See" - mit diesen beiden Worten umschreibt der Mann mit dem grauen Bart und dem Lockenkopf die Ereignisse in den Existenz bedrohenden Monaten. Der Spielbetrieb mit 85-köpfiger Besatzung konnte nach dem Neustart weiterlaufen, Beschwerden der Anwohner habe es, so Venzmer, bislang nicht mehr gegeben.

Während lange vor dem Einlass eine fünfköpfige Familie an der Kasse Karten für die Abendvorstellung kauft, dreht der Intendant eine kleine Runde übers Gelände. Pfützen, die der letzte Platzregen hinterlassen hat, gibt es nur hinter den Kulissen. Dort, wo später Martin Semmelrogge und Co. die Gäste unterhalten werden, steht kein Wasser. "Wir haben 2007 beim Bau der Bühne auch ein Entwässerungssystem eingebaut", sagt Venzmer. Ein Extra-Pumpensystem gibt es zudem, um damit die rund 70 000 Liter Wasser in den künstlichen See zu drücken, wenn das Stück einen See braucht. Die aktuelle Episode "Ein Leben für die See" braucht solch einen.

Das Stück hat Regisseur Venzmer geschrieben, wie alle anderen sieben Episoden zuvor auch. Und die Konzepte für die beiden Episoden 2013 und 2014 liegen auch schon in der Schublade, denn der rote Faden zieht sich durch insgesamt zehn Spielzeiten. "Ich brauche rund vier Wochen, um eine Episode zu schreiben", sagt der gebürtige Rügener. Und er braucht dafür die passende Umgebung. Ob Bahamas oder Virgin Islands - alle Inseln, die in seinen Stücken eine Rolle spielen, hat er auch bereist. Und auf einer dieser Inseln verbringt der Erfinder des Piraten-Open-Air-Theaters seinen Urlaub, um Capt’n Flint in neue Abenteuer segeln zu lassen.

Lange bevor Peter Venzmer Elektroingenieur wurde, hatte er sich schon mit der Seefahrt beschäftigt. "Als Junge habe ich viel über Schifffahrt und Piraten gelesen", erklärt Venzmer sein Faible für eine Materie, die seit vielen Jahren auch sein Berufsleben bestimmt. Anfangs fuhr er noch durch Deutschland, Frankreich oder Schweden, hatte in vielen Lkw all das Equipment dabei, um mobil Theater zu spielen. Dann kam die Idee, an einem festen Standort das Action-Theater aufzubauen. Die Wahl fiel schließlich auf Grevesmühlen.

Irgendwann hat Peter Venzmer mal mit einem Spielzeughersteller gesprochen und sich sagen lassen, dass es einige zeitlose Spielsachen gibt. Dazu gehören Cowboys und Indianer, Ritter - und auch Piraten. Peter Venzmer hofft, dass der Nachwuchs noch lange Piraten mag und mit den Eltern die Vorstellungen besucht, denn Ideen für einen anschließenden Fünf-Jahres-Zyklus hat Peter Venzmer schon im Hinterkopf.

Vorstellungen gibt es bis zum 8. September Di. bis Sa. um 19.30 Uhr und So. um 16 Uhr. Weitere Infos unter www.piratenopenair.de.


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