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Sammlung im Wert eines Einfamilienhauses : Ein Leben für 1489 Hansa-Trikots

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Deutschlandweit einzigartig ist, was sich in den Schränken von Ronny Kinzel stapelt. Fein säuberlich hängen sie nebeneinander. Jedes auf einem eigenen Bügel, die Meisten in blau und weiß. Ronny Kinzel ist Trikotsammler.

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erstellt am 19.Mär.2012 | 07:49 Uhr

Rostock/Oranienburg | Deutschlandweit einzigartig ist, was sich in den Schränken von Ronny Kinzel stapelt. Fein säuberlich hängen sie nebeneinander. Jedes auf einem eigenen Bügel, die Meisten in blau und weiß. Ronny Kinzel ist Trikotsammler und der FC Hansa Rostock der Verein seines Herzens. Insgesamt sind es mittlerweile 1 489 Stück. In Worten: Eintausendvierhundertneunundachtzig.

Wie sehr das Herz des 33-Jährigen am Verein hängt, erzählt er selbst: "Eigentlich hatte ich aufgehört zu rauchen, aber seitdem es nicht so für den Verein läuft, habe ich wieder angefangen." Nur diese grenzenlose Leidenschaft kann erklären, wie es zu so einer ausufernden Sammlung überhaupt kommen konnte.

Begonnen hat alles am 17. Februar 1990. Der FC Hansa spielte gegen Werder Bremen und der 11-jährige Ronny wurde von seinem Vater mit ins Ostseestadion genommen. "Danach hatte mich das Fieber gepackt", so Kinzel. Mittlerweile sind alle Trikots seit den Anfängen 1955, als der Verein noch unter dem Namen SC Empor Rostock antrat, in der Sammlung des Bautischlers zu finden. Dazu zählen neben den Heim- und Auswärtstrikots auch alle Ausweichhemden. Angefangen mit zwei Trikots pro Spielzeit, soll es jetzt schon "jede Rückennummer pro Saison sein", so der Vater zweier Kinder. Die meisten Exemplare sind allerdings keine herkömmlichen Hemden, die man im Fanshop erwirbt, sondern getragene Spielertrikots, in Sammlerkreisen "matchworn" genannt. Diese machen die Sammlung des Oranienburgers so einzigartig und gleichzeitig so wertvoll. Doch Kinzel sammelt nicht nur aus reiner Sammelwut. "Vor allem will ich präsent sein für Hansa Rostock und aufzeigen, wie sich die Trikots entwickelt haben." Egal ob Baumwolle oder Meistershirts, alles ist zu finden und wird für die Nachwelt aufgehoben.

Doch wie kommt man an die begehrten Spielertrikots? Wichtig sind dabei die Kontakte, verrät der Sammler. "Nach dem Spiel brüllen Tausende, da hat man wenig Chancen." Besser sei es bei Testspielen Kontakte aufzubauen und dort die Fußballer anzusprechen. "Die Spieler erkennen dann ehrliches Interesse und geben gerne", so Kinzel. Diese Vorgehensweise hat der Freizeithandballer heute nur noch selten nötig. Seit Ende der 90er ist die Sammelleidenschaft des Oranienburgers auch in Mannschaftskreisen bekannt. "Den neuen Spielern wird schon gesagt, da ist jemand, der sammelt," erklärt Kinzel. Jedoch ist diese Vorgehensweise für ihn nicht selbstverständlich. "Bei Spielern wie Igor Pamic oder Sergej Barbarez war diese Geste schon eine große Ehre", so der Sammler, der noch mit einstigen Akteuren wie Ronald Maul, Christian Rahn oder Frank Pagelsdorf in Kontakt steht.

Besonders selten und damit wertvoll sind die Exemplare aus DDR-Zeiten. "Damals war es nicht üblich Trikots in die Fans zu werfen. Es gab meist pro Saison nur drei bis vier Trikotsätze, die die Spieler manchmal sogar wieder abgeben mussten", so Kinzel. Hinzu kommen die Trikots aus den frühen 90ern, die bei Sammlern beliebt und dementsprechend kostbar sind. Besonders hier sind Fälschungen nicht selten. Auch für diese Zwecke hat Kinzel seine Homepage eingerichtet. Auf hansa-history.de.tl findet sich eine große Auswahl seiner Sammlung. Und auch die Spieler selbst besuchen seine Seite mittlerweile regelmäßig. "Besonders für die Jungen von ihnen ist es etwas Besonderes. Die sind teilweise sehr beeindruckt", so Kinzel.

Das wertvollste in seinem Besitz ist, nach eigenen Angaben, das Trikot mit dem Sponsor Milka, das ihm Hilmar Weilandt persönlich übergeben hat. "Allein dafür würde ich einen Preis von 1000 bis 2500 Euro festlegen", so Kinzel. "Je nachdem wie viel es einem Sammler wert ist." Denn Milka war nie offizieller Sponsor beim FC Hansa Rostock. Lediglich beim Freundschaftsspiel gegen Werder Bremen 1990 prangerte der lila Schriftzug auf der Brust der Kicker.

Verkaufen würde er seine Schätze allerdings nie, auch wenn die komplette Sammlung nach eigenen Angaben einen Wert von 186 000 Euro hat. "Das bringt einem Sammler ja nichts. Lieber würde ich gleichwertig tauschen." Gelegentlich muss aber auch Kinzel ein Trikot kaufen. "Alle ein bis zwei Monate gibt es ein neues Sammelobjekt für 400 bis 500 Euro." Das solch eine Leidenschaft nicht ganz einfach ist, bestätigt auch Lebensgefährtin Andrea: "Manchmal muss ich meckern, wenn im Schrank kein Platz mehr für Kleidung ist, aber er kennt den Rahmen." Das sieht auch der Sammler selbst so: "Das Wichtigste ist, dass Essen auf dem Tisch steht, danach kommen erst die Trikots." Natürlich verbindet Kinzel mit den einzelnen Hemden Erinnerungen. "Die Trikots stehen für meine Lieblingsspiele und für die schönsten Zeiten meines Lebens." Selbst trägt er im Übrigen keines seiner Trikots, weder zu Heimspielen noch zu anderen Anlässen. "Bis 2001 hatte ich eines von Stefan Beinlich an. Dafür bin ich aber zu alt."

Selbst ehemalige Spieler haben ihm schon Unsummen für besonders alte Trikots geboten. Aber jedes Mal hat er abgelehnt. Wenn der Verein auf ihn zukommen würde, um ein Museum einzurichten, würde er aber über eine Leihgabe nachdenken. "Ein eigenes Museum wäre natürlich auch ein Traum." Allerdings ist Kinzel erst einmal wichtiger, dass der Verein seines Herzens die Liga hält und endlich wieder Ruhe einkehrt.

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