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Projekt „Tapfere Knirpse“ : Ein Lächeln kann die Welt verzaubern

vom
Aus der Onlineredaktion

Deutschlandweit vernetzen sich Fotografen für das Projekt „Tapfere Knirpse“ und schenken Familien mit schwer erkrankten Kindern Bilder voller Zuversicht.

von
erstellt am 07.Feb.2017 | 11:45 Uhr

Jordan kichert. Er spürt den Schnee auf der Haut, die Kälte, wie sie in seine kleinen Finger kriecht. Sein Gesicht verzieht sich, er fängt an zu weinen. Krokodilstränen kullern über seine rosarot gefärbten Bäckchen. Der Ruf nach seiner Mama hallt durch den Park. Janet Kopplin nimmt ihren kleinen Sohn in den Arm. „Pscht!“ Sie versucht ihn zu trösten, gibt ihm einen Kuss auf die Stirn. Die letzten zwei Stunden waren anstrengend und schön zugleich. „Jordan wird langsam müde.“

Der Zweijährige ist ein besonderes Kind. Während ihrer Schwangerschaft war Janet Kopplin die Treppe hinuntergestützt – weil sie ihrer Tochter beim Toben ausweichen wollte. Zwei Tage später wurde Jordan per Kaiserschnitt geholt. „Er war blau angelaufen, musste beatmet werden“, erinnert sich die 30-Jährige. „Bei einem Kopf-CT wurden Hirnblutungen festgestellt. Diese hatten schon im Mutterleib einen Schlaganfall verursacht. Doch darauf kamen die Ärzte erst später.“

<p>Nach zwei Stunden vor der Kamera, wird Jordan langsam müde. Das Spiel mit der Kamera beherrscht er wie ein Profi.</p>

Nach zwei Stunden vor der Kamera, wird Jordan langsam müde. Das Spiel mit der Kamera beherrscht er wie ein Profi.

Foto: Franziska Henkel
 

Nach fünf Tagen wurden Mutter und Kind aus der Klinik entlassen. „Nach etwa einem Monat fiel auf, dass Jordan mich nicht fixiert. Ich dachte er sei blind.“ Der Augenarzt gab Entwarnung. Doch Jordan fing an zu schielen. „Als er ein halbes Jahr alt war, sah ich, dass er seinen linken Arm nicht richtig bewegen kann. Er war nicht in der Lage, sich gerade zu halten. Seine Kopfform deformierte sich langsam.“ Hinzu kamen epileptische Anfälle. Janet Kopplin fühlte sich hilflos. Sie kontaktierte ihre Hebamme, die sie wiederum an die Frühförderung des Deutschen Roten Kreuzes verwies. „Jordan wurde das erste Mal richtig durchgecheckt“ – und die Linkslähmung und die Krampfbereitschaft bestätigt. Es folgten Arzttermine – drei- bis viermal pro Woche: Ergo- und Physiotherapie, Orthopädie, Heilpädagogik, Logopädie. „Durch die Lähmung kann Jordan nicht richtig sprechen. Außerdem zieht er das Bein nach, weshalb er perspektivisch Probleme mit seinen Knien bekommen wird“, so seine Mutter.

Janet Kopplin ist alleinerziehend mit drei Kindern. „Hätte ich meine Mama nicht, wäre ich aufgeschmissen“, sagt sie. Diese arbeite als Tagesmutti und könne Jordan und dessen kleinen Bruder Jason optimal betreuen. „Ich muss eingestehen, dass ich zu den Helikopter-Eltern zähle. Bei ihr kann ich mir sicher sein, dass meinen Babys nichts passiert.“ Das Leben gestalte sich schwierig genug. „Mir graut es schon davor, wenn Jordan zur Schule geht. Kinder können so gemein sein.“

Janet Kopplin hatte es nicht immer einfach im Leben. Ihr leiblicher Vater sei Alkoholiker gewesen, ihre Schwester im Alter von elf Jahren am Guillain-Barré Syndrom erkrankt. Die Nervenerkrankung geht mit starken Lähmungserscheinungen einher. „Nicole verbrachte zwei Jahre im Krankenhaus und anschließend bei der Reha. Das war eine harte Zeit.“ Doch der Zusammenhalt in der Familie sei durch die Geschehnisse stärker geworden. Jordans Behinderung sei eine neue Herausforderung. „Ich habe mir lange Zeit Vorwürfe gemacht, irgendwann aber begriffen, dass es wichtiger ist, ihn zu unterstützen statt traurig zu sein. Er lernt damit umzugehen. Am schlimmsten sind die epileptischen Anfälle.“ Treten sie auf, könne Janet Kopplin nichts tun, als warten, ihren kleinen Mann trösten, ihm Nähe schenken.

„Die Familie hat viel durch gemacht“, bedauert Franziska Henkel. Seitdem die Leipzigerin in Rostock wohnt, engagiert sie sich als Fotografin für das deutschlandweite Projekt „Tapfere Knirpse“. Sie möchte Familien neuen Mut schenken, in dem sie harmonische Momente voller Liebe und Zusammensein, voller Tapferkeit, Hoffnung und Kraft in ihren Bildern einfängt. „Es sind und bleiben immer noch Kinder. Sie wollen toben, sind lebendig. Das soll man auf den Aufnahmen sehen.“ Bevor Franziska Henkel ihre Kamera rausholt, versucht sie sich mit ihren Models anzufreunden, das Vertrauen zu gewinnen, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. „Jedes Kind hat seinen eigenen Kopf, seine eigenen Macken. Ich versuche darauf einzugehen. Ich wurde auch schon mal von einem Baby zwei Stunden angeschrien.“

Die Krankheit soll auf den Bildern nicht im Vordergrund stehen. Jordan lächelt, tollt, kuschelt mit seinen Geschwistern. Die Kamera nimmt er kaum wahr, nur wenn sich Brüderchen Jason für das Ameisenkino interessiert, wirft er auch einen Blick auf das Display. „Kinder entwickeln sich furchtbar schnell. Eigentlich müsste man jeden Tag Fotos machen.“ Franziska Henkel spricht aus Erfahrung, ihr eigener Knirps ist vor eineinhalb Jahren zur Welt gekommen. „Während der Elternzeit habe ich einmal im Monat ein kleines Shooting gemacht.“ Sie weiß, dass es sich viele Familien nicht leisten können zu einem professionellen Fotografen zu gehen. Die Möglichkeit, auch diesen Familien mittels Bildern eine Freude zu schenken, mache die Mutter glücklich. Jede Familie erhält vom Fotografen eine CD mit zirka 15 Fotodateien zur privaten Nutzung.

Janet Kopplin ist auf den Verein Tapfere Knirpse im Internet aufmerksam geworden. Eine Mutter informierte in einer Betroffenen-Gruppe auf Facebook über dessen Arbeit. Zwei Stunden werden an diesem Vormittag Bilder gemacht – Zuhause auf dem Sofa und draußen auf dem Spielplatz. Wann Schluss ist, bestimmt Jordan.

Fotograf werden: Jetzt bewerben
Bewerbungen sind  über das  Kontaktformular auf www.tapfere-knirpse.de/kontakt-fur-fotografen/ möglich. Dort sind auch die Kriterien aufgeführt, die erfüllt werden müssen. Ein Aufnahme-Team, bestehend aus Profis,  begutachtet die Homepage des Bewerbers. Familien können sich ebenfalls über die Website des Vereins melden.
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