Serie Spitzenforschung : Ein Kästchen für alle Fälle

Jan Krog (l.) und Elmar Zeeb bringen die Pipesbox auf den Markt.
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Jan Krog (l.) und Elmar Zeeb bringen die Pipesbox auf den Markt.

Rostocker Erfinder machen Steuerung heimischer Technik aus einer Hand möglich – Investoren für weitere Entwicklungen gesucht

Kein Haushalt ohne Technik – überall arbeiten Kühlschränke, Fernseher, Computer oder Alarmanlagen. Jalousien reagieren ebenso auf Fernbedienungen wie DVD-Player oder Anrufbeantworter. Irgendwann wird es unübersichtlich. Die Lösung heißt SmartHome und meint die Verknüpfung der verschiedenen Funktionen in einer Art Fernsteuerung.

„Man nähert sich der Tür, die sich automatisch öffnet, das Licht geht an oder die Jalousien auf – je nachdem, wie es programmiert ist“, erklärt Jan Krog. „Aber wirklich smart ist es ja nur, wenn man sich nicht groß darum kümmern muss. Bisherige Lösungen sind aber oft sehr aufwendig. Und teuer.“ Denn dafür müsse ein Spezialist kommen, Kabel verlegen, die Anlagen programmieren. Das soll sich ändern, fanden der 31-jährige Wirtschaftsingenieur und sein Geschäftspartner Elmar Zeeb, der in Rostock Elektrotechnik und Informatik studiert hat. Gemeinsam bringen sie gerade die Pipesbox auf den Markt. „In diesem Kästchen kombinieren wir die Steuerung verschiedenster Geräte unterschiedlicher Hersteller“, so Krog.

Geschäftspartner Zeeb hatte die Idee aus einem Projekt mitgebracht und die Software weiterentwickelt. Die Firmenidee gewann 2009 den Venture Cup der Uni Rostock – einen Preis, mit dem die Ausgründung in Angriff genommen werden konnte. 2012 bekamen die beiden noch ein Existenzgründungs-Stipendium für ein Jahr. Parallel suchten sie schon nach Investoren, waren aber wenig erfolgreich. „Also haben wir uns entschieden, eine Crowdfunding-Aktion zu machen, also eine Art Vorverkauf“, erzählt Krog. „Das hat geklappt: Wir haben 25.000 Euro eingenommen und die ersten 70 unserer Boxen verkauft.“ Bei dieser modernen Finanzierungsart geben Menschen freiwillig Geld aus, bevor sie das Produkt überhaupt besitzen können, einfach weil sie an die Idee glauben - in diesem Fall erfolgreich für beide Seiten.

Nach den letzten Entwicklungsschritten wurden in diesem Frühjahr die ersten Boxen ausgeliefert. Das schwarze Kästchen ist etwa doppelt so groß wie eine Zigarettenschachtel, verbraucht wenig Strom und findet seinen idealen Platz in der Wohnung nahe dem WLAN-Router, weil die Box auch per Kabel an das Netzwerk angeschlossen wird. „Die Box steuert verschiedene elektronische Geräte im Haushalt an – je nachdem, was der Nutzer braucht“, erklärt Elmar Zeeb. „Sie kann auch den Strom- oder Wasserverbrauch messen, Bewegungs- und Rauchmelder sein oder dem Bewohner signalisieren, wann er seine Grünpflanzen gießen muss.“ Jeder Nutzer kauft sich die Anwendungskombination, die er braucht – die sogenannten Pipes. Der Vorteil gegenüber bisherigen Lösungen: Der Kunde muss das Gerät nicht selbst programmieren, sondern kann es sofort unkompliziert nutzen. „Eine Alarmanlage fürs Ferienhaus könnte zum Beispiel so funktionieren: Wir kombinieren eine Webcam mit einem bestimmten Internetdienst, auf dem man eigene Bilder speichern kann“, erläutert der 35-jährige Zeeb. „Wenn sich nun im Ferienhaus etwas bewegt, kann man im Netz schauen, was da los ist.“

Derartige Software gibt es bisher auf dem Markt nicht, haben Recherchen der beiden ergeben. Zielgruppe sind zunächst die typischen Smartphone-Nutzer, also Menschen, die ohnehin täglich mit dem Internet und neuen Technologien umgehen. Aber in den kommenden Jahren rechnen die beiden Unternehmer mit wesentlich breiterer Anwendung. Mittelfristig haben sie den europäischen Markt im Auge. Die Möglichkeiten dessen, was eingebunden werden kann, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Und vielleicht wird Pipesbox irgendwann selbst eine Art soziales Netzwerk, in dem Nutzer sich austauschen und eigene Lösungen einstellen. Erstmal werden erneut Investoren gesucht, damit weitere Lösungen entwickelt werden können.


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