zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 00:24 Uhr

Kultur : Ein Käfig voller Narren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Premiere für Tragikomödie „Adams Äpfel“ im E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Etwas muss faul sein im Staate Dänemark. Oder sind Künstler dort nur mutiger? Jedenfalls legen das preisgekrönte dänische Filme der vergangenen Jahre nahe. Thomas Vinterbergs „Das Fest“ offenbart nach und nach den Missbrauch des Vaters an seinen Kindern. Anders Thomas Jensens gleichfalls international erfolgreicher Film „Adams Äpfel“ erzählt von einem Pfarrer, der von einem Heer unglaublicher Plagen heimgesucht wird – von geradezu biblischer Dimension.

„Das Fest“ kam 2007 im Mecklenburgischen Staatstheater auf die Bühne. Am Wochende hatte nun auch die mittlerweile in deutschen Landen viel gespielte Dramatisierung von „Adams Äpfel“ im Schweriner E-Werk Premiere.

In kompakten eineinhalb Stunden inszeniert Regisseur Dirk Audehm mit seinen Schauspiel-Kollegen ein absurdes Theater seelischer Grausamkeiten und lässt ein menschliches Bestiarium von der Leine, dass man sich als Zuschauer unwillkürlich fragen muss, ob es denn nicht noch schlimmer geht. Geht es.

Was ist gut, was böse? Wer normal, wer kaputt? Wer Heuchler, wer Zweifler? Das Stück lädt so recht zum Moralisieren ein. Wenn auch der Gerechte, Pfarrer Ivan, der in seinem Haus eine Gruppe kaputter Typen beherbergt, auf dass sie auf den rechten Weg zurückfinden, in jeder Hinsicht einen an der Waffel hat. Zu Kahlid (Amadeus Köhli), der als Öko-Robin-Hood Tankstellen ausraubt, Gunnar (Klaus Bieligk), einem kleptomanischen Säufer, und Sarah (Lucie Teisingerova), der alkoholabhängigen Schwangeren, gesellt sich der gerade aus dem Knast entlassene Nazi Adam. Ihn will Pfarrer Ivan bekehren, Adam will in dieser Hölle des scheinbaren Gutmenschentums nichts weiter als seine Bewährungszeit überstehen.

Auf der spartanisch mit Bank, Tisch und Stühlen ausgestatteten Bühne, die vor allem von einem stilisierten Kreuz und dem Apfelbaum als Schattenriss beherrscht wird, versucht Ivan (Sebastian Reusse), salbadernd und mit großem pastoralen Gestus, seine kleine Randgruppen-Gemeinde asozialer Typen abzurichten.

Während Özgür Platte seinen Adam als urskeptischen, zugleich empfindsamen Beobachter all des Wahnsinns um sich herum zeichnet, ein Kessel immer kurz vor dem Explodieren. Eine anfangs wortkarge Provokation nicht nur in seinem Plan, als Zeichen seines guten Willens einen Apfelkuchen zu backen.

Doch trotz aller Kabinettstückchen des Ensembles – Andreas Lembcke wieder mal in gleich mehreren Rollen – diesem doch eigentlich spielerisch so reizvollen Käfig menschlicher Narretei scheint etwas zu fehlen.

Vielleicht hätte diese Art grotesk-moralisierenden Boulevards etwas mehr inszenatorische Verrücktheit ganz gut vertragen? Oder märchenhaftere Bilder, dem überraschenden Ende des Stückes angemessen? Das Schlusslied mit Monty Pythons Gute-Laune-Klassiker „Always Look on the Bright Side of Life“ gab davon eine Ahnung. Der Beifall des Premierenpublikums war dennoch herzlich langanhaltend.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen