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Conrad Ekhof-Preis 2017 : Ein Jünger des Musiktheaters

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Aus der Onlineredaktion

Der Tenor Matthias Koziorowski erhält den Conrad Ekhof-Preis 2017 der Gesellschaft der Theaterfreunde

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Das könnte aus einer Komödie sein, ist aber Tatsache. Matthias Koziorowski, seit dieser Spielzeit im Schweriner Opernensemble, entdeckt jüngst im Haus die Tafel der Ekhof-Preisträger, liest und denkt, 2017 ist noch offen, wer ist es in diesem Jahr, das habe ich gar nicht mitbekommen. Kurz danach wird es ihm mitgeteilt: Er ist es.

Der junge Tenor stammt aus Essen, wo er an der Folkwang Universität der Künste studierte. Die Ausbildung komplettierte er in Meisterkursen bei Opern-Elite wie Helen Donath, Olaf Bär, Anja Harteros. Er gastierte in Dortmund, Kiel, Lübeck, Dresden, 2013 war er Preisträger der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Was wäre er geworden, wenn die Stimme nicht zum Profi gereicht hätte? Kein Überlegen: „Zuerst wollte ich Tierarzt werden, meine Notentscheidung war Lehrer für Deutsch und Französisch, nicht für Musik. Als Kind und Jugendlicher war ich Statist und habe dabei auch angefangen zu singen. Zum Theater bin ich aber nicht wegen der Musik gegangen, mich interessierte zuerst die Bühne, die Szene, das Spiel.“ Also wollte er kein Rampensänger werden? „Nein“, bekräftigt er, und aus Sängers Brust tönt es voll spaßig: „Eher Rampensau.“

Koziorowski hat zeitgenössische, klassische sowie Partien der leichten Muse gesungen, was liegt ihm am Herzen? Er wägt ab: „Das ist noch nicht entschieden. Von meiner Stimme wird behauptet, dass mal ein Tannhäuser, Tristan, Siegfried dabei herauskommen könnte. Für einen jungen Sänger ist es schwierig, mit einer eher großen Stimme seine Nische zu finden. Ich bin weder perfekter Spieltenor noch lyrischer Tenor, ich bin irgendwo dazwischen. Am besten liegt mir eigentlich Operette, die intensives Spiel verlangt. Ich nenne mich nicht Opernsänger, sondern gern Musiktheaterdarsteller. Mir ist auch die Gestaltung einer Rolle wichtig.“

Bei den Schlossfestspielen singt Matthias Koziorowski alternierend den Tony der „West Side Story“, und er hat, erzählt er, zu dieser Figur eine spezielle Verbindung. „Mit dem Tony bin ich in einer kleinen semiprofessionellen Produktion zum ersten Mal als Solist aufgetreten, habe das erste Geld mit meiner Stimme verdient. Von der Oper kommend mit ihren gewissen Manierismen, ist es herausfordernd, diese Figur so normal und alltäglich wie möglich darzustellen, mit dem nötigen jugendlichen Leichtsinn, der in der Oper selten gebraucht wird.“

Für die Bühne muss hart gearbeitet werden, damit es dann leicht aussieht, in welchem Verhältnis stehen da Stress und Spaß? „Eigentlich“, pointiert der Tenor seine Antwort, „ist es fast immer Spaß oder spaßiger Stress. Da ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, habe ich, ich weiß nicht warum, auch das Lampenfieber fast verloren, diese Angst kenne ich nicht, das macht den Stress erträglich.“

Von Arbeit am Theater war einst bei Ekhof die Rede, hat der Sänger von dem Schauspiellehrer gewusst vor dem Preis? Er muss nicht passen: „Ja, er ist mir bekannt, an der Essener Hochschule arbeiten die Studierenden aller Fächer eng miteinander, so hatte ich auch mit Schauspielern zu tun.“

Wie fühlt sich ein Essener im Norden und noch dazu im Osten? Erstaunlicher Befund: „Für mich ist Schwerin von Anfang an nicht so richtig Osten gewesen, mehr so ein Vorort von Hamburg. Mental passt Ruhrgebiet besser zu Norddeutschland als zu Süddeutschland. Ich bin zwar Großstadtkind, mich begeistert aber, dass man in Schwerin an der Fußgängerzone leben und in Minuten im Grünen und am Wasser sein kann.“ Und gar nichts stört ihn hier? Etwas doch: „Der viele Wind!“

 

Preisverleihung am Sonntag, dem 9. Juli, um 11 Uhr im Konzertfoyer des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin



 

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