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Brennstoffhersteller in Wismar : Ein Jahr nach Insolvenzantrag: Pelletwerk in Wismar boomt

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Große Bestürzung vor einem Jahr bei tausenden Anlegern: Europas größter Pellet-Hersteller in Wismar stellt einen Insolvenzantrag. Inzwischen wird am Standort Wismar wieder produziert. Die Gläubiger werden aber nur wenig Geld wiedersehen.

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 08:57 Uhr

Ein Jahr nach dem Insolvenzantrag des Brennstoffherstellers German Pellets läuft die Produktion am Standort Wismar wieder auf Hochtouren. „Wir erleben dank des lang andauernden Winters gerade einen ersten Saisonhöhepunkt“, sagt einer der beiden Geschäftsführer von Wismar Pellets, Thomas Kresser. Wismar Pellets gehört dem amerikanischen Finanzinvestor Metropolitan Equity Partners (MEP), der die Produktionsstätte zum 1. Juli 2016 übernahm. „Wir könnten 5000 bis 6000 Tonnen pro Woche verkaufen“, schätzt Kresser. Doch das gäben die beiden Produktionslinien nicht her.

Die Nachfrage nach Pellets sei riesig: „Deutschlandweit ist der Pelletmarkt völlig leergefegt“, sagt er. Als Ursache nennt er den andauernden Winter, den wieder steigenden Ölpreis und die höhere staatliche Förderung für die Anschaffung von Pelletheizungen und -öfen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) macht Bauherren und Wohnungsbesitzern die Anschaffung einer solchen alternativen Heizung mit finanziellen Hilfen so schmackhaft wie möglich - denn die Bundesregierung will, dass bis 2020 insgesamt 14 Prozent aller Wärmeleistungen aus erneuerbaren Energien stammen.

Der Gründer und Geschäftsführer der insolventen Firma German Pellets, Peter Leibold, hatte vor einem Jahr als einen Grund für die Pleite die gesunkene Nachfrage nach Holzpellets wegen des niedrigen Ölpreises angegeben. Am 10. Februar 2016 beantragte er Insolvenz.

MEP hatte Leibold, der auch in den USA aktiv war, für sein Werk in Texas Millionen geliehen. Als Sicherheit dafür setzte er das Werk in Wismar ein. Nach der Pleite seien fast alle Mitarbeiter in der Produktion, etwa 50, übernommen worden, sagte Kresser. Insgesamt seien an dem Standort etwa 70 Menschen beschäftigt, bis vor einem Jahr waren es 150. „Wir sind solide finanziert“, sagt Kresser, unter anderem dank einer Landesbürgschaft von 4,8 Millionen Euro. Wie viel MEP für das Wismarer Werk gezahlt hat, blieb geheim. Es habe jedoch einen großen Sanierungsbedarf gegeben, da das Werk jahrelang auf Verschleiß gefahren worden sei. Von zwei Produktionslinien sei eine nicht gelaufen, das Heizwerk habe repariert werden müssen.

In das komplizierte Unternehmenskonstrukt von German Pellets hatten rund 17 000 Anleger Geld gesteckt, darunter viele Kleinanleger. Rund 280 Millionen Euro sollen es gewesen sein, hohe Renditen waren versprochen. Zur planmäßigen Rückzahlung der ersten Anleihe im Frühjahr 2016 war es aber schon nicht mehr gekommen. Die meisten Kleinanleger hatten das Geld schon im vorigen Jahr abgeschrieben. Bei den Gläubigerversammlungen in Schwerin im Juli und Oktober waren die Stuhlreihen überwiegend leer geblieben. Die Erlöse aus dem Verkauf von drei früheren German Pellets-Firmen gingen früheren Angaben der Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde zufolge zum Großteil an Gläubiger mit gesicherten Anrechten.

In Gläubigerkreisen herrscht Unverständnis darüber, dass Leibold bislang ungestraft weiter als Unternehmer tätig sein kann. Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Die Ermittlungen seien sehr umfangreich, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Harald Nowack. „Man muss tief in die Buchhaltung einsteigen, um herauszufinden, zu welchem Zeitpunkt das Unternehmen nicht mehr in der Lage war zu zahlen.“ Für eine Untersuchungshaft Leibolds gebe es bislang keinen Grund. Zum einen gelte die Unschuldsvermutung, zum anderen sei Leibold präsent und stehe für die Ermittlungen zur Verfügung.

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