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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 23:32 Uhr

Parfum : Ein irrer Duft von BLÖ

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Parfümerin Kim Weisswange und der Künstler Torsten Siegfried Haake-Brandt lassen eine Farbe duften.

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Blau, althochdeutsch blao, für schimmernd oder glänzend. Ein Farbreiz, der wahrgenommen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung bei Wellenlängen zwischen 460 und 480 Nanometern ins Auge fällt. Doch kann man Farbe auch riechen?

Ja. Torsten Siegfried Haake-Brandt will das mit seinem Projekt „Eine Stadt wird duften“ möglich machen. Er ist kein Zauberkünstler, er ist ein Aktionskünstler, der Schwerin in der vergangenen Woche in einen Hauch von BLÖ tauchte. „BLÖ – wie Bleu – französisch für Blau oder nur BLÖ...!!!???“, beschreibt er sein Konzept nicht ohne Selbstironie. Das liegt nahe, wurde er doch mit blauen Kugelschreiber-Kritzeleien bekannt. „The BLÖ – utopische Firma für theoretische Bilder“ heißt auch das Label, unter dem der Hamburger seine Arbeiten und einen Duft präsentiert. Nachhaltige Verwirrung hinterließ er z. B. mit seiner Ausstellung „Sonderposten – 1. Fachgeschäft für Nichts“ im Kunstverein Schwerin, mit der er auf Absurdes im Alltäglichen und die kurzlebige Welt des Konsums und der Unterhaltung aufmerksam machte, indem er Fragen stellt wie „Was ist das Nichts?“ oder „Was ist Zeit?“.

Der Konzeptkünstler ist seit vielen Jahren mit der Parfumeurin Kim Weisswange befreundet. Sie zählt zu den führenden Duftkreateuren der Welt. Er gehörte bisher eher zu dem Typ Mann, der seine olfaktorischen Duftmarken mit Wasser und Seife setzte, der seine Kunst aber gerne mit allen Sinnen verbindet. Und so steht fest: „BLÖ“ braucht einen eigenen Duft.

Kim Weisswange ist Chef-Parfümeurin der „Capital Cosmetics GmbH“ in Hamburg und versteht es, Visionen in Parfüm zu verwandeln. So entstehen nun zwei Aromen der Farbe Blau – ein weibliches und ein männliches, aber auch andersherum zu gebrauchen.

Als eine der wenigen Parfumeure verfügt Weisswange über die Fähigkeit, mit natürlichen Essenzen im Sinne traditioneller Parfümeurskunst zu arbeiten. Echte Blütenessenzen verleihen ihren Duftwässern eine besondere Qualität. Die weiß ihr buntgemischtes Klientel zu schätzen.

Aufsehen erregten 2012 zwei ihrer Düfte, die die Hamburgerin zur Hochzeit von Prinz William und Kate kreierte. Kate wurde ein warmes, sinnliches und doch zurückhaltendes Parfüm mit Rosen- und Magnolienessenzen im schneeweißen Flakon zugedacht. Williams royal-schwarzes Fläschen enthielt Adlerholz, Norfolk-Lavendel und Bergamotte in der Kopfnote.

Weisswanges Verbindung zu Londons Adel besteht schon seit langem, erzählt Mister BLÖ Haake-Brandt. Die gebürtige Südafrikanerin hat bereits mit Lady Di ein Parfüm vertrieben, dessen Erlös eine Aids-Stiftung unterstützte. Auch Prinz Charles betört Camilla mit einem Weisswange-Duftwässerchen. Als das royale Odeur der Queen in die Nase zieht, will auch sie ein eigenes Bukett. Auf den außergewöhnlichen Geruchssinn vertrauen ebenfalls Prominente wie Pierce Brosnan, Madonna, Michelle Pfeifer oder Vivienne Westwood. In ihrem Labor in Winterhude verwandelt Kim Weisswange auch für Normalsterbliche kostbare Essenzen in individuelle Parfüms.

„Es gibt wichtigere Dinge als meine Bilder. Zum Beispiel Parfüm.“, erklärt Haake-Brandt den Zusammenhang zwischen Kunst und Duft. Der Mann im königsblauen Maßanzug mit aufgekrempelten Hosenbeinen nimmt sich selbst nicht allzu ernst und schafft es, mit nur einer Farbe und einer gehörigen Portion Ironie zu provozieren und gleichzeitig vergnügliche Verwirrung zu stiften. Dabei lässt er die Menschen nicht gern allein wie in einem Museum, betont Torsten Siegfried Haake-Brandt. Und so BLÖt er sich die Welt, wie es ihm gefällt.

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