Porträt : Ein hanseatischer Kaufmann

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Horst Rahe erfand das „Aida“-Modell / Er ist auf vielen Gebieten erfolgreich / Heute wird der Manager 75

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13. Juli 2014, 08:26 Uhr

Der Blick des Hamburger Kaufmanns Horst Rahe wandert zur Elbphilharmonie und zur Elbe. Dort kommen Handels- und Kreuzfahrtschiffe vorbei. Von seinem Schreibtisch aus sieht Rahe direkt auf das kostspielige Konzerthaus. Unter ihm, im Erdgeschoss des Hafen-City-Bürogebäudes am Kaiserkai, werden in der Brasserie „Carls“ Quiche, Flammekuchen und mittwochs die Currywurst serviert.

Rahe gehört das „Carls“, mit Handelsschiffen hatte er einst zu tun, für die Kreuzschifffahrt in Deutschland wagte er mit der ersten „Aida“ einen entscheidenden Vorstoß. Und klassische Musik ist aus seinem gesellschaftlichen Engagement in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nicht wegzudenken. „Immobilien, Tourismus, Finanzierung und Maritimes“, zählt Rahe die Pfeiler seines Geschäftes auf. Am Sonntag wird der gebürtige Hannoveraner 75 Jahre alt. Da war es an der Zeit, für den Bereich Tourismus als letztem einen Geschäftsführer und Anteilseigner zu installieren. Rahe selbst bleibt geschäftsführender Gesellschafter der übergeordneten Holding Deutsche Seereederei (DSR) und Aufsichtsratschef seiner Firmen mit 1500 Mitarbeitern.

Umsatzzahlen gibt es lediglich für die DSR Hotel Holding (Rostock) mit rund 105 Millionen Euro (2013). „High-End-Bereich, Change-Prozess, All-Inclusive, Label-Produkt“, diese Begriffe kommen dem Unternehmer flüssig über die Lippen, wenn er besonnen von seinen Projekten spricht oder selbstkritisch zurückblickt. Bei den A-Rosa-Anlagen waren sie zu weit „weggehuscht“ mit Grand-Hotellerie, Sterne-Gastronomie, den Materialschlachten – Gäste blieben weg. „Der Urlauber will heute Aktivitäten, Atmosphäre und Bezahlbarkeit“, sagt Rahe. Jetzt sei es in den Ressorts wieder alles ein bisschen leichter, urlaubsmäßiger geworden.

„Über Vorwürfe, ich mache Urlaub nur für Reiche, habe ich nachgedacht“, sagt Rahe – und gehandelt. In seiner A-Ja-Kette mit dem ersten Hotel in Warnemünde kann der Gast zum niedrigen Grundpreis Extras wie Badewelt und Buffet im Baukasten-System dazubuchen. Nach Warnemünde wird Grömitz (2015/Schleswig-Hostein) damit bespaßt, dann Bad Saarow (2016/Brandenburg).

Um den Erfolg im Tourismusmarkt Deutschland ist Rahe nicht bange. „Die Menschen werden älter, sie verzichten aufs wieder teurer werdende Fliegen – aber auf Urlaub verzichtet der Deutsche so ziemlich zuletzt.“ Simpel gesprochen, solide durchdacht. „Ich beschäftigte mich viel mit Zukunftstrends. Wer ein paar Jahre vor der Konkurrenz ist, der kann Neues erfolgreich umsetzen.“

Kreuzfahrtexperten und Bautechniker warfen einen Blick auf die jüngsten Hotel-Pläne, die Luftfahrtbranche stand Pate für strapazierfähige Stoffe. Und so entstand aus einer Idee schon gleich die nächste: bezahlbare möblierte Wohnungen für Studenten, Pfleger oder Wanderarbeiter – für 399 Euro netto Kaltmiete.

Auch „Aida“ sei eine Riesenerfolgsgeschichte. „Aber der kreative Teil war für mich dort getan“, sagt der Diplom-Kaufmann. Aufgaben hat er noch genug. Der Manager ist als Kuratoriumsvorsitzender bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern engagiert, er fördert Hochschüler der Musik und des Theaters in Rostock.

Er hat Leuchttürme aufgebaut: Tourismus, Gesundheitswirtschaft. Er ist der typische Hamburger Kaufmann. Und der kümmert sich in der Elbmetropole natürlich auch um die Philharmonie.


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