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Angeklagter gesteht vor dem Neubrandenburger Landgericht : Ein Geständnis, aber keine Reue

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Ein Mann verblutet hilflos an der Neubrandenburger Stadtmauer, ein anderes Opfer läuft nachts blutend und nackt durch die Stadt. Am Landgericht Neubrandenburg hat gestern ein Prozess um zwei Gewaltorgien begonnen.

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erstellt am 30.Okt.2012 | 11:50 Uhr

Neubrandenburg | Der als Haupttäter angeklagte 27-Jährige sagte zum Prozessbeginn gestern vor dem Landgericht, der Mann habe seine Freundin "angebaggert", da habe er zugeschlagen. Der 39 Jahre alte Mitangeklagte schwieg zu den Vorwürfen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen Totschlag "aus nichtigem Anlass", dem 39-Jährigen gefährliche Körperverletzung vor. Außerdem müssen sich die beiden Männer für eine weitere Tat verantworten: Im März sollen sie einen anderen Mann stundenlang geschlagen und gedemütigt haben. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Mit einem Urteil ist frühestens am 7. November zu rechnen, kündigte Richter Klaus Kabisch an. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die beiden Angeklagten als besonders brutale Schläger. Zu der tödlichen Gewaltorgie sei es am 5. Mai in der Wohnung eines Trinkkumpans in Neubrandenburg gekommen.

Opfer wurde die Treppe hinunter geworfen

Die 17 Jahre alte Freundin des 27-Jährigen sagte vor Gericht zwar, dass ihr Freund während des gemeinsamen Alkoholtrinkens zugeschlagen habe, an Einzelheiten könne sie sich aber nicht erinnern.

Laut Anklage haben beide Männer das Opfer geschlagen. Der 27-Jährige gab zu, den 51-Jährigen auch die Treppe hinuntergeworfen zu haben. Danach habe er mit einem weiteren Bekannten das Opfer, das nicht mehr gehen konnte, zu den Wallanlagen gebracht. Dort habe er den 51-Jährigen erneut geschlagen und gegen dessen Kopf getreten. Damit der hilflose Mann keine Polizei hole, habe er ihm das Handy weggenommen und sei gegangen. Reue zeigte der Angeklagte bei der Aussage nicht. Der 51-Jährige starb an den schweren Kopfverletzungen.

Im März sollen die beiden Angeklagten an einer Falle beteiligt gewesen sein, die eine junge Frau einem Bekannten in einem Hochhaus stellte, um sich an ihm für eine angebliche Vergewaltigung zu rächen. Der Mann wurde in eine Wohnung gelockt und dort stundenlang im Bad misshandelt. Blutend und nackt musste er wie ein Hund durch die Wohnung kriechen. Danach wurde er trotz seiner schweren Verletzungen und unbekleidet auf die Straße geschickt, obwohl die Temperatur nur knapp über null Grad lag. Der Mann wurde gerettet, in diesem Fall wird auch noch gegen weitere Verdächtige ermittelt.

Sachverständige sollen Details klären

Die Angeklagten müssen laut Staatsanwaltschaft mit langjährigen Haftstrafen rechnen, auch eine Sicherungsverwahrung werde für den brutalen Hauptverdächtigen erwogen. Der Prozess, in dem unter anderem noch drei Sachverständige gehört werden - darunter ein psychiatrischer Gutachter für den 27-Jährigen - wird am 7. November fortgesetzt.

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