zur Navigation springen

MEK-Einsatz in Lutheran : Ein Gefühl wie im Film

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Polizeieinsätze von Lutheran und Plau am See in der Bevölkerung weiter Gesprächsthema Nummer eins

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Der Regen hat die Spuren des Polizeieinsatzes längst weggespült. Inzwischen beschäftigen sich Staatsanwaltschaft und Politik mit den Polizeieinsätzen in Lutheran und Plau in der vergangenen Woche. Für Bauarbeiter Uwe Rieck sind Erinnerungen aber noch frisch. In der verträumten Elde-Stadt wird noch heftig über die Ereignisse diskutiert. Sie sind Stadtgespräch. Auch Leser unserer Zeitung rufen in unserer Redaktion an und schildern ihre Eindrücke.

Am vergangenen Mittwoch saß der Bauarbeiter mit zwei Kollegen in einem VW Transporter zur Mittagspause, auf einer Baustelle „Am Vogelsang“. Sie unterhielten sich, als plötzlich Vermummte mit Maschinenpistolen laut schrien, sie aus dem Wagen zerrten und sie bäuchlings in den Schlamm drückten. Dass es sich um Polizisten handelte, konnten sie nur ahnen und dem Geschrei entnehmen. Einen Ausweis hat niemand gezeigt. „Es hat sich angefühlt wie im Film“, sagt Rieck. Er schüttelt den Kopf, zeigt mit seiner Hand auf ein Grundstück, das sich neben der Baustelle befindet. Rieck versteht nicht, warum die Polizei die Bauarbeiter überwältigt hat, wenn der Gesuchte, wie sich hinterher herausstellte, doch eigentlich nebenan ist?

Rückblick: Ein Sondereinsatzkommando aus Schwerin vermutete am vergangen Mittwoch den Straftäter Nico S. aus Hamburg auf der Baustelle. Der Einsatz aber misslang: Nico S. war nicht vor Ort. Nur zwei Tage später der nächste Zugriff (Lesen sie auf dieser Seite). Der Gesuchte betreibt tatsächlich auf dem Grundstück nebenan ein Kleingewerbe für Geräteverleih, wie es im Handelsregister heißt. Zwei Garagen stehen dort „Am Vogelsang“. Was da genau geschieht, das konnte nicht einmal seine Mutter sagen. Für Brigitte S. ist es der gute Sohn, der sich kümmert. Mit 15 ist Nico bereits nach Hamburg gegangen. Er arbeitete zunächst am Hafen. Dort sei etwas geschehen, was ihn aus der Bahn warf. Eine Geschichte mit einem Messer, als er 19 war. Seitdem gerät er immer wieder mit dem Gesetz und den Gesetzeshütern in Konflikt, die ihn jetzt suchen, weil er eine mehrjährige Haftstrafe antreten soll.

Eine Anwohnerin vermutet: Die Polizei habe nicht richtig observiert. Der Pickup habe stets auf dem Grundstück von Nico. S. gestanden, niemals auf der Baustelle, auf der derzeit 30 Doppel- und Einfamilienhäuser entstehen. Uwe Rieck und zwei Kollegen sind dort längst wieder am bauen. Als deren Personalien überprüft worden waren und sich der Zugriff als Irrtum herausstellte, waren sie zwar wieder freie Menschen. Gestern mussten sie auf dem Revier in Plau ihre Aussagen machen. Eine halbe Stunde für jeden Zeugen. Die Erinnerungen werden noch lange die Gespräche der Bauarbeiter bestimmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen