Walter Bartels : Ein Flüchtlingspastor für Mecklenburg

Walter Bartels fordert eine neue Willkommenskultur: Kontakte mit Asylsuchenden stärken

svz.de von
13. April 2015, 21:17 Uhr

Der erste evangelische Flüchtlingspastor innerhalb der Nordkirche, Walter Bartels, hat eine herzliche Willkommenskultur in Deutschland gegenüber Flüchtlingen angemahnt.

Der 62-jährige Pastor trat am 1. Februar die Projekt- pfarrstelle für Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Mecklenburg in Schwerin an. Die vergangenen vier Jahre arbeitete er als Seelsorger in einem Krankenhaus in Tansania, berichtete Bartels gestern in Schwerin . Mecklenburg hat als erster von 13 Kirchenkreisen der Nordkirche eine solche Pfarrstelle eingerichtet. Das nordostdeutsche Bundesland erwartet in diesem Jahr etwa 6000 neu einreisende Asylbewerber.

Motivation für die neue Tätigkeit als Pastor für Flüchtlingsarbeit sei seine eigene „Fremdheitserfahrung“ aus Tansania, sagte Bartels.

In Mecklenburg wolle er sich für mehr Kontakte zwischen Einheimischen und Asylbewerbern einsetzen. Schwerpunkte sieht der neue Flüchtlingspastor in der Begleitung von Asylbewerbern, insbesondere in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Horst bei Boizenburg. Diese verfügt über rund 600 Plätze und ist seit Monaten überbelegt.

Im Juni soll daher eine Außenstelle im Schweriner Stadtteil Stern Buchholz mit weiteren 300 Plätzen öffnen. „Willkommenskultur geht nicht zu installieren, dafür muss man offen sein“, sagte Bartels. Daher wolle er mehr direkte Kontakte zwischen Anwohnern, Kirchgemeinden sowie Asylsuchenden fördern. Gerade in den Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns gebe es ausreichend Wohnraum, um Flüchtlinge aufzunehmen, jedoch auch viele Sorgen von Bewohnern hinsichtlich des Zusammenlebens. Kirchgemeinden könnten da vermitteln und als Multiplikatoren wirken. Sie könnten etwa Senioren oder Sportvereine für die ehrenamtliche Begleitung von Asylbewerbern gewinnen, meinte Bartels.

Auch die Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern engagiert sich mehr für die Belange von Asylsuchenden. Ein neuer Fachbereich „Ökumenische Diakonie, Migration und Flucht“ solle vor allem Migrationsberatung, aber auch finanzielle Nothilfe etwa für ausländische Studenten anbieten, erklärte Martin Scriba, Landespastor im Diakonischen Werk. Ziel sei eine stärkere interkulturelle Sensibilisierung der Bevölkerung für Flüchtlingsfragen. Zuwanderung solle nicht nur als Problem verstanden werden, sondern als ,,Riesen- chance, dass das Leben bunter wird“, so Scriba.

Ein Problem für Asylsuchende in Mecklenburg-Vorpommern sei derzeit die medizinische Versorgung, räumte Scriba ein. Flüchtlinge hätten lediglich Anspruch auf eine Grundversorgung wie Schmerzlinderung, nicht jedoch auf weitergehende Behandlung oder gar psychologische Therapien. Wegen des Ärztemangels im Nordosten und ohne eigene Gesundheitskarte könnten Flüchtlinge im Krankheitsfall aber keine ambulanten Praxen aufsuchen. Die meisten landeten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, die zunehmende Überlastung beklagten.

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